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Po-freier Pyjama ist überall im Internet zu sehen

Eine Werbung für einen Pyjama mit abknöpfbarem Hinterteil verfolgt viele User online geradezu. Was tatsächlich dahintersteckt, darüber rätselt man.

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    Diese Werbung ist im Internet momentan allgegenwärtig.
    Diese Werbung ist im Internet momentan allgegenwärtig.
    IvRose

    Werbung verfolgt uns im Internet auf Schritt und Tritt, und meist fallen einem die blinkenden, bunten Werbeflächen auf verschiedensten Websites gar nicht mehr auf. Nicht so mit einer neuen Werbung, die momentan überall im Internet auftaucht. Es handelt sich um die Anpreisung eines Produkts, das "schlichte, funktionale, geknöpfte Pyjamas für Erwachsene" genannt wird.

    Auf dem Bild zur Werbung sind verschiedenste Einteiler-Pyjamas zu sehen, die am Hinterteil über einen abknöpfbaren Flicken verfügen. Tatsächlich ist diese Werbung im Internet momentan so allgegenwärtig, dass beinahe auf allen sozialen Netzwerken Posts darüber zu finden sind. "Diese Werbung verfolgt mich in jedem Artikel", schreibt beispielsweise die Style- und Techjournalistin Taylor Lorenz auf Twitter. Ein kurzer Blick auf die Antworten auf ihren Tweet zeigen: So wie Lorenz geht es vielen anderen ebenfalls.

    Die Frage, die sich alle Internetnutzerinnen und -nutzer dabei stellen, ist: Wieso wird mir diese Werbung angezeigt? Und woher kommt sie?

    Werbung aus China

    Darüber, was genau hinter dieser Werbung steckt, gibt es einige verschiedene Theorien. Manche Experten behaupten, dass es die Werbung darauf angelegt habe, Informationen über so viele Internet-User wie möglich zu sammeln. Andere sehen dahinter nichts weiter als eine harmlose – wenn auch groß angelegte – Ad-Kampagne.

    Erstmals große Aufmerksamkeit erhielt die Werbung, als sie für unzählige Leser eines Textes auf Elle.com erschien. Bald schon wurde die Werbung aber auch auf anderen Internetseiten entdeckt.

    Laut BBC steckt hinter der Werbekampagne die chinesische Firma Shanghai Lishang Information Technology Co Ltd. Diese befindet sich an derselben Adresse wie die Fashion-Unternehmen ChicMe und IvRose, welche in den Pyjama-Werbungen genannt werden. Laut Mat Morrison von der Werbeagentur Digital Whiskey ist die Strategie, die bei dieser Kampagne verwendet wird, nicht neu. Bereits in der Vergangenheit sollen chinesische Werber immer wieder auf provokative Bildsprache zurückgegriffen haben, um Aufmerksamkeit zu generieren.

    Teure Werbung

    Neu ist allerdings die hohe Anzahl an Werbungen, die ausgespielt wird. Laut BBC könnte eine mögliche Erklärung dafür sein, dass es die Werbung nicht auf eine spezifisch eingeschränkte Zielgruppe abgesehen hat, sondern so eingestellt ist, dass sie einer ganzen Altersgruppe oder gar einem ganzen Geschlecht angezeigt wird.

    Günstig ist dies nicht. Wie Krzysztof Franaszek, Gründer der Website Adalytics.io, gegenüber CNBC darlegt, hat die Firma hinter der Werbung einiges an Geld für deren Verbreitung aufgewendet. Denn eine Werbung wie jene des Pyjamas kostet rund 10 bis 12 Dollar pro Tausend Impressionen. Berücksichtigt man, wie häufig die Werbung ausgespielt wird, müssen mehrere Zehntausend wenn nicht sogar Hunderttausend Dollar hinter der Kampagne stecken.

    Cookies auf dem Gerät

    Dieser Aufwand könnte sich dennoch auszahlen. Denn laut Morrison ist das erste Ziel der Kampagne nicht etwa, den Internet-Usern tatsächlich ein Po-freies Pyjama zu verkaufen. Viel eher hoffen die Absender der Werbung darauf, dass möglichst viele Personen auf die absurde Anzeige klicken. "Wenn jemand darauf klickt, platziert die Werbefirma ein Cookie auf dem Gerät des Users, das ihn später wiedererkennen kann", erklärt Morrison. So könne sichergestellt werden, dass der Person auch in Zukunft Werbung dieser Firma angezeigt werden kann.

    Darüber, ob dies tatsächlich der Fall ist, lässt sich nur mutmaßen, denn bisher hat sich ChicMe nicht öffentlich über ihre Werbekampagne geäußert. Wer bereits auf die Anzeige geklickt hat, jedoch sichergehen möchte, dass die Firma keine Cookies auf dem eigenen Gerät hinterlassen hat, kann die Cookie-Cache des Browsers, mit welchem die Werbung angeklickt wurde, leeren.