Österreich

Radweg-Streit: 1 Fahrspur weniger ist "unkritisch"

Heute Redaktion
13.09.2021, 22:40

Beim geplanten Radwegsausbau beim Künstlerhaus wirft ÖVP-City-Klubobmann Gimbel Verkehrsstadträtin Vassialkou (Grüne) vor, "bewusst Unwahrheit" ausrichten zu lassen.

Weil es hier immer wieder zu Konflikten zwischen Fußgängern und Radlern komme, soll die Gefahrenstelle im Zuge der anlaufenden Sanierung des Künstlerhauses entschärft werden – "Heute" berichtete.

City-ÖVP: Vassilakou hat Entscheidung schon getroffen

Genau darum hat sich jetzt ein Polit-Streit entwickelt: Denn während das Büro von Verkehrsstadträtin Maria Vassilakou (Grüne) von mehreren möglichen Varianten, die noch geprüft werden, spricht, sehen die City-ÖVP und die Wirtschaftskammer den Zug schon als abgefahren bzw. die Fahrspur schon als "gekillt" an: "Dass Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou durch ihr Büro ausrichten lässt, dass noch keine Entscheidung getroffen sei und zwei Varianten geprüft würden ist einfach nicht wahr", so der Vorsitzende der Verkehrskommission der Inneren Stadt ÖVP-Klubobmann Sebastian Gimbel.

"Grüne spielen liebend gerne Autofahrer gegen Radfahrer aus"

"Am 19. Oktober 2017 hat die MA28 in einem Schreiben an den Bezirksvorsteher festgehalten, 'dass der Einspruch der BV 1 und der Wirtschaftskammer Wien betreffend die Fahrstreifenreduktion am Karlsplatz und in der Lothringerstraße zur Schaffung eines baulichen Radwegs an die Geschäftsgruppe Stadtentwicklung, Verkehr, Klimaschutz, Energieplanung und BürgerInnenbeteiligung weitergeleitet wurde und von dieser entschieden wurde, dass das Projekt mit Fahrstreifenreduktion umgesetzt werden soll", so Gimbel weiter.

Er wirft Vassilakou vor, sie habe "der Öffentlichkeit bewusst die Unwahrheit ausrichten lassen". Gimbel: "Für Vassilakou ist die Ideologie einfach wichtiger als die Interessen der Wienerinnen und Wiener! Grüne spielen liebend gerne Autofahrer gegen Radfahrer aus." Der schwarze City-Klubchef fordert die Verkehrsstadträtin auf, "von den Plänen Abstand zu nehmen und stattdessen gemeinsam mit dem Bezirk die bereits paktierte, sachlich sinnvolle, Variante umzusetzen."

Wirtschaftskammer ortet "verfrühten Faschingsscherz"

Auch die Wirtschaftskammer stellt sich gegen die Pläne: „Einmal mehr beweist die Stadt Wien, wie wenig ihr die Unternehmen im 1. Bezirk wert sind", so Rainer Trefelik, Obmann der Sparte Handel in der Wirtschaftskammer Wien. „Den Radweg im Bereich Karlsplatz/Künstlerhaus auf die Fahrbahn der 2er-Linie zu verlegen und damit eine Fahrspur für den restlichen Verkehr zu sperren, kann ich nur als Kundenvertreibungsaktion oder verfrühten Faschingsscherz bewerten", kritisiert der Handelsobmann.

Vassilakou geht auf Anschuldigungen nicht ein

Das Büro Vassilakou will auf die Anschuldigen nicht eingehen. Auf "Heute"-Anfrage heißt es am Freitag: „Aufgrund der Aufwertung des Vorplatzes Künstlerhaus gibt es von mehreren Seiten den Wunsch, die derzeit bestehende Gefahrenstelle für Fußgänger zu entschärfen (U-Bahnaufgang, Gehsteig, Radweg). Ebenso gibt es Einsprüche von mehreren Seiten gegen die Entschärfung der Gefahrenstelle, beispielsweise von der Bezirksvertretung Innere Stadt. Deshalb werden entsprechende Ideen sorgfältig geprüft. Der Einspruch der Bezirksvertretung Innere Stadt wurde derweil abgelehnt."

Weiters habe eine Verkehrszählung ergeben, dass "die ermittelten Auslastungsgrade ausreichend Leistungsreserven nachweisen – und die untersuchte Fahrstreifenreduktion an den Kreuzungen Karlsplatz - Akademiestraße und Lothringerstraße - Canovagasse als unkritisch zu sehen sind." Die MA 28 prüfe nun mögliche Varianten der Umsetzung. Jegliche bauliche Veränderung entlang der Straße vor dem Künstlerhaus erfolge selbstverständlich stets in Abstimmung mit dem Gleisbauprogramm der Wiener Linien. "Fest steht auch, dass während der Sitzungsphasen der österreichischen EU-Ratspräsidentschaft 2018 keine Straßenbauarbeiten im höherrangigen Straßennetz stattfinden dürfen," so das Büro Vassilakou. (ck)

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