Österreich

Polizei erwischte 128.489 Lenker mit Handy am Steuer

Laut dem Verkehrsclub Österreich wurden 2021 hierzulande 128.489 Handy-Lenker ertappt – bereits 7.000 mehr als noch im Jahr davor.
Christine Ziechert
31.05.2022, 16:50

Viele tun es, ohne dabei an mögliche Gefahren zu denken: Das Smartphone wird bei vielen Österreichern auch während einer Autofahrt benützt. Doch, wer mit dem Handy am Ohr telefoniert, reagiert so schlecht wie ein Alko-Lenker mit 0,8 Promille, warnt der Verkehrsclub Österreich (VCÖ).

Laut VCÖ wurden österreichweit im Vorjahr 128.489 Handy-Lenker erwischt – 7.000 mehr als noch 2020. Die meisten Vergehen – nämlich 27.098 – wurden in Niederösterreich geahndet. An zweiter Stelle folgt Wien mit 25.237 Anzeigen – das sind rund fünfmal so viele wie Alko-Lenker. Allerdings: In der Bundeshauptstadt ging die Zahl der ertappten Handy-Lenker um rund 2.000 zurück.

Handy-Lenker reagieren um eine halbe Sekunde verzögert

Die Dunkelziffer ist laut VCÖ allerdings wesentlich höher, wie Erhebungen in der Vergangenheit gezeigt haben. Denn, wie viele Autofahrer mit dem Smartphone am Steuer erwischt werden, hängt auch von der Kontrolldichte ab. "Zu viele meinen, es wäre ein Kavaliersdelikat und sind sich der fatalen Folgen nicht bewusst, die das Handy-Telefonieren während des Autolenkens haben kann. Wer mit dem Handy am Ohr telefoniert, reagiert etwa um eine halbe Sekunde später", erklärt VCÖ-Experte Michael Schwendinger.

Wie fatal die Folgen sein können, zeigt ein Beispiel des VCÖ: Läuft ein Kind zwölf Meter vor einem Pkw, der 30 km/h fährt, auf die Straße, kann ein aufmerksamer Lenker sein Auto vor dem Kind zum Stillstand bringen. Ein Autofahrer, der eine halbe Sekunde verzögert reagiert, fährt das Kind mit einer Geschwindigkeit von rund 25 km/h nieder, was zu schweren Verletzungen führen kann. "Deshalb beim Autolenken das Prinzip 'Don't phone and drive' genauso beherzigen, wie das Prinzip 'Don't drink and drive'", erinnert Schwendinger. 

Handy-am-Steuer-Delikte 2021 (in Klammer die Daten für das Jahr 2020)

Niederösterreich: 27.098 (24.578)

Wien: 25.237 (27.444)

Oberösterreich: 18.590 (16.606)

Steiermark: 18.583 (15.871)

Tirol: 14.602 (13.838)

Salzburg: 9.099 (9.079)

Kärnten: 7.923 (6.555)

Vorarlberg: 3.800 (4.297)

Burgenland: 3.557 (3.143)

Quelle: BMI, VCÖ 2022

VCÖ für Aufnahme des Delikts ins Vormerksystem

Die derzeitige Strafhöhe von 50 Euro stehe in keinem Verhältnis zum Gefährdungspotenzial des Delikts, so der VCÖ. Die Mobilitätsorganisation spricht sich zudem für verstärkte Kontrollen und dafür aus, dass das Delikt "Handy am Steuer" ins Vormerksystem aufgenommen wird, so wie das in vielen EU-Staaten bereits der Fall ist. Damit kann gezielt Bewusstseinsarbeit bei jenen gemacht werden, die sich ans Handy-Verbot nicht halten.

Der Verkehrsclub weist zudem auf ein von der niederländischen Polizei gemeinsam mit der Universität Utrecht entwickeltes Kamerasystem hin, das erkennt, wenn mit dem Handy am Steuer telefoniert wird. In den Niederlanden ist das System testweise im Einsatz. Wenn sich das System bewährt, sollte dieses auch in Österreich eingesetzt werden, um die Verkehrssicherheit zu erhöhen, fordert der VCÖ.

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