Polizei löst Demo in Putins Geburtsort gewaltsam auf

Wladimir Putin wird heute 65. An seinem Geburtstag haben Oppositionelle in über 20 Städten demonstriert. Allein in St. Petersburg wurden 66 Personen festgenommen.

Am Geburtstag von Präsident Wladimir Putin haben zahlreiche Oppositionelle in mehreren Städten gegen die Regierung demonstriert. Allein in Moskau kamen Hunderte Menschen zum zentralen Puschkin-Platz und skandierten "Russland ohne Putin!". Die Kundgebung war nicht von den Behörden genehmigt.

Am Abend fand die – ebenfalls nicht erlaubte – Haupt-Demonstration in Putins Heimatstadt St. Petersburg angekündigt. Experten hatten bereits im Vorfeld mit einem harten Durchgreifen der Polizei gerechnet. So kam es dann auch: Mindestens 66 Demonstranten seien festgenommen worden, sagte der Sprecher der Bürgerrechtsorganisation OVD-Info, Artjom Platow.

Seit 2000 an der Macht

Die Demonstranten sind größtenteils Anhänger des Oppositionellen Alexej Nawalny, der selbst nicht demonstrieren konnte. Er sitzt wegen des mehrfachen Aufrufs zu nicht genehmigten Protesten für 20 Tage in Arrest. Er war Ende September festgenommen worden. Ein Moskauer Gericht hatte am Freitag eine Berufungsklage abgewiesen.

Präsident Putin wurde am Samstag 65; er wurde am 7. Oktober 1952 in Leningrad – dem heutigen St. Petersburg – geboren. Er ist seit dem Jahr 2000 an der Macht. Zwischen 2008 und 2012 war er Regierungschef. Mehrere Staatschefs verbündeter Ex-Sowjetrepubliken gratulierten ihm und bekräftigten ihre enge Partnerschaft mit Russland.

Es wird erwartet, dass Putin im März 2018 für eine weitere Amtszeit kandidiert. Auch Nawalny will antreten, darf aber wegen einer Bewährungsstrafe in einem Unterschlagungsfall nicht.

80 präventive Festnahmen

Bereits im Vorfeld gab es landesweit Dutzende Festnahmen. Russische Medien berichteten von zahlreichen präventiven Festnahmen vor den Demonstrationen. Das Bürgerrechtler-Portal OVD-Info meldete am frühen Nachmittag landesweit mindestens 80 Fälle. Vor allem führende Mitarbeiter von Nawalny in den Regionen wurden in Gewahrsam genommen, so etwa im südrussischen Krasnodar.

In St. Petersburg wurde vor der Demonstration Berichten zufolge ein Anwalt von Nawalnys Stab festgenommen. Schon Stunden vor der Kundgebung in der früheren Zarenmetropole war ein Großaufgebot der Polizei beim Marsfeld am Newa-Ufer im Einsatz.

Nawalny hatte landesweit in rund 80 Städten zu Protesten gegen die Staatsspitze und für freie und faire Wahlen aufgerufen. Lediglich in knapp 20 Orten wurden die Proteste zugelassen. Örtliche Medien berichteten von Kundgebungen mit wenigen Teilnehmern in der Provinz, etwa in Wladiwostok und Nowosibirsk. (mch/sda)

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