Polizei nimmt "Heute"-Redakteure in Wien fest

Wie fühlt es sich an verhaftet zu werden oder einen Schuss abzufeuern? Das konnten zwei "Heute"-Redakteure am Donnerstag hautnah miterleben. 

Die Amtshandlungen der Wiener Polizei stehen oftmals im Fokus der Medien und manchmal sogar in der Kritik. Aber wie fühlt sich eine Extremsituation als Uniformierter an? Wie reagiert der Mensch auf Stress, Lärm und Aggressoren? Das wollten sich die "Heute"-Redakteure Louis Kraft und Maxim Zdziarski genauer ansehen.

Im Polizei-Schulungszentrum in Wien-Landstraße zeigten WEGA-Chef Ernst Albrecht und Landeseinsatztrainer Wolfgang Dorfbauer, wie sich der Alltag eines Polizisten – und eines Verhafteten – anfühlen kann. Nach einer Theorie-Einheit ging es für Louis und Maxim gleich in den Judo-Raum. Am Programm: Fixieren und Handschellen anlegen.

Fixierung eines Verdächtigen

Wenn mehrere Polizisten eine Person auf dem Boden fixieren müssen, sieht das oft erschreckend aus. Schnell wird dann von Außenstehenden das Urteil unverhältnismäßiger Gewalt gefällt. Doch tatsächlich ist es die schonendste Methode, einem aggressiven Verdächtigen die Handschellen anzulegen. 

In der Rolle des Bösewichts: "Heute"-Redakteur Maxim (30). Und obwohl der Ablauf zuvor besprochen wurde, war die Landung auf den Sportmatten alles andere als weich. Zuerst knallte er mit den Knien und kurz danach mit der Brust auf den Boden. "Wenn das auf Beton passiert, hat man danach mit Sicherheit blaue Flecken und Schürfwunden", erzählt der 30-Jährige.

Sein Fazit: "Muss man von der Polizei im realen Leben fixiert werden, dann liegen da keine Matten. Eine derartige Festnahme völlig unverletzt zu überstehen, ist also de facto unmöglich. Auch dann nicht, wenn man sich nicht zur Wehr setzt. Am besten man lässt es gar nicht erst so weit kommen. Denn die Polizisten fixieren erst dann, wenn andere Methoden fehlgeschlagen sind". 

Zuerst schießen, dann Streit schlichten

Nach einer Übung am Schießstand mit Seifenlaugen-Munition konnten Louis und Maxim dann in die Rolle zweier Beamten schlüpfen. Die beiden "Hobby-Inspektoren" wurden im Szenarien-Training zu einem Raufhandel am Würstelstand gerufen. Der Alkohol-Pegel der beiden Streithähne: deutlich über dem Durst.

Vor Ort stellte sich schnell heraus, dass mit gutem Zureden hier nichts mehr zu retten war. Die Lage eskalierte schlagartig. Einer der beiden Männer ging verletzt zu Boden und der Täter suchte sofort das Weite. Unklar war für die beiden Redakteure, wie man nun vorgehen sollte: Louis entschloss sich, sich um den Verletzten zu kümmern, während Maxim den Täter schnappen wollte. Doch als das nicht möglich war, eilte er seiner Kollegin zur Hilfe.

Als dann der Täter plötzlich zurückkehrte, kam der Pfefferspray zum Einsatz. Im selben Moment setzte Einsatztrainer Dorfbauer einen lauten Pfiff ab und beendete das Szenario. "Gut, dass es vorbei war. Wir hätten nicht mehr weiter gewusst", sind sich die beiden Redakteure einig.

Hier wurde ein weiteres Mal klar: Als Polizist hat man quasi keine Zeit zu überlegen, welche Handlung man als nächste setzt. Die Stimmung kann innerhalb von Sekundenbruchteilen kippen und dann muss man sofort reagieren. Mischen sich dann auch noch der Würstelverkäufer und Augenzeugen ein, wird die Lage noch unübersichtlicher, als sie ohnehin schon ist. Da kann es mitunter vorkommen, dass die falschen Entscheidungen getroffen werden.

Routine-Einsatz wird zur Nervenprobe

Bei den anderen Szenarien handelte es sich um eine Lärmbelästigung in einer Wohnung und eine Fahrzeugkontrolle. In beiden Fällen wurde den Redakteuren bewusst, wie wachsam Beamte auch (oder vor allem) in einer scheinbaren Routinekontrolle sein müssen. Tätliche Angriffe auf Polizisten passieren oftmals aus dem Nichts. Die Aggressoren handeln ohne Ankündigung und haben dann nur eines im Sinn: das Gegenüber zu verletzen. Reagiert man als Polizist zu langsam oder gar falsch, kann das mitunter das Leben kosten. Und unter den Uniformen stecken auch nur Menschen, die - nachdem sie Tag für Tag ihr Leben für andere riskieren - am Abend unbeschadet zu ihren Familien zurückkehren wollen.

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