Welt

Polizei stürmt Athener U-Bahn und beendet Streik

Heute Redaktion
14.09.2021, 03:16

Nach neun Tagen Streik bei der Athener U-Bahn haben die Beschäftigten auf Druck der Regierung ihre Arbeit am Freitag wieder aufgenommen. "Die ersten Züge beginnen wieder zu rollen, der Rhythmus ist noch etwas verzögert, aber die Situation normalisiert sich wieder", verlautete aus dem griechischen Ministerium für Entwicklung. Zuvor hatte es einen Großeinsatz der Polizei gegen die Streikenden sowie eine Dienstverpflichtung gegeben.

Nach neun Tagen Streik bei der Athener U-Bahn haben die Beschäftigten auf Druck der Regierung ihre Arbeit am Freitag wieder aufgenommen. "Die ersten Züge beginnen wieder zu rollen, der Rhythmus ist noch etwas verzögert, aber die Situation normalisiert sich wieder", verlautete aus dem griechischen Ministerium für Entwicklung. Zuvor hatte es einen Großeinsatz der Polizei gegen die Streikenden sowie eine Dienstverpflichtung gegeben.

Wie die Polizei mitteilte, waren an dem Großeinsatz vor dem Morgengrauen an der Einsatzzentrale der U-Bahn rund 300 Beamte der Bereitschaftspolizei beteiligt. Sie hatten den Auftrag, die am Donnerstag erfolgte Besetzung der Zentrale durch die Streikenden zu beenden. Bei dem Polizeieinsatz wurden vier Menschen vorübergehend festgenommen.

Aus Ministeriumskreisen verlautete, die Polizei habe am Vormittag mit der Verteilung von Dienstverpflichtungsanweisungen an die rund 2.500 Beschäftigten von U-Bahn, Straßenbahn und Vorortzügen begonnen. Der Streik bei der U-Bahn war zuvor gerichtlich für unrechtmäßig erklärt worden. Bei der Verteilung der Anweisungen sei kein Widerstand geleistet worden. Ein Vertreter der U-Bahn-Gewerkschaft sagte der Nachrichtenagentur AFP, die Beschäftigten seien verpflichtet, die Arbeit wieder aufzunehmen.

Kein "Komplettausfall"

Rund 500 Menschen folgten zu Mittag einem Protestaufruf vor der U-Bahn-Einsatzzentrale. Unter ihnen waren vor allem Gewerkschaftsvertreter und Aktivisten der linken Opposition. Nach Gewerkschaftsangaben wurde jedoch eine im Zentrum Athens geplante Demonstration aller Beschäftigten des öffentlichen Nahverkehrs abgesagt.

Der Streik bei der Athener U-Bahn war der längste seit ihrem Ausbau zu Beginn der 2000er-Jahre. Trotz der Dienstverpflichtung hatten die Gewerkschaften aller Nahverkehrsmittel zunächst für Freitag einen "Komplettausfall" angekündigt. Der Streik wurde schließlich jedoch nur bei Bussen und Oberleitungsbussen fortgesetzt, deren Fahrer nicht von der Dienstverpflichtung betroffen waren.

Lange Staus in Athen

Der öffentliche Nahverkehr in Athen wurde durch den Streik bei der U-Bahn tagelang behindert. Die Streikenden protestierten gegen die Sparmaßnahmen der Regierung. Deren Pläne sehen vor, die Gehälter der U-Bahn-Mitarbeiter zu senken. Regierungssprecher Simos Kedikoglou hatte zuvor erklärt, durch den Streik werde die Wirtschaftskraft des Landes geschädigt. Medienberichten zufolge kostete der U-Bahn-Streik die griechische Wirtschaft geschätzte zehn Millionen Euro.

Regierungschef Antonis Samaras sagte am Donnerstag, die Bevölkerung habe angesichts der Maßnahmen zur Beendigung der Finanzkrise große Opfer gebracht. Dabei könne er "keine Ausnahmen zulassen". Die Regierung hatte auf Grundlage eines Notstandsgesetzes den Mitarbeitern der Verkehrsbetriebe mit Festnahmen gedroht, sollten sie ihren Ausstand nicht beenden. Im Gegenzug für milliardenschwere Hilfen von seinen internationalen Geldgebern muss das krisengeschüttelte Land einen harten Sparkurs fahren und Reformen umsetzen. Lohnkürzungen bei den U-Bahn-Fahrern sind in der Regierungskoalition umstritten.

Polizeieinsatz "barbarisch"

Die Polizisten verschafften sich nach Angaben eines Sprechers gegen vier Uhr früh mit Gewalt Zugang zu dem Depot, in dem rund 90 Arbeiter ausharrten. Dabei sei es zu Rangeleien gekommen. Die linksradikale Oppositionspartei SYRIZA kritisierte den Polizeieinsatz als "barbarisch".

Insbesondere Pendler äußerten wenig Verständnis für die Streikenden. "Diese Woche war die Hölle. Wie können sie erwarten, dass wir auf ihrer Seite sind, wenn sie uns das antun. Wir leiden alle unter den Sparmaßnahmen", sagte der 50-jährige Dionisis Kefalas. "Normalen Leuten wird das Leben schwer gemacht - als ob unsere Probleme nicht groß genug sind", schloss sich die Büroangestellte Daphne Kiritsi der Kritik an. Sie habe in dieser Woche 200 Euro für Taxis ausgeben, ein Viertel ihres Monatseinkommens.

Ungeachtet dessen rief der für die Privatwirtschaft zuständige Gewerkschaftsdachverband GSEE für kommenden Monat zu einem 24-stündigen Streik gegen die Sparmaßnahmen auf. "Der Kampf der Arbeiter wird fortgesetzt, bis Gerechtigkeit herrscht", sagte GSEE-Generalsekretär Nikos Kioutsoukis.

Jetzt E-Paper lesen