Nach dem Brand im Wiener Neustädter Dom ist am Mittwoch die Ursachenermittlung angelaufen. Etwa 100 Mann mehrerer Feuerwehren waren am Dienstagabend vier Stunden lang mit den Löscharbeiten beschäftigt. Der entstandene Schaden dürfte enorm sein, hieß es seitens des Bezirkskommandos. Die Polizei sprach von vermutlich mehreren 10.000 Euro.
Die Ermittlungen der Polizei und des Landeskriminalamtes erbaben, dass eine "vorsätzliche oder fährlässige Handlung" herbeigeführt wurde. Das heißt, dass ein Brandstifter entweder absichtlich einen Betstuhl in der ehemaligen Taufkapelle angezündet hat, oder jemand eine Kerze abstellte, durch die das Holz in Brand geriet.
Brandmittelspürhunde fanden keine Anzeichen auf Brandbeschleuniger, so Erich Rosenbaum vom Landeskriminalamt NÖ. Die Ermittler fanden auch keinen Hinweis auf eine technische Zündquellenmöglichkeit.
Nun sucht die Polizei Zeugen, die am Dienstag von 17.00 bis etwa 18.00 Uhr etwas beobachtet haben. Hinweise unter 059133/30-3333 bzw. -3336 (Landeskriminalamt) oder an jede andere Sicherheitsdienststelle
Dienstag, 18 Uhr: Das Feuer bricht aus
Der Brand war am Dienstag kurz nach 18 Uhr an der nordwestlichen Seite des Domes in einer Seitenkapelle, der ehemaligen Taufkapelle, ausgebrochen. Bei der Feuerwehr gingen in der Folge mehrere Notrufe ein. Neben der FF Wiener Neustadt rückten auch Kräfte aus Felixdorf, Neunkirchen, Weikersdorf, Katzelsdorf und Markt Piesting u.a. mit Hubrettungsgeräten und Atemschutztrupps aus.
Kunstobjekte gerettet
"Wir konnten den Brand anfänglich kaum lokalisieren", berichtete ein Helfer laut Bezirkskommando. Der Rauch sei so dicht gewesen, dass bei der Anfahrt zur Einsatzstelle vorerst nicht klar gewesen sei, was nun genau brenne. Die Löscharbeiten hätten sich schwierig gestaltet, "weil die engen Stiegenaufgänge des romanischen Bauwerks das Zurechtfinden und Hantieren mit schwerem Gerät erschwerten". Die Einsatzkräfte hätten nicht nur die Flammen bekämpft, sondern auch unschätzbar wertvolle Kunstobjekte aus dem Gefahrenbereich geborgen.
Ersten Erhebungen der Polizei zufolge dürfte der Brand an der nördlichen Mauer der Sakristei ausgebrochen sein. Abplatzungen des Verputzes, beginnend in einer Höhe von etwa einem Meter bis unter die Decke, seien wahrnehmbar. Der Brand brach dann durch die Holzdecke in den Dachstuhl durch, nicht jedoch durch das Dach selbst, wie es am Dienstagabend seitens der Feuerwehr hieß.
Schaden durch Versicherung gedeckt
Die Löschtrupps verhinderten mit ihrem raschen Einsatz vor allem ein Übergreifen der Flammen auf den Hauptteil des Doms, so das Bezirkskommando weiter. Mittels mehrerer Hochdrucklüfter sei es gelungen, die Kirche "relativ rauchfrei zu bekommen", was die Arbeit erheblich erleichtert habe.
Der Brand sei letztlich "relativ rasch unter Kontrolle gebracht" worden, so die Feuerwehr. Um die Flammen gänzlich zu löschen und alle Glutnester ausfindig zu machen, mussten auch Teile des Daches des Doms entfernt werden.
Zehntausende Euro Schaden
Ein freigelegtes mittelalterliches Fresko wurde bei dem Brand völlig verschmutzt , berichtete Kathpress am Mittwoch. Harald Gnilsen, Bauamtsdirektor der Erzdiözese Wien, wolle gemeinsam mit dem Bundesdenkmalamt die weitere Vorgehensweise überlegen.
Das gesamte Schadensausmaß stand vorerst nicht fest. Die Seitenkapelle, in der das Feuer ausgebrochen war, wurde samt einem kleinen barocken Chorgestühl völlig zerstört. Die Holzdecke der Kapelle brannte ebenfalls ab. Flammen waren vom Gestühl übergesprungen. Was den Schaden angeht, besteht laut Polizei Versicherungsschutz. Verletzt wurde niemand.
APA/red