Aufregung im 600-Einwohner-Ort Niederwölz (Stmk.): Der fünf Jahre alte Malinois (belgischer Schäferhund) einer Polizeihundeführerin – sie besitzt ihn, seitdem er ein Welpe ist – biss bereits zwei Mal zufällig vorbeikommende Spaziergänger. Dies sorgt nun bei einigen Bewohnern der kleinen Gemeinde für Angst, berichtet die "Kleine Zeitung": "Das Problem ist, dass der Polizeihund von ihr nicht unter Kontrolle zu bringen ist. Warum passiert nichts?", heißt es in einem anonymen Mail.
Der erste Vorfall ereignete sich am 23. Jänner 2021. Die Hundeführerin, die in Niederwölz aufgewachsen ist, öffnete die Hundebox im Kofferraum ihres Autos: "Der Hund sah die Mutter seines Frauerls und hüpfte in Vorfreude aus der Box. In diesem Moment kam eine Spaziergängerin vorbei, und der Malinois biss die Frau", so Markus Lamb, Sprecher der Landespolizeidirektion Steiermark zu "Heute".
Der Fall wurde angezeigt, die Ermittlungen von der Staatsanwaltschaft aber eingestellt: "Es wurde kein schuldhaftes Verhalten festgestellt, es war eine Verkettung unglücklicher Umstände", so Lamb. Beim zweiten Vorfall heuer am 6. Februar sieht die Sache allerdings ein bisschen anders aus: Die Hundeführerin war mit ihrem angeleinten Malinois auf einem öffentlichen Gemeindeweg unterwegs: "Eine Spaziergängerin kam ihnen entgegen, es kam zu einem Biss", meint Lamb. Es wurde Anzeige wegen Verdachts der fahrlässigen Körperverletzung erstattet, das Verfahren läuft allerdings noch.
Seit dem zweiten Vorfall laufen die Leitungen im Gemeindeamt heiß, es regt sich massiver Widerstand im Ort. Nun griff das zuständige Bundesministerium für Inneres (BMI) ein, Vierbeiner und Beamtin sollen genau überprüft werden: "Der Malinois soll morgen bei uns in Wien eintreffen und kommt dann in die Zwingeranlage", erklärt Rudolf König, Kommandant der Polizeidiensthundeeinheit.
Beamte des BMI und eventuell auch Verhaltensexperten der VetMed Uni Wien werden den Schäferhund, der derzeit als "nicht einsatzfähig" eingestuft wurde, dann in den kommenden Tagen genau unter die Lupe nehmen. So werden etwa verschiedenste Situationen nachgestellt, um herauszufinden, ob die Gefahr von dem Tier ausgeht oder ob das Problem bei der Hundeführerin liegt. Ein Polizeihund muss entweder mit Leine oder mit Maulkorb geführt werden. "Wenn ein Hundeführer aber den Eindruck hat, dass von dem Tier eine Gefahr ausgeht, wären beide Maßnahmen angebracht", so König.
In ein bis zwei Wochen soll laut König feststehen, "was los ist". Als Konsequenz könnten Vierbeiner und/oder Hundeführerin zur Nachschulung abkommandiert werden. Ebenfalls möglich ist, dass der Malinois den Hundeführer wechselt. Im schlimmsten Fall – wenn der Hund nicht für den Polizeidienst geeignet ist – muss er seinen Lebensabend im "Gnadenhof" der Polizeidiensthundeeinheit in Wien-Floridsdorf verbringen. Die Hundeführerin versieht ihren Dienst derzeit ohne den Malinois.