Österreich

Polizeikritik an Jugendamt wegen Kindesmisshandlung

Heute Redaktion
14.09.2021, 16:01

In Graz ist es in Zusammenhang mit einer vermutlichen Kindesmisshandlung und Vernachlässigung erneut zu Vorwürfen gegen das Jugendamt gekommen. Polizisten haben in einer Beschwerde an die Amtsleiterin sowie Bürgermeister Siegfried Nagl (V) Mitarbeitern "Untätigkeit" vorgeworfen, wie die "Kleine Zeitung" berichtete.

In Graz ist es in Zusammenhang mit einer vermutlichen Kindesmisshandlung und Vernachlässigung erneut zu Vorwürfen gegen das Jugendamt gekommen. Polizisten haben in einer Beschwerde an die Amtsleiterin sowie Bürgermeister Siegfried Nagl (V) Mitarbeitern "Untätigkeit" vorgeworfen, wie die "Kleine Zeitung" berichtete.

Ausgangspunkt war ein Polizeieinsatz am vergangenen Samstag, als zwei Polizisten in einer Wohnung einer 29-Jährigen auf Anzeichen von Verwahrlosung und Gewalt stießen. Die neunjährige Tochter berichtete von Misshandlungen. Als die Unformierten sich an das Jugendamt wandten, wurden sie weiter an die Landesnervenklinik Sigmund Freud verwiesen. In die dortige Kinder- und Jugendpsychiatrie wurde das Kind dann auch nach kurzem Aufenthalt in der Kinderklinik des LKH gebracht. Ihre Schwester verblieb bei der Mutter.

Seitens des Jugendamtes wurden gegenüber der Zeitung die Vorwürfe zurückgewiesen, ebenso wie die Behauptung, dass das Kind wiederholt wegen Brüchen behandelt worden sei. Eine Anzeige gegen die Mutter, die angeblich in psychiatrischer Behandlung ist, sei im Vorjahr zurückgelegt worden. Das Amt habe bereits im Juli 2012 die Entziehung der Obsorge für beide Kinder beantragt, allerdings nach sieben Monaten einen abschlägigen Bescheid vom Gericht erhalten. Die Entscheidung habe sich auf einen Sachverständigen gestützt, heißt es.

Im konkreten Fall wird Gespräch gesucht

Der von Vizebürgermeisterin Schröck geäußerte Vorwurf, die Polizisten hätten den Dienstweg nicht eingehalten, wird von Landespolizeidirektor Josef Klamminger zurechtgerückt: "Das ist nicht das Problem, man sollte sich nicht auf Formalismen versteifen." Es sei nichts dagegen zu sagen, wenn Missstände aufgezeigt würden, so Klamminger am Donnerstag. Insgesamt aber sei die Zusammenarbeit mit dem Grazer Jugendamt ausgezeichnet, und man werde im konkreten Fall ein "bilaterales Gespräch" suchen.

Das Grazer Jugendamt war erst Anfang März mit Vorwürfen konfrontiert gewesen, als schwere sexuelle Übergriffe in einer städtischen Jugend-WG bekannt wurden. Auch hier war das Amt über Vorkommnisse schon länger informiert, allerdings nicht von der Schwere der Übergriffe, die von den eingeschüchterten Opfern verschwiegen wurde.

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