Polizist jagte in Flipflops Terroristen

Ein Beamter, ausgebildet bei der spanischen Fremdenlegion, erschoss vier Terroristen in Cambrils. Die Verfolgung eines fünften nahm ein Beamter in Zivil auf.

Vier Tage nach dem Anschlag in Barcelona haben die spanischen Behörden den mutmaßlichen Haupttäter europaweit zur Fahndung ausgeschrieben. Die katalanische Polizei warnte am Montag vor dem 22-jährigen flüchtigen Marokkaner, er sei möglicherweise bewaffnet.

Beim Anschlag in Barcelona waren 13 Personen getötet worden. Wenig später kam es im Badeort Cambrils zu einem weiteren Anschlag, bei dem eine Passantin ums Leben kam.

In Shorts und Flipflops am Glaceessen

Bei dieser zweiten Attacke erschoss ein einzelner Polizist vier von fünf Attentätern an Ort und Stelle. Der Mann, ein Mitglied der sogenannten Mossos d'Esquadra, hat derart schnell reagieren können, weil er bei der früheren spanischen Fremdenlegion (Legión Española) ausgebildet wurde. Er sei aber "nicht der Prototyp eines Rambos in einer Eliteeinheit", wie spanische Medien schreiben.

Ein fünfter mutmaßlicher Terrorist wurde etwas später erschossen, als er zu fliehen versuchte. Polizist Luis* war hautnah dabei – in karierten Shorts und Flipflops hatte er mit seiner Familie an der Strandpromenade Glace gegessen. So ist er auch auf einem Video zu sehen, das ein britischer Tourist aufnahm. "Ich werde sein Gesicht nie vergessen. Er war nur einen Meter von mir entfernt", erzählt er der spanischen Tageszeitung "El País".

"Ich wusste nicht, dass er ein Terrorist ist"

"Ich höre einige Detonationen. Zuerst dachte ich, dass es Feuerwerksböller seien. Ich ging aus der Eisdiele, um zu sehen, was da los war", erzählt Luis. "Auf einmal sah ich Hunderte von Menschen rennen – und dann einen merkwürdigen Typen in einem orangen T-Shirt, der so etwas wie eine Weste trug. Ich rannte ihm nach, wusste aber nicht, dass er ein Terrorist ist." Luis folgte dem Mann in Richtung Altstadt. "Er begann Parolen auf Arabisch zu schreien, und da wusste ich, dass etwas nicht stimmt."

Er habe dem Mann zugeschrien, dass er Polizist sei. "Als er das hörte, begann er mir zu drohen." Luis und ein anderer Passant rannten dem Mann weiter nach, dieser kehrte zur Uferpromenade und der Hauptstraße zurück. Ein Polizeiwagen kam angerast. "Es waren die Mossos d'Esquadra." Der Flüchtende schien sich immer wieder zu Allah zu bekennen, der Aufforderung der Polizei, stehen zu bleiben, kam er nicht nach. Als er versuchte, die Straße zu überqueren, schossen die Beamten der katalanischen Polizeitruppe. Der Mann stürzte zu Boden, schien aber noch unverletzt und rappelte sich wieder auf.

"Habe von der Familie etwas zu hören gekriegt"

Auf der Videoaufnahme sieht man auch Polizist Luis, wie er dem Mann zuschreit, sich hinzulegen. Dieser gehorcht noch immer nicht. Erst weitere Schüsse stoppen ihn endgültig.

Dass Luis die Verfolgung des Terroristen auch in Flipflops aufnahm, sieht er als nichts Besonderes an. "Ich sehe mich nicht als Helden", sagt er. Im Gegenteil: "Als ich an diesem Abend schließlich heimkam, habe ich von der Familie etwas zu hören bekommen."

*Name durch "El País" geändert

(gux)

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