"Tu ihnen nichts, dann tun sie dir auch nichts"

Das erzählt ein Parkbesucher über die Männerbande, die zwei Polizisten am Mittwoch in einem Wiener Park einkesselte. Ein Täter wurde gefasst, viele sind noch flüchtig.
Am Mittwochabend wurden im Braunhirschenpark in Rudolfsheim-Fünfhaus zwei Polizisten von einer jungen Männergruppe eingekesselt.



Ein Anrainer alarmierte am Mittwoch um 17 Uhr die Polizei wegen illegaler Drogenkonsumation und Drogenverkauf. Zwei uniformierte Polizisten kommen zur Kontrolle in die Dreihausgasse, treffen in dem Fußballkäfig auf eine Gruppe junger Männer unterschiedlicher Herkünfte.

CommentCreated with Sketch.242 zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. Ein 21-jähriger Syrer soll sich, laut Polizei, besonders aggressiv verhalten haben. Nach einer Personenkontrolle stellt sich heraus, dass er mehrere unbezahlte Strafakte offen hat. Daraufhin fordert er die anderen der Gruppe in arabischer Sprache auf, die Polizisten zu bedrängen. Als der Syrer seinen Gürtel ablegt, fällt ein Messer zu Boden, die Polizisten ziehen ihre Waffen und drohen damit, um die Männer auf Distanz zu halten. Als Verstärkung kommt, fliehen die meisten. Einige Identitäten werden festgestellt, der 21-Jährige wird verhaftet, laut Polizei wütete er noch im Arrestwagen weiter.



Michael Mauterer (35) war zu dem besagten Zeitpunkt gegenüber im Park. Er asphaltierte dort den Weg mit dem Walzenfahrer: "Anfangs war hier nur wenig Polizei zu einer Kontrolle und in kürzester Zeit waren hier viele Polizeiautos und Polizisten, die den anderen zur Hilfe gekommen sind".

Niklas Pichler, der zwanzigjährige Student, erklärte im Gespräch mit "Heute", dass er zwei bis drei Mal die Woche im Park sei: "Hier gibt es schon eine größere Gruppe, die Drogen konsumieren, aber sie tun niemanden etwas. Mir wären noch nie größere Auseinandersetzungen aufgefallen."

Ein Parkbesucher, der anonym bleiben wollte, berichtet, dass es eine Männergruppe hier gebe, sie stehe immer neben dem Käfig und rauche "unterschiedliche Sachen". "Sie konsumieren hier Drogen und verkaufen sie, das weiß jeder", erklärt er. "Der Vorfall mit der Polizei war heftig und zeigt, dass niemand etwas gegen sie tun kann. Allen Kindern im Park wurde gesagt, dass niemand etwas sagen darf, sonst passiert etwas", so der Parkbesucher. Ähnlich wie bei der Mafia, kann niemand etwas gegen sie tun. "Wenn du ihnen nichts tust, dann tun sie dir auch nichts", erklärt der junge Mann.

Auch die 58-jährige Musikpädagogin Irene Caro bestätigt im Gespräch mit "Heute", dass jeder wisse, dass hier "Haschisch" konsumiert werde. "Besorgte Eltern rufen öfters die Polizei, aber eigentlich ist diese Gruppe hier friedlich, soweit ich das beurteilen kann", so die Anrainerin.



Aggressive Angriffe gegen die Wiener Polizei passieren immer öfter. Erst letzte Woche hatten sich zwei Jugendbanden in Alt-Erlaa gegen die Polizei zusammengetan: Jugendliche tschetschenischer und afghanischer Abstammung umkreisten, wie auch in diesem Park die Polizei. Sie rissen an Uniformen von mehreren Beamten und wurden getreten und mit der Faust geschlagen. Die Art und Weise, wie Gewalt ausgeübt wird, die "Einkesselung" erinnert auch an die Vorfälle der Silvesternacht in Köln im Jahr 2015. Dort hatten sich auf dem Vorplatz des Hauptbahnhofs etwa 1.000 Menschen versammelt, nach Aussagen der Polizei hauptsächlich junge Männer. Viele seien vom Alkohol enthemmt gewesen und hätten unkontrolliert Feuerwerkskörper abgebrannt. Die Stimmung sei aggressiv gewesen. Aus dieser Menschenmenge heraus seien Frauen umzingelt, angefasst und bestohlen worden.

ThemaCreated with Sketch.Mehr zum Thema

Nav-AccountCreated with Sketch. no TimeCreated with Sketch.| Akt:
ÖsterreichNewsÖsterreichDrogenpolitikPolizei