Wirtschaft

Porr meldet nun Interesse an Alpine an

Heute Redaktion
14.09.2021, 15:53

Der insolvente Baukonzern Alpine weckt Begehrlichkeiten beim Konkurrenten Porr - der drittgrößte Baukonzern bekundete offenes Interesse an möglichen Akquisitionen. Sozialminister Hundstorfer hat Arbeitsstiftungen für die Arbeitnehmer angekündigt.

Der weckt Begehrlichkeiten beim Konkurrenten Porr - der drittgrößte Baukonzern bekundete offenes Interesse an möglichen Akquisitionen. Sozialminister Hundstorfer hat Arbeitsstiftungen für die Arbeitnehmer angekündigt.

"Wir könnten Aufträge und bis zu 4.500 Mitarbeiter übernehmen", sagte Porr-Chef Karl-Heinz Strauss heute, Mittwoch, im Ö1-"Mittagsjournal". Das müsste aber schnell gehen, andernfalls verflüchtigten sich Aufträge und Mitarbeiter. Der Österreich-Kern der Alpine sei sehr solide, bei Arbeitsgemeinschaften habe man deren Mitarbeiter vor allem in Österreich schätzen gelernt.

"Die Porr steht bereit, das gesamte Österreich-Geschäft der Alpine oder Teile davon zu übernehmen", sagte Porr-CEO Karl-Heinz Strauss auch laut "WirtschaftsBlatt".

Das betreffe nicht nur die Projekte, sondern auch die Mitarbeiter. Die Porr sei bereits in Kontakt mit der Alpine-Führung. Alpine-Chef Arnold Schiefer war für die APA vorerst noch nicht für eine Reaktion auf die Porr-Avancen erreichbar.

Am Auslandsgeschäft der Alpine ist die Porr laut "WirtschaftsBlatt" jedenfalls nicht interessiert - ebenso wenig an der Alpine Energie in Österreich oder anderen Beteiligungen, die nicht zum Kerngeschäft gehören. Sehr wohl ein Auge geworfen hat die Porr hingegen auf Alpine-Sparten in Österreich, die direkt im Baugeschäft tätig sind, wie etwa den Spezialtiefbau und die Hazet.

Arbeitsstiftungen

Alle Arbeitnehmer haben 30 Tage Kündigungsschutz. Die Alpine-Pleite dürfte rund 2.000 Jobs im Konzern direkt kosten. Davon ging Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) Donnerstagvormittag am Rande des ÖGB-Kongresses. Wie viele Mitarbeiter aus Zulieferbetrieben zusätzlich betroffen seien, könne man noch nicht genau abschätzen, da nicht klar sei, in welchem Ausmaß die Unternehmen von der Alpine abhängig seien. Für alle Betroffenen werden nun Arbeitsstiftungen errichtet. Konkret sind acht Arbeitsstiftungen auch für die Zulieferbetriebe geplant. Bei 36 bundesweiten Betriebsversammlungen informiert die Gewerkschaft Bau-Holz (GBH) über die weitere Vorgangsweise.

Insolvenzverfahren eröffnet

Das Insolvenzverfahren über die Alpine Bau GmbH ist bereits am Mittwoch eröffnet worden, nachdem der Antrag in der Früh gestellt wurde, teilten die Kreditschutzverbände AKV, Creditreform und KSV 1870 mit. Der Antrag wurde heute Früh gestellt. Die erste Gläubigerversammlung findet am 4. Juli 2013 statt. Betroffene Gläubiger - Unternehmen und Lieferanten - können ihre Forderungen bis zum 16. August anmelden.

Die erste Prüfungs- und Berichtstagsatzung findet dann am 29. August statt. "Am 12. September folgt die Sanierungstagsatzung - da soll über das Konzept abgestimmt werden", sagte KSV-Insolvenzexperte Hans-Georg Kantner.

Auch deutsche Tochter insolvent

Nicht nur die österreichische Mutter, sondern auch die deutsche Tochter ist insolvent. Der Vorstand habe am Mittwoch beim Amtsgericht Landshut die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung beantragt, teilte die Alpine Bau Deutschland AG in Eching mit. Sie war unter anderem für den Bau der Münchner Allianz Arena verantwortlich und ist beim Bahnprojekt Stuttgart 21 beteiligt. Sie hat 1.500 Mitarbeiter und erzielte 2012 einen Umsatz von rund 600 Millionen Euro.

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