"Post-Mitarbeiter mental und körperlich am Ende"

Die Post braucht mehr Personal in der Vorweihnachtszeit.
Die Post braucht mehr Personal in der Vorweihnachtszeit.picturedesk.com
Nachdem es heuer bei der Post zu zahlreichen Überbelastungen bei den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen kommt, schlägt die Gewerkschaft Alarm.

Nachdem im Lockdown die Geschäfte zusperren mussten, kaufen die Österreicher vermehrt online ein. Das bringt der Post und privaten Zustellerdiensten heuer einen riesigen Anstieg im Paketaufkommen.

12-Stunden-Schichten

Die Briefträger und Zusteller können die Mengen kaum noch bewältigen und wehren sich gegen die Überlastung. Rund eine Million Pakete werden pro Tag verschickt. Teilweise müssen die Mitarbeiter 12-Stunden-Schichten absolvieren, kritisiert die Gewerkschaft. Die Post hat bereits das Personal aufgestockt. 

Jetzt warnt die Gewerkschaft aber vor weiteren Belastungen. Nachdem der Handel am Montag wieder aufsperren darf, dürfte das Paketaufkommen ab nächster Woche etwas zurückgehen, doch es drohen neue Herausforderungen. So sollen im kommenden Jahr Arbeitsplätze eingespart werden.

"Unglaublich und untragbar"

"Obwohl die Post-MitarbeiterInnen auf Grund der enorm hohen Paketmengen derzeit Unglaubliches leisten müssen und sich vor Paketen kaum noch retten können, plant die Postführung bereits neuerliche Belastungen zu Beginn des kommenden Jahres. Das ist unglaublich und untragbar", erklärt Helmut Köstinger, Bundesvorsitzender der GPF, in einer Aussendung.

Viele Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen aus der Zustellung, den Verteilzentren und den Filialen haben sich laut seinen Angaben in letzter Zeit an die Gewerkschaft gewandt und über Personalnot, Überlastung und Platznot geklagt. "Die Betroffenen sprechen bereits von permanenter psychischer und physischer Überforderung", beschreibt Köstinger die Situation.

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Er sieht das Problem in den explodierenden Paketzahlen und in den von der Postführung gesetzten Maßnahmen: "Es ist unverständlich, dass Generaldirektor Pölzl und Vorstandsdirektor Umundum am versetzten Dienstbeginn in der Zustellung krampfhaft festhalten, obwohl diese Maßnahme nachweislich nicht mehr tragbar ist."

Einsparungen angekündigt

Der versetzte Dienstbeginn führe dazu, dass ZustellerInnen unter enormen Zeitdruck bis in die Dunkelheit ihrer Arbeit nachgehen müssen. Wegen der Pandemie dürfen zudem nicht alle gleichzeitig in der Poststelle sein. So beginnen manche Mitarbeiter früher, andere später.

Manche Zusteller müssen die Pakete bei Einbruch der Dunkelheit mit Stirnlampen austragen. "Dazu kommt die Ankündigung an die Post-MitarbeiterInnen, dass im kommenden Jahr weitere Arbeitsplätze eingespart werden. Da vermisse ich jegliches Fingerspitzengefühl", kritisiert der Gewerkschafter.

Versetzter Dienstbeginn soll beendet werden

Der GPF-Bundesvorsitzende verweist darauf, dass die Bundesregierung in keinem Gesetz und in keiner Verordnung in Zusammenhang mit COVID-19 einen versetzten Dienstbeginn in der Zustellung angeordnet hat und die angekündigte Lockerung ab 7. Dezember von der Postführung zum Anlass genommen werden sollte, den versetzten Dienstbeginn wieder abzuschaffen, um allen ZustellerInnen einen früheren Dienstbeginn zu ermöglichen.

"Ich fordere Generaldirektor Pölzl und Vorstandsdirektor Umundum auf, endlich ihrer Fürsorgepflicht nachzukommen und dafür zu sorgen, dass die PostlerInnen wieder zumutbare Arbeitsbedingungen vorfinden. Dazu ist es erforderlich, den versetzten Dienstbeginn sofort zu beenden und die kontaktlose Zustellung für Pakete und bescheinigte Briefsendungen wieder einzuführen, um die zeitgerechte Zustellung der Weihnachtspakete sicher zu stellen", erklärte Köstinger abschließend.

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