Bei der Wahlbeschwerdekommission (ECC) gingen am Wahltag nach Angaben eines Sprechers 162 dokumentierte Beanstandungen wegen Betrugs oder anderer Unregelmäßigkeiten ein. Bereits Samstag war es zu ersten Anschlägen und Angriffen der Taliban gekommen, in einem Wahlzentrum war ein Sprengsatz detoniert. Zwei Wähler sind verletzt worden. Am Freitag wurde eine prominente deutsche Fotografin erschossen.
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Nach Schätzungen der IEC beteiligten sich am Samstag rund sieben Millionen der mehr als zwölf Millionen Wahlberechtigten an der Abstimmung. Bei der Wahl 2009 waren 5,8 Millionen Stimmen abgegeben worden, von denen 1,2 Millionen wegen Betrug für ungültig erklärt wurden. Die Wähler trotzten am Samstag Terrordrohungen der Taliban, denen es nicht gelang, die Abstimmung mit massenhaften Angriffen zu torpedieren. Die Wahl machte den Weg für die erste demokratische Machtübergabe in der Geschichte Afghanistans frei.
Aus der Hauptstadt Kabul wurden zunächst keine Zwischenfälle gemeldet. Die Taliban haben aber auch dort Anschläge am Wahltag angekündigt. Die 352.000 afghanischen Sicherheitskräfte waren in höchster Alarmbereitschaft. Die Bürger des Landes bestimmen einen Nachfolger für Staatschef Hamid Karzai, der nach zwei Amtszeiten nicht mehr antreten darf.
Nach Angaben der Polizei wurde bereits in der ostafghanischen Provinz Wardak in zwei Distrikten auf Wahlzentren geschossen. Bei einer Explosion in der südöstlichen Provinz Logar wurden nach Angaben der Regionalregierung vier Menschen teils schwer verletzt. In einem anderen Landesteil wurde ein potenzieller Attentäter verhaftet. Ein Anschlag verfehlte zudem sein Ziel.
Stichwahl sehr wahrscheinlich
Für Afghanistan ist es der erste demokratische Machtwechsel. Experten gehen davon aus, dass in der ersten Runde kein Kandidat eine Mehrheit von über 50 Prozent bekommt und damit eine Stichwahl am 28. Mai nötig wird. Das Endergebnis der ersten Runde soll am 7. Mai verkündet werden. Wegen der schwierigen Machtverhältnisse könnte es nach Einschätzung von Diplomaten aber bis Oktober dauern, ehe der neue Präsident sein Amt antritt.
Als Favoriten gelten die früheren Minister Abdullah Abdullah, Ashraf Ghani und Salmai Rassul. Nach zwölf Jahren im Amt dürfte Karzai aber auch künftig noch großen Einfluss haben, weil viele Politiker loyal zu ihm sind.
Die Sicherheitslage rund um die Taliban zeigt, wie prekär die Lage auch 13 Jahre nach dem Einmarsch der US-geführten Truppen und dem Sturz der Taliban noch ist. .
Wahlmanipulation nicht ausgeschlossen
Von den 30 Millionen Afghanen sind zwölf Millionen wahlberechtigt. Es sollen allerdings bis zu 18 Millionen Wahlscheine im Umlauf sein. Der Vorsitzende der Unabhängigen Wahlkommission, Yusaf Nuristani, rief seine Landsleute trotz der Gewalt zu einer regen Wahlbeteiligung auf. Das afghanische Volk solle den Feinden des Landes die Stirn bieten und mit der Wahl beweisen, dass nichts es aufhalten könne. Ähnlich äußerten sich viele Bürger. "Ich bin hier, um zu wählen und habe keine Angst vor Anschlägen", sagte Haji Ramasan aus Kabul. "Das ist mein Recht und niemand kann mich davon abhalten."
Keine SMS am Wahltag
Die Telekommunikationsbehörde in Afghanistan hat unterdessen die SMS-Kurznachrichtendienste während der Präsidentenwahl abgestellt. Der Schritt sei am Samstag auf Bitte der Wahlbeschwerdekommission (ECC) unternommen worden, sagte der Chef der Regulierungsbehörde ATRA, Scherbas Wakil.
Die ECC, die für die Untersuchung von Wahlbetrug zuständig ist, wies das allerdings zurück. "Wir haben nie eine solche Anforderung gestellt", sagte ECC-Chef Sattar Sadaat der Nachrichtenagentur dpa. Er kritisierte, dass das SMS-Verbot "einen transparenten Wahlprozess und Beobachtungsprozess verhindern könnte". Sadaat forderte ATRA auf, die SMS-Dienste wieder zu aktivieren.
Lob von Obama
US-Präsident Barack Obama würdigte die Wahl als "wichtigen Meilenstein" auf dem Weg des Landes in eine demokratische und eigenverantwortliche Zukunft. Die Wähler hätten "enthusiastisch" an der Abstimmung teilgenommen. Auch NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen gratulierte zu der "beeindruckenden Beteiligung". Die Vereinten Nationen nannten die hohe Wahlbeteiligung "bemerkenswert".