Sechs Millionen Impfstoff-Dosen mehr für Österreich

Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (ÖVP) und Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) bei einem gemeinsamen Pressefoyer im Anschluss an den Ministerrat am 10. Februar 2021.
Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (ÖVP) und Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) bei einem gemeinsamen Pressefoyer im Anschluss an den Ministerrat am 10. Februar 2021.Tobias Steinmaurer / picturedesk.com
Einen Tag nach der Entscheidung über die Sperrzone Tirol trat die Regierung zum Ministerrat zusammen. Das wurde am heutigen Mittwoch beschlossen.

Am heutigen Mittwoch trat der Ministerrat zu seiner nächsten Sitzung zusammen. Im Anschluss traten Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) und Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (ÖVP) vor die versammelte Presse. "Heute" berichtete an dieser Stelle live:

1.600 Soldaten im Katastropheneinsatz

"Unser Bundesheer ist seit Monaten im Dauereinsatz", beginnt die Verteidigungsministerin den gemeinsamen Presseauftritt. Sie sei stolz auf alle Heeresbedienstete. Sie bedankte sich bei allen Helfern und auch der Bevölkerung für die Teilnahme an den (Massen)tests. Mehr als 11 Millionen Tests seien seit Beginn der Pandemie durchgeführt worden, aktuell würden pro Woche eine weitere Million hinzukommen.

3.627 Soldaten des Bundesheers seien derzeit im Einsatz. Davon sind 909 im Migrationseinsatz in Kärnten und der Steiermark sowie aktuell 1.600 Soldaten im bundesweiten Katastrophenhilfseinsatz im Zusammenhang mit der Pandemie.

Beginnend mit dieser Woche wird das Gesundheitspersonal des Bundesheeres geimpft. Die übrigen Soldaten sollen gemeinsam mit Justizwache und Feuerwehren ihr Jackerl angeboten bekommen.

Anschober: Österreich "am Sprung"

Gesundheitsminister Anschober bekräftigte im Anschluss, dass sich die Mutationen in Österreich ausbreiten würden. Wenn eine der weitaus ansteckenderen Mutationen B.117 oder B.1.351 einen Anteil von 50 Prozent unter den Neuinfektionszahlen erreicht, komme es zum sogenannten Tipping Point. Dann werden auch die Zahlen wieder nach oben gehen.

Derzeit sei die Zahl der Neuinfektionen noch stabil. Im Vergleich zu November sei bereits "ein ganz großer Schritt nach vorne" gelungen. Österreich sei "am Sprung" unter die 100er-Grenze bei der 7-Tages-Inzidenz.

Tests für Friseur-Besuch "bewähren sich"

Auch er lobt die Zahl der Testungen. Die österreichische Teststrategie sei ein "Unikum" im Europavergleich: "Trotz aller Schwierigkeiten, diese Zutrittstestungen bewähren sich!"

Diese eröffen uns jetzt die Möglichkeit, dass wir wirklich alle Bevölkerungsschichten erreichen. Der Ressort-Chef erzählt einen Schwank aus seinem Umfeld: Freunde, von denen er wisse, dass sie noch nie einen Test haben machen lassen, hätten sich jetzt an ihn gewandt und gefragt: "Ich will jetzt nächste Woche zum Friseur, wie komme ich zu einem Test?"

6 Mio. zusätzliche Impfdosen

Bei den Impfungen sei man auf einem guten Weg, so Anschober. Am Donnerstag werde die 100.000er Grenze beim sogenannten "zweiten Stich" überschritten. Damit hätten diese Menschen einen vollständigen Impfschutz aufgebaut. Im Ministerrat seien heute Zukäufe von 6 Millionen Impfstoff-Dosen im Rahmen der EU-Verträge fixiert worden.

4,7 Millionen Dosen daraus werden vom Pharmaunternehmen Moderna "beginnend mit Ende des zweiten Quartals nach Österreich kommen". Weitere 1,2 Millionen Dosen werden vom Unternehmen Valneva mit Jahresende folgen. Das ist ein französischer Impfstoff mit österreichischen Wurzeln, der besonders auf Kinder und Jugendliche abzielt.

Oster-Ziel kann gehalten werden

Die Regierung wolle "auf der sicheren Seite sein", erklärt Anschober die zusätzliche Beschaffung. Im Nichtgebrauchsfall sei es aber kein Problem Impfstoffe international weiterzuverkaufen.

Das erklärte Ziel von einer Million voll geimpfter Menschen direkt nach Ostern werde eingehalten werden können. "Wir sind bei Alten- und Pflegeheimen weitgehend durch und werden den Prozess im Februar abschließen", so Anschober. Mittendrinnen sei man bei den Gruppen der Über-80-Jährigen und Pflegeberufen.

"Alle anderen Fragen sind zweitrangig für mich"

Jeder Impfstoff, der von der EMA zugelassen werde, sei ein "ausgezeichneter Impfstoff", fügt der Minister hinzu. Derzeit werde international intensivst zur Wirksamkeit bei den Mutationen geforscht.

"Der Umgang der Südafrika-Variante in Tirol hat aber ganz eindeutige Priorität. Alle anderen Fragen sind zweitrangig für mich. Wir wollen erreichen, dass sich die Südafrika-Variante möglichst wenig ausbreitet – sowohl in Tirol als auch im Rest Österreichs."

"Viel weiter kann man nicht gehen"

Zu Tirol: "Eine Testverpflichtung bei der Ausreise ist so ziemlich die entschiedenste Maßnahme, um eine Ausbreitung zu unterbinden. Viel weiter kann man nicht gehen", erklärt der Grüne Minister im Anschluss an eine entsprechende Reporterfrage. Anschobers Appell an Tirol: In den sehr stark betroffenen Bezirken, einer davon ist Schwaz, solle "engstmaschig" getestet werden. 

Die Situation in dem Bundesland werde täglich evaluiert. Anschober mahnt gleichzeitig aber auch: "Wenn es einen zusätzlichen Handlungsbedarf geben sollte, dann werden wir uns mit dem Land Tirol darüber verständigen". 

Wenn es um weitere Lockerungen im Rest des Landes geht, will Anschober erst den Februar abwarten, damit die Impfungen in Alten- und Pflegeheimen abgeschlossen werden können: "Das Auftreten der Mutationen sei aber eine zusätzliche Gefahr für deren Bewohner. Sie sind die vulnerabelste Gruppe in unserer Gesellschaft, da dürfen wir nicht leichtfertig vorgehen."

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