Welt

Priester beichtet Sex mit Flüchtling in Pfarrbrief

Neben Weihnachtsgeschichten und Adventgedichten findet sich im Pfarrblatt der deutschen Gemeinde Kirn auch ein Geständnis des Pfarrers.
Heute Redaktion
13.09.2021, 22:19

Am 9. Dezember 2016 nahm sich ein 23-jähriger Flüchtling aus Syrien das Leben. Er lief plötzlich vor ein Auto auf die Straße und ließ dem Lenker keine Chance, auszuweichen. Der junge Mann verstarb im Krankenhaus.

Kurz davor hatte er bei der Staatsanwaltschaft Anzeige gegen den örtlichen Priester wegen sexueller Aktivitäten erstattet. Das Verfahren wurde jedoch gleich wieder eingestellt, weil kein Strafbestand vorgelegen habe. Auf "FAZ"-Anfrage bei der Staatsanwaltschaft habe sich der 23-Jährige laut einem Sprecher "wohl einfach ausgenutzt gefühlt". Man habe ihn nochmals befragen wollen, dazu sei es aber nicht mehr gekommen. "Es gibt keinerlei Hinweise darauf, dass der Pfarrer sich in irgendeiner Form strafbar gemacht hat", heißt es weiter. Tatsächlich bestehen strafrechtlich gesehen keine Einwände gegen die sexuelle Beziehung der beiden, sofern kein Abhängigkeitsverhältnis ausgenutzt wird.

Den katholischen Geistlichen dürften dennoch Gewissensbisse plagen. Er zog sich nach dem Suizid des jungen Mannes zurück, begab sich in Therapie. Im Pfarrbrief der Gemeinde beichtet er nun die ganze Geschichte.

Vertrauensverhältnis ausgenutzt

Er schreibt, dass vergangenes Jahr ein traumatisierter Flüchtling aus Syrien Hilfe bei ihm gesucht habe: "In besonderer Weise hat damals ein 23-jähriger Mann aus Syrien, der durch seine Erfahrung von Krieg und Vertreibung schwer traumatisiert war, meine Hilfe und auch den persönlichen Kontakt zu mir gesucht. Hier hat sich schließlich auch eine körperliche Intimität ergeben, die dieser Situation nicht angemessen war. In dieser Situation habe ich die Distanz, die meine Rolle als Begleiter eines geflüchteten Menschen und auch meine Rolle als Priester geboten hätte, nicht gewahrt. Ich habe das Vertrauensverhältnis in nicht angemessener Weise ausgenutzt", gesteht der Pfarrer.

Außerdem berichtet er von der Anzeige, die der junge Mann deshalb gegen ihn erstattet hatte. Der Seelsorger denkt zwar nicht, dass der Suizid irgendetwas mit dem sexuellen Verhältnis der beiden Männer zu tun hatte, dennoch "belastet mich die Tatsache sehr". Es gebe "nach allem, was wir wissen, keinen direkten Zusammenhang zwischen unserem Kontakt und der Entscheidung des Mannes, sich das Leben zu nehmen."

Der Pfarrer informiert seine Gemeinde weiters darüber, deshalb schon länger in Behandlung zu sein – tatsächlich ist er seit mehr als einem Jahr krankgeschrieben – und sich nun in einen längeren stationären Aufenthalt zu begeben. Über seinen künftigen Einsatz als Priester könne erst nach Ende der Therapie entschieden werden. Das sei auch mit dem Bistum Trier so vereinbart. Eine Sprecherin bestätigt das gegenüber "FAZ" und erklärt, dass die "Verfehlungen" des Pfarrers "im Rahmen eines Disziplinarverfahrens im Auftrag des Bischofs von Trier untersucht und auch geahndet" wurden. Der Pfarrer dürfe künftig nicht mehr in der Flüchtlingshilfe arbeiten: "Damit ist die Angelegenheit dienstrechtlich abgeschlossen."

Der Seelsorger bittet die Bewohner von Kirn am Ende seines Geständnisses um Verzeihung, ihm sei die Arbeit während der Flüchtlingskrise über den Kopf gewachsen. Er wolle nun daran arbeiten, eine "gefestigte Handlungssicherheit für die Zukunft zu gewinnen." (ek)

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