Privatschule feuert Lehrer, die sich impfen lassen

Die Mitgründer der "Centner Academy", Leila und David Centner. Sie glauben, dass die Corona-Impfung ansteckender als Corona ist.
Die Mitgründer der "Centner Academy", Leila und David Centner. Sie glauben, dass die Corona-Impfung ansteckender als Corona ist.Centner Academy
Eine Privatschule in Florida hat im Zusammenhang mit der Covid-19-Impfung ein Schreiben verschickt, das mittlerweile in den USA für Aufregung sorgt.

Die "Centner Academy" ist eine neue, aber teure Privatschule in Miami: Letzten September gründet und im Design-Distrikt gelegen, bietet sie für jährlich 30.000 Dollar Klassen vom Kindergarten bis zur Oberstufe an, um dort die "leaders of tomorrow" auszubilden, wie es auf der Homepage heißt.

Ein Schreiben an die Lehrkräfte der Privatschule hat für Schlagzeilen weit über Florida hinaus gesorgt. Die Schulmitgründer Leila und David Centner, zwei bekennende Republikaner und Donald-Trump-Fans, informierten die Mitarbeiter im Zusammenhang mit der Covid-19-Impfung und "mit schwerem, schwerem Herzen" über Folgendes:

Lehrkräfte, die bereits geimpft sind, müssten sich juristisch bindend einverstanden erklären, sich "körperlich von den Schülern fernzuhalten". Sollten sie vorhaben, sich vor Ende des Schuljahres impfen zu lassen, sei dies zu melden, "da wir es nicht zulassen können, dass erst kürzlich geimpfte Personen in der Nähe unserer Studenten sind, bis mehr Informationen zur Verfügung stehen".

"… falls die Stelle dann noch erhältlich ist"

Auf eine Covid-Impfung sei bis Ende des Jahres abzusehen. Wer sich über den Sommer impfen lassen werde, dem werde eine Rückkehr an die Schule verwehrt – solange, bis klinische Tests des jeweiligen Impfstoffs abgeschlossen seien und "falls die Stelle dann noch erhältlich ist".

Die Lehrkräfte und Mitarbeiter der "Centner Academy" sollen in einem "vertraulichen" Formular angeben, ob sie geimpft sind, seit wann und womit. Mit ihrer Unterschrift akzeptieren sie, dass die Schule sich juristische Schritte vorbehält, sollten die Angaben nicht wahrheitsgemäß sein.

"Eine wissenschaftlich längst widerlegte Theorie"

Die Schule begründet den Entschluss mit der "Sicherheit der Kinder" und schreibt etwa: "Zehntausende Frauen weltweit haben Fruchtbarkeitsprobleme, weil sie sich in der Nähe von Personen aufhielten, die eine dieser Covid-19-Spritzen erhalten hatten". Niemand wisse, wieso es dazu komme, "aber es scheint, dass diejenigen, die Injektionen erhalten, etwas aus ihren Körpern auf andere übertragen, mit denen sie Kontakt haben".

Wissenschaftlich ist diese Behauptung nicht haltbar. Weder die US-Gesundheitsbehörde, die US- Lebens- und Arzneimittelbehörde, noch zig Privatlaboratorien oder die Weltgesundheitsorganisation WHO haben hierfür Anhaltspunkte finden können.

"Die Schule preist eine wissenschaftlich längst widerlegte Theorie an. Demnach könnten geimpfte Personen Menschen in ihrer Nähe mit einer anderen Art von Krankheit anstecken", sagt Epidemiologin Dr. Aileen Marty zu "CBS Miami". "Das Schreiben zeigt mir, dass die Verfasser ein sehr primitives Verständnis darüber haben, was ein Impfstoff ist und keinerlei Wissen über den wissenschaftlichen Ablauf."

Juristisch schwer anfechtbar

Lehrergewerkschaften zeigen sich gleichsam entsetzt. "Die beschämende Aktion der illegal geführten und nicht-zertifizierten Centner Academy zeigt, dass solche Privatschulen nicht nur Falschinformationen und Propaganda lehren", so die lokale Lehrergewerkschaft UTD. "Solche Schulen gehen auch gegen Lehrer vor, die sich und ihre Familien schützen wollen." Ein Lehrer der "Centner Academy" soll seine Stelle auf das Schreiben hin bereits gekündigt haben, schreiben US-Medien.

Juristisch könnten sich die Lehrkräfte kaum gegen den Beschluss der Schulleitung wehren, da es sich bei "Centner Academy" um eine Privatschule handle, sagt Arbeitsrechtler Carter Sox zu CBS Miami. Allenfalls könne vor Gericht Diskriminierung ins Feld geführt werden, sollte eine Lehrkraft chronisch krank sein und damit zu den besonders gefährdeten Personen gehören.

"Amerika ist nun in der Hand von Impfskeptikern"

Die Privatschule in Miami sei ein weiteres Beispiel dafür, wie "Falschinformationen den landesweiten Effort bedrohen, möglichst viele Amerikaner zu impfen, um das Coronavirus kontrollieren zu können", schreibt die "New York Times".

Der oberste Virologe der USA, Anthony Fauci, rechnet damit, dass für eine Rückkehr zur Normalität 70 bis 85 Prozent der Bevölkerung geimpft sein müssen. Umfragen zufolge wollen sich rund 60 Prozent der Amerikaner gegen Covid-19 pieksen lassen. Die übrigen 40 Prozent seien noch immer unentschlossen oder verweigerten sich der Impfung. "Amerika ist nun in der Hand von Impfskeptikern", schreibt dazu "The Atlantic".

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