Probleme beim Job – 75.000 suchten Rat bei der AK in NÖ

Haben im ersten Halbjahr 19,5 Millionen Euro für die Arbeitnehmer in Niederösterreich erkämpft: Markus Wieser, Doris Rauscher-Kalod und Thomas Kaindl
Haben im ersten Halbjahr 19,5 Millionen Euro für die Arbeitnehmer in Niederösterreich erkämpft: Markus Wieser, Doris Rauscher-Kalod und Thomas KaindlAK Niederösterreich/Georges Schneider
Kurzarbeit, Kündigungen: Alleine im ersten Halbjahr suchten – auch wegen Corona – 75.000 Arbeitnehmer die Hilfe bei der AK Niederösterreich auf.

75.000 Arbeitnehmer haben allein im ersten Halbjahr die Hilfe der AK Niederösterreich wegen Problemen am Arbeitsplatz gesucht. Das zeigt eine Auswertung der arbeits- und sozialrechtlichen Beratungen der Kammer. Die anhaltende Corona-Pandemie verschärfte die Probleme für viele Betroffene. AK Niederösterreich-Präsident und ÖGB NÖ-Vorsitzender Markus Wieser sah auf einer Pressekonferenz Verbesserungs- und Gesprächsbedarf vor allem beim Kündigungsschutz.

Unklare Lohnabrechnungen bei der Kurzarbeit, Kündigungen trotz Kündigungsschutzes in der Kurzarbeit, Chefs, die mit der Begründung Pandemie auf einvernehmliche Auflösungen des Dienstverhältnisses drängen, nicht eingehaltene Wiedereinstellungszusagen – kaum ein Themenkomplex hat heuer so sehr für Probleme am Arbeitsplatz gesorgt wie die Corona-Pandemie und ihre wirtschaftlichen Folgen. Das zeigt die Auswertung der arbeits- und sozialrechtlichen Beratungen durch Experten der AK Niederösterreich im ersten Halbjahr 2021.

Lohnabrechnungen werden überprüft

„Bei einem großen Teil der Anfragen konnten unsere ExpertInnen schon mit einer Beratung weiterhelfen, etwa indem sie die Lohnabrechnung überprüften“, schildert AK Niederösterreich-Präsident und ÖGB NÖ-Vorsitzender Markus Wieser. „Für fast 7.000 ArbeitnehmerInnen mussten wir ausstehende Löhne und Gehälter beim Arbeitgeber einfordern oder vor Gericht einklagen, beziehungsweise ihre Ansprüche nach einer Insolvenz sichern. Inkludiert sind hier auch unsere sozialrechtlichen Vertretungen, also etwa, wenn wir schwer kranken ArbeitnehmerInnen helfen, zu einer Invaliditäts- oder Berufsunfähigkeitspension zu kommen.“

AK Niederösterreich erkämpfte knapp 20 Mio. Euro

Für diese Menschen erkämpfte die AK Niederösterreich im ersten Halbjahr Ansprüche in der Höhe von insgesamt knapp 19,5 Millionen Euro. „Ohne unsere Beratung und Rechtsvertretung wären die meisten Betroffenen nicht zu ihrem Geld gekommen“, fasst Wieser zusammen.

Einen typischen Fall für die vergangenen Monate schildert AK Niederösterreich-Experte Thomas Kaindl. Er ist Leiter des Bereichs Regionale Aufgaben der AK Niederösterreich, der für die Bezirksstellen zuständig ist. Sie sind für die meisten Betroffenen die erste Anlaufstelle. Ein Waldviertler Gastwirt drängte seine Küchenleiterin schon während des ersten Corona-Lockdowns zur einvernehmlichen Auflösung des Dienstverhältnisses – den offenen Urlaub und offene Überstunden zahlte er ihr nicht aus. „Er versprach ihr, dass er das bei der Wiedereinstellung erledigen würde. Er hat die Betroffene dann auch wiederaufgenommen, sobald es Kurzarbeit gab. Als das Arbeitsverhältnis beendet wurde, war auf einmal keine Rede mehr davon“, schildert Kaindl. Es ging um immerhin 75 offene Urlaubstage und 900 Mehr- und Überstunden. Die Betroffene wandte sich an die AK Niederösterreich. „Wir haben dann für sie alle Ansprüche eingeklagt, die noch nicht verfallen waren. Das waren in Summe 7.000 Euro.“

"Vermehrt ungerechtfertigte Entlassungen" 

Der wirtschaftliche Druck durch die Pandemie habe zu einer Zunahme von dubiosen Praktiken geführt, Mitarbeiter loszuwerden, erklärt AK Niederösterreich-Präsident Markus Wieser. „Wir beobachten, dass sich mehr Mitglieder an uns wenden, weil sie der Chef dazu drängt, eine einvernehmliche Auflösung des Dienstverhältnisses zu unterschreiben, auch in Betrieben mit Kurzarbeit, wo ja im Wesentlichen Kündigungsschutz besteht. Auch sind unsere ExpertInnen vermehrt mit ungerechtfertigten Entlassungen konfrontiert.“

Verstärkt nachgefragt wird seit Beginn der Pandemie das kostenlose AK-Service der Überprüfung von Lohn- und Gehaltsabrechnungen, sagt Doris Rauscher-Kalod. Sie ist Leiterin der AK Niederösterreich-Abteilung Arbeits- und Sozialrecht. „Da hat es vor allem durch Anfragen zu Kurzarbeitsabrechnungen einen massiven Anstieg gegeben“, schildert die Expertin. Ebenfalls sehr häufig sind Berichte von Beschäftigten, die „Minusstunden“ wegen Corona einarbeiten sollen. „Der Arbeitgeber schickt seine Beschäftigten früher heim, weil es weniger Umsatz wegen Corona gibt. Das sollen die Betroffenen später kostenlos einarbeiten“, erklärt Rauscher-Kalod. „Das geht natürlich nicht. Die Beschäftigten waren arbeitsbereit und es war der Arbeitgeber, der sie nachhause geschickt hat.“

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