Profi-Reinigung: "Geputzt wird nur Zuhause"

In der Wiener Gebäudereinigungsakademie lernen die Teilnehmer professionelle Reinigung – etwa im nachgebauten OP-Saal und einem ausgemusterten U-Bahnwaggon.

Wer in der Eduard-Kittenberger-Gasse in Wien-Liesing vor der Türe steht, erahnt nicht, dass sich hinter den Fassaden der Wiener Gebäudereinigungsakademie (GRA) eine 300 Quadratmeter große Halle mit vielen Musterflächen sowie diverse Musterräumlichkeiten, darunter ein Hotelzimmer, ein OP-Saal sowie eine halbe U-Bahngarnitur verstecken.

Auf mehr als 1.100 Quadratmetern Gesamtfläche vermitteln 35 Fachtrainer die hohe Kunst der professionellen Reinigung. "Putzen ist ein Unwort. Geputzt wird nur Zuhause", erklärt der Geschäftsführer der Reinigungsakademie Christoph Guserl mit einem Schmunzeln.

Angebot reicht von Tageskursen bis zur Meisterprüfungsvorbereitung

Tatsächlich erfordert das professionelle Reinigen weitreichende Kenntnisse über Chemie, Physik, Anwendungstechnik, Reinigungsmittel und Maschinenkunde oder Hygiene sowie Desinfektion. All das wird hier vermittelt. Das Angebot reicht von Basiskursen für das gewerbliche Personal bis hin zum Meisterprüfungsvorbereitungskurs für angehende Selbstständige.

"Unser Ziel ist es, die Absolventen so gut wie möglich auf ihre Aufgaben vorzubereiten, daher ist es so wichtig, dass an echten Reinigungsobjekten geübt werden kann", erklärt Guserl. Das Interesse an den Kursen steigt: "2014 hatten wir rund 300 Kursteilnehmer, im vergangenen Jahr waren es bereits 1.350."

Erfolgreiche Kooperation mit BFI Wien

Die Gebäudereinigungsakademie der Wiener Gebäudereiniger wurde 2006 von der Landesinnung Wien der Gebäudereiniger angekauft, mehrfach umgebaut und im September 2011 als das modernste Ausbildungszentrum für Gebäudereinigung in Europa wiedereröffnet.

Seit Dezember 2017 kooperiert die Gebäudereinigungsakademie auch mit dem BFI Wien. "Für uns ist es wichtig, dass die Qualität der Ausbildung stimmt. Mit der Gebäudereinigungsakademie als neuem Kooperationspartner bietet sich unseren Teilnehmern die einmalige Gelegenheit, in heiklen Räumlichkeiten wie einem OP-Saal Praxis zu sammeln", erklären Thomas Teufl, Leiter des Privat- und Firmenkundenbereichs und Produktmanagerin Azra Prcic (beide BFI Wien).

Das BFI Wien bietet in Kooperation mit der GRA vier Kurse im Denkmal-, Fassaden- und Gebäudereinigungsbereich an – vom Lehrabschluss bis zur Meisterprüfung.

OP-Saal aus dem KFJ-Spital und den ehemaligen Preyer'schen Höfen

In einem nachgebauten OP-Saal lernen die Kursteilnehmer vor Ort die fachgerechte Reinigung und Desinfektion. Dabei gilt es allerhand zu beachten, wie Guserl erklärt: "Besonders wichtig ist natürlich die Hygiene. So müssen auch die Reinigungskräfte spezielle Berufsbekleidung, Kopf- und Mundschutz tragen, um die Kontamination durch Krankheitserreger möglichst gering zu halten".

Die Ausstattung des nachgebauten OP-Saals stammt aus dem Kaiser Franz Josef-Spital sowie aus dem ehemaligen Gottfried von Preyer'schen Kinderspital. Im Zuge der Umsetzung des Wiener Spitalskonzept 2030 kam es hier zu Änderungen bzw. Zusammenlegungen, wobei alte OP-Ausstattung gespendet wurde. Wo früher operiert wurde, wird heute fleißig gereinigt.

Kaugummi-Entfernung per Vereisung

In einem ausgemusterten U-Bahnwaggon der alten "U4-Silberlinie" lernen die Kursteilnehmer auch die "polsterschonende Entfernung" von Kaugummis aus U-Bahnsitzen oder wie man Graffitis entfernt. Auch hier sind Fachkenntnisse wichtig. So können etwa lösungsmittelhaltige Reinigungsflüssigkeiten pulverbeschichtete Oberflächen angreifen.

Der U-Bahnwaggon wurde der GRA von den Wiener Linien zur Verfügung gestellt und von einem Schlosser Teil für Teil in das Gebäude eingebaut.

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