Prokop: "Habe kein Vertrauen von der Austria bekommen"

Dominik Prokop im Dress von Wehen Wiesbaden.
Dominik Prokop im Dress von Wehen Wiesbaden.Imago Images
Vor gut einem Jahr unterschrieb Dominik Prokop bei Wehen Wiesbaden. Gegenüber "Heute" zog der Ex-Austrianer Bilanz und sprach über die "Veilchen". 

Am Samstag startet die Rückrunde in Deutschlands dritter Liga. Wehen Wiesbaden gastiert bei 1860 München. Mit dabei ist auch Dominik Prokop, der seit Dezember 2020 für Wehen aktiv ist, sich in Wiesbaden pudelwohl fühlt, wie der 24-Jährige "Heute" berichtete. 

"Turbulentes Jahr"

"Ich blicke auf ein ereignisreiches erstes Jahr zurück, der Start war gleich richtig gut, ich habe mich festgespielt. Dann habe ich mich verletzt, habe gebraucht, um an meine 100 Prozent zu kommen. Aber bei uns ist es gut gelaufen, auch wenn es mit dem Trainerwechsel (Rüdiger Rehm übernahm Anfang November, Anm.) turbulent war", bilanzierte Prokop. Die Wiesbadener überwinterten auf dem achten Tabellenplatz, sind sechs Punkte vom Aufstiegsrang entfernt. 

Von der dritten deutschen Liga zeigte sich der Offensivspieler jedenfalls angetan. "Das Niveau ist sehr hoch, es gibt viele gute Mannschaften, jeder kann jeden schlagen, es gibt viele Traditionsvereine. Als ich hierher kam, hat mich überrascht, dass der Fokus der Öffentlichkeit so sehr auf der Liga liegt", erzählte Prokop nach über einem Jahr im Wehen-Dress. 

"Joker"-Rolle? "Weiß nicht, woran es liegt"

Die letzten Wochen war für Prokop durchwachsen, er absolvierte 16 Pflichtspiele, verbuchte zwei Assists, kam allerdings häufig als Einwechselspieler in die Partie oder schmorte auf der Bank. Natürlich will der Österreicher stets in der Startelf stehen. "Ich weiß nicht, woran es liegt. Ich haue mich im Training so rein, wie ich es immer gemacht habe. Die Gründe weiß nur der Trainer. Aber ich lasse mich nicht beirren, werde auf meine Chance warten. Das ist etwas, das man nur bedingt beeinflussen kann, durch Trainingsleistungen etwa. Würde ich mich aufgeben, hätte ich erst recht keine Chance", meinte Prokop. 

Im letzten Spiel vor der Winterpause stand Prokop gegen Freiburgs zweites Team wieder in der Startelf. "Ich nehme meine Situation als Motivation, noch besser zu trainieren, dass der Trainer keine andere Wahl hat. Aber natürlich war ich mit der Situation im Herbst nicht zufrieden, das ist kein Geheimnis", schilderte der Ex-Austrianer. 

Vereinslos – "keine schöne Situation"

Prokop verließ die Wiener Austria im Sommer 2020, war danach fünf Monate vereinslos. Eine harte Zeit unmittelbar nach dem Beginn der Corona-Pandemie. "Dass das keine schöne Situation war, das kann man sich vorstellen. Man macht sich so seine Gedanken, aber ich habe daran geglaubt, dass ich weiter als Profi meinen Lebensunterhalt verdienen werde. Es war eine sehr lehrreiche, aber auch harte Zeit, aus der ich viel mitgenommen habe. Aber ich denke, dass ich viel positive Energie daraus mitgenommen habe, wenn man sieht, wie ich in Wiesbaden gestartet bin." 

Prokop hatte mehrere Angebote vorliegen, als der Anruf aus Wiesbaden kam, überlegte er nicht lange. "Ich habe mir gesagt: 'Ja, ich mache das. Ich will wieder Fußball spielen, ich brenne darauf.' Ich denke, es war die richtige Entscheidung. Wiesbaden ist ein gut geführter Verein." 

"Habe nicht das Vertrauen von der Austria bekommen"

Der einstige ÖFB-Nachwuchsspieler wurde früh in den höchsten Tönen gelobt. "Jahrhundert-Talent" oder "Parade-Austrianer" war zu lesen. Dem wurde Prokop nicht immer gerecht. "Als Belastung habe ich das nicht wahrgenommen, Es waren große Worte, die auch Druck mit sich gebracht haben. Aber ich mag Druck", erzählte Prokop. 

Trotzdem blieb dem nunmehr 24-Jährigen der große Durchbruch im violetten Trikot verwehrt. "Dafür gibt es mehrere Gründe. Teilweise liegen sie bei mir, teilweise beim Verein. Ich habe nicht mehr das Vertrauen im Verein bekommen, habe auch, wenn ich meine Chance bekommen habe, nicht meine besten Leistungen abgerufen. Das habe ich aber für mich analysiert, die richtigen Schlüsse daraus gezogen. Passiert ist passiert. Es war eine harte Zeit, jetzt will ich aber das Beste aus meiner Situation machen", erklärte Prokop. 

Finanz-Probleme bei der Austria: "Turbulente Zeit im Klub"

Mit einem Auge schielt der langjährige Austrianer aber weiterhin nach Wien-Favoriten. Prokop wurde von seinen Ex-Teamkollegen über die angespannte finanzielle Situation am Verteilerkreis informiert. "Ich habe natürlich mit Freunden im Klub gesprochen, es war eine sehr turbulente Zeit im Klub. Genaueres habe ich aber auch nicht gewusst. Nur, was in den Medien stand", meinte Prokop, der sich sicher ist, "dass so ein großer Verein wie die Austria ihren Weg da raus finden wird." Auch, weil die Wiener nun den "jungen Weg" gehen, dafür gelobt werden. "Dass die talentierten Spieler eingesetzt werden, finde ich gut. Es macht Spaß, ihnen zuzusehen. Vielleicht wäre es auch mir zugute gekommen, aber das ist Spekulation. Ich finde den Weg gut und hoffe, dass er ihnen Erfolg bringt", meinte Prokop. 

Blickt man auf den violetten Kader, scheint auch ein zweites hochgehandeltes Austria-Talent den Durchbruch in Violett nicht schaffen: Dominik Fitz. Auch der 22-Jährige wurde im Herbst zu den Young Violets geschickt, um Spielpraxis zu erhalten. Auch der Offensivspieler scheint von den Jüngeren überholt worden zu sein. "Ich kenne ihn schon lang. Ich weiß nicht, was da vorgefallen ist, aber er ist ein toller Spieler, ein guter Typ. Er wird schon die richtigen Entscheidungen treffen", ist Prokop überzeugt. 

"Wünsche mir, wieder für Austria zu spielen"

Der Ex-Austrianer kann sich natürlich weiterhin vorstellen, im violetten Dress aufzulaufen. "Ich würde mir schon wünschen, irgendwann wieder für die Austria zu spielen. Das ist aber aktuell nicht abzusehen. Jetzt lege ich meinen Fokus auf Wehen Wiesbaden." Und auf den Kampf um den Aufstieg in die 2. Deutsche Bundesliga. "Vor zwei Jahren war Wiesbaden noch in der zweiten Liga. Mit dem Kader ist es ein Ziel, aufzusteigen." 

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