Protest-Konzert legt Chemnitz praktisch lahm

Die Toten Hosen machten sich mit anderen deutschen Bands gegen rechte Gewalt stark. Trotz chaotischen Verhältnissen blieb es friedlich.
Nach dem gewaltsamen Tod eines 35-jährigen Deutschen marschieren in Chemnitz die Rechtsradikalen auf und bringen der Stadt eine traurige Schlagzeile nach der anderen. Größen der deutschen Punkrock- und Hip-Hop-Szene hielten dagegen und veranstalteten in Chemnitz ein Gratis-Konzert. Unter dem Motto "Wir sind mehr" wurde gegen rechte Gewalt gerockt.

20.000 wurden in der Innenstadt am Karl-Marx-Monument erwartet, laut "Bild" waren es am Ende 65.000. Gewalttätige Auseinandersetzungen blieben aus, von den 79 Menschen, die medizinisch versorgt werden mussten, klagten die meisten lediglich über Kreislaufprobleme. Elf kamen ins Spital. Eine gute Bilanz für ein Konzert dieser Größenordnung.



CommentCreated with Sketch.23 Kommentar schreiben Arrow-RightCreated with Sketch. Die größte Belastung brachte der Event dem Nahverkehr der Stadt. Die Toten Hosen richteten auch ihnen ein herzliches Dankeschön aus. "Chemnitz: Danke an alle, die hier waren und alle, die nie angekommen und im Verkehrschaos stecken geblieben sind", heißt es auf dem offiziellen Instagram-Account der Band. "Ihr habt heute Geschichte geschrieben!"

Die Rückreise der Fans gestaltete sich dann doch einfacher als gedacht. "Ich weiß nicht, wie sie's geschafft haben", zitiert "Bild" eine Sprecherin der Deutschen Bahn. "Es sind alle weggekommen."

Klare Ansagen

Das "Wir sind mehr" startete mit einer Schweigeminute, dann wurde es laut in Chemnitz. Neben den Toten Hosen traten auch Kraftklub, K.I.Z., Trettmann, Feine Sahne Fischfilet und Nura/Marteria & Casper auf. Die Interpreten brachten ihre Messages klar auf den Punkt.



"Wer meint, Messer ziehen zu müssen, ist ein verf… A…loch!", verkündete etwa Monchi, seines Zeichens Sänger von Feine Sahne Fischfilet. Aber die Trauer zu missbraucen, um Menschen wegen Hautfarbe zu attackieren, das sei nicht weniger schlimm.

"Wir geben uns nicht der Illusion hin, dass man ein Konzert macht und dann ist die Welt gerettet", erklärte Kraftklub-Frontman Felix Brummer. "Manchmal ist es wichtig, zu zeigen, dass man nicht allein ist."

Keine Gegen-Demonstrationen

Rechte Gegenveranstaltungen hatte die Stadt Chemnitz zuvor untersagt. Das ausländer- und islamfeindliche Bündnis Thügida und die rechtspopulistische Bewegung Pro Chemnitz durften nicht demonstrieren - weil durch das Konzert bereits alle Veranstaltungsflächen belegt waren.

(lfd)

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