Wien

Home Invasion – vorm Prozess ein Bussi für Angeklagten

Zwei Serben werden brutale Home Invasions vorgeworfen, ein Opfer wurde mit einem Brecheisen geschlagen. Am Mittwoch saß das Duo auf der Anklagebank.
Thomas Peterthalner
23.02.2022, 14:11

Die zwei Verdächtigen wurden Mittwochfrüh direkt aus der Zelle in den Gerichtssaal in der Wiener Josefstadt geführt. Bojan M. (34) und Stanjlo M. (61) sollen gemeinsam mit anderen Verdächtige an mehreren EInbrüchen, darunter auch an zwei brutalen Home Invasions beteiligt gewesen sein. Die Fäden laufen bei dem wegen der Bluttat an einem Juwelier in Wien-Landstraße verurteilten Ali G. (21) zusammen.

Fäden laufen bei Bluttat zusammen

Der ebenfalls aus Serbien stammende Verdächtige Ali G. soll gemeinsam mit dem Duo die Taten begangen haben. Nach seiner Festnahme packte er laut Staatsanwalt in der Einvernahme aus, ließ seine mutmaßlichen Mittäter auffliegen. Bojan M. soll aktiv beteiligt, der gehbehinderte Stanjlo M. Aufpasserdienste erledigt haben und Tippgeber gewesen sein. 

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Mit Brecheisen zugeschlagen

Zwei brutale Home Invasions stechen in der umfangreichen Anklage heraus: So sollen die Verdächtigen am 28. Februar 2020 in die Wohnung eines Konzertveranstalters in der Wohllebengasse in Wien-Wieden eingebrochen sein. Gegen 21 Uhr brachen sie die Terrassentüre des Opfers auf. Bojan M. soll den Mann mit einem Brecheisen niedergeschlagen haben. Danach sollen die Männer mit einem Möbeltresor samt Bargeld und Goldmünzen im Wert von 15.000 Euro verschwunden sein. Das Opfer wurde verletzt. Auf einer Taschenlampe am Tatort fand sich laut Anklage eine DNA-Spur von Bojan M. 

Einbrecher standen im Schlafzimmer

Ein Abtraum wurde wenig später für ein Paar am Stadtrand in Wien-Währing am 28. April 2020 traurige Wirklichkeit. Bojan M. und Ali G. sollen auf ein Baugerüst geklettert sein, dann schlugen sie ein Fenster der Wohnung ein – und standen plötzlich im Schlafzimmer der Bewohner. Als der Geschäftsmann aufwachte, soll ihn Bojan M. mit einer Pistole bedroht haben. "Eins, zwei, drei, peng!", herrschte er den Wiener an, forderte "großes Geld". Das Opfer musste sich hinknien, wurde mit seinem eigenen Unterhemd gefesselt. "Ich zähle bis fünf, sonst bumm", drohte der Verdächtige. Komplize Ali G. hielt einstweilen die Frau des Immobilien-Fachmanns im Schlafzimmer mit einer Pistole in Schach. In Todesangst zeigte das Opfer den Verdächtigen einen versteckten Wandtresor. Die Serben sollen dann mit Wertgegenständen im Wert von 310.000 Euro geflüchtet sein. 

"Teilweise schuldig"

Vor Gericht bekannte sich Bojan M. nur teilweise schuldig. Mit den ihm vorgeworfenen Home Invasions habe er nichts zu tun, meinte er gut gebrieft von Top-Verteidiger Alexander Philipp. Einige der ihm vorgeworfenen Einbrüche gab er hingegen zu. Die Anklage fußt auf den Aussagen des verurteilten Ali G sowie auf der gefundenen DNA-Spur. 

Bei Gasexplosion verletzt

Der mitangeklagte Stanjlo M. bekannte sich zu allen Vorwürfen "nicht schuldig". Er habe aufgrund seiner körperlichen Einschränkungen gar nicht an den ihm vorgeworfenen Taten beteiligt gewesen sein können. Der Serbe wurde laut seinem Anwalt 1989 bei einer Gasexplosion in seiner Heimat schwer verletzt, ist seither gehbehindert. Vor Verhandlungsbeginn busselte er noch seine Familie vor dem Gerichtssaal ab. Noch heute Nachmittag könnte es ein Urteil am Wiener Landesgericht geben. Für alle gilt die Unschuldsvermutung. 

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