"War Notwehr": Blutiger Mordversuch an Transsexueller

Das Straflandesgericht in Wien
Das Straflandesgericht in WienHELMUT FOHRINGER / APA / picturedesk.com
Prozess um Mordversuch an Prostituierter in Wien: Ein psychiatrischer Sachverständiger sieht in dem 22-Jährigen einen potenziellen Serientäter.

Am Wiener Landesgericht musste sich am heutigen Donnerstag ein gebürtiger Tscheche wegen versuchten Mordes an einer 34-jährigen Prostituierten verantworten. Das Opfer fand dabei klare Worte: "Er hat mich überall aufgeschnitten. Er hat mein Leben total zerstört", schilderte die Transsexuelle laut APA vor dem Richter. Der 22-Jährige war am 1. Juni diesen Jahres in ihrer Wohnung über sie hergefallen und hatte ihr mit einem Klappmesser zahlreiche Stich- und Schnittwunden zugefügt.

Der Angeklagte, der seit zwei Jahren bei seiner Mama in der Obersteiermark lebt und als Tischler beschäftigt ist, hatte sich ab 31. Mai an mehreren Tagen zu Treffen mit Prosituierten in Wien verabredet. Dabei zeigte er eine Vorliebe für Transsexuelle. "Sie kommen mir interessant vor. Sie sind anders. Sie fühlen sich nicht wohl in ihrem Körper", erklärte der 22-Jährige vor Gericht.

Beim dritten Treffen passierte es

Doch schon beim ersten Treffen um 9 Uhr vormittags kam es bereits beinahe zur Bluttat. Nach dem Sex forderte der junge Mann die Frau auf, ihre Augen zu schließen, weil er ihr etwas schenken wolle. Doch in der Reflektion eines Spiegels sah sie, wie er plötzlich ein Messer zog. Bevor die Lage eskalieren konnte, setzte die Prostituierte ihren Freier vor die Tür.

Beim zweiten Treffen um 13 Uhr wurde der 22-Jährige von ihm unbekannten Personen im Garten vor dem Fenster der Prosituierten so abgeschreckt, dass er ihre Wohnung ohne auch nur eine Dienstleistung wieder verließ – doch dabei wurde es bizarr. Die Frau will gesehen haben, dass der Handwerker vor dem Verlassen der Räumlichkeiten eine Barbie-Puppe aus der Unterhose zog und damit spielte. 

Keine zwei Stunden später, gegen 15 Uhr, passierte es. Der 22-Jährige blätterte 100 Euro für eine Massage hin, doch kurzfristig forderte er von der Transsexuellen einen Rollenwechsel ein. Er schenkte ihr einen Stofftiger und begann, sie durchzukneten. "Dann hat er mich plötzlich am Hals geschnitten", erinnert sich die 34-Jährige voller Schock.

Mordversuch ...

Die Anklage spricht von Mordversuch, er habe der Frau die Kehle durchschneiden wollen. Als diese um Hilfe schrie, soll er ihr wortlos, aber mit "eigenartig brummenden Geräuschen", weitere Stiche und Schnitte zugefügt haben. Bei ihrem letzten Fluchtversuch habe er der 34-Jährigen schließlich das Messer in den Rücken gerammt. 

Nur durch den couragierten Einsatz ihrer Mitbewohnerin dürfte sie überlebt haben. Diese stellte sich zwischen Opfer und Täter, wurde dabei ebenfalls schwer verletzt, ehe beide Frauen aus der Wohnung fliehen konnten.

... oder Notwehr?

Der 22-Jährige stellt die Sachlage aber gänzlich anders dar. Er habe aus Notwehr und "reiner Selbstverteidigung" gehandelt, nachdem ihn die Prostituierte während der Massage an den Genitalien gepackt habe. "Das hat mir Schmerzen gemacht", der Griff zum Messer sei für ihn die "einzige Möglichkeit" aus dieser Situation gewesen.

"Ich glaube, dass die Selbstverteidigung nicht ganz adäquat war. Es war übertrieben, was ich gemacht habe. Ich hatte mich nicht ganz unter Kontrolle", behauptete der 22-Jährige in seiner Verteidigung. Er könne sich nicht mehr erinnern, was nach dem ersten Stich passierte sei.

Welcher Version der Geschichte schließlich das Gericht Glauben schenkt, wird sich noch zeigen. Der psychiatrische Sachverständige Peter Hofmann hingegen hat sein Urteil bereits gefällt, er hält den Angeklagten für einen potenziellen Serientäter.

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