Österreich

Prozess um Grabräuber: 480 Euro Geldstrafe

Heute Redaktion
14.09.2021, 02:42

Der freche Grabraub flog schon 2013 auf, doch am Montag wurde das Urteil gefällt: Der 47-jährige Südburgenländer, der einem Mesner im Bezirk Güssing das Gebeinhaus ausräumte, muss 480 Euro Geldstrafe zahlen.

doch am Montag wurde das Urteil gefällt: Der 47-jährige Südburgenländer, der einem Mesner im Bezirk Güssing das Gebeinhaus ausräumte, muss 480 Euro Geldstrafe zahlen.

Der 48-Jährige zeigte sich zum Teil geständig. Er gab an, eine Genehmigung des betagten Mesners gehabt zu haben. Dem 80-jährigen Mesner, der ihm und seinem Freund "aus Teenagerzeiten", dem Mitangeklagten, sogar geholfen haben soll, erzählte der Angeklagte, er wolle die Knochen in einem Museum, dem Stadtmuseum Oberwart - das bis zum heutigen Tag laut dem Staatsanwalt "nur in Ihrem Kopf existiert" - ausstellen. Und auch seinem Freund soll er dies erzählt haben - ebenso, dass er eine "Genehmigung" vom Mesner habe. Dieser hätte sich bei ihm aufgeregt, dass die Leute nur mehr Mist in den Karner reinhauen würden.

 Mitangeklagter wird ausfallend 

Für einen Eklat sorgte vor Gericht auch der später in Abwesenheit freigesprochene mutmaßliche Komplize, der dem Hauptangeklagten beim Ausheben und Verladen der Gebeine half: Nachdem ihm eine Frage zum wiederholten Mal gestellt wurde, meinte der Invaliditätspensionist: "Für mich ist das nicht lustig, ich werde langsam aggressiv." Kurz darauf sprang er auf, eilte zur Tür und schrie zur Richterin: "Lecken Sie mich am Arsch."

Knochen am Flohmarkt lassen Raub auffliegen

Der Fall hört sich an, als stamme er aus einem Groschenroman: Ein Mann will auf einem Flohmarkt in Kemeten (Bezirk Oberwart) drei Totenköpfe und zwei Oberschenkelknochen verscherbeln. Besucher des Markts informieren anonym die Behörden. Von den Medien befragt, rechtfertigt sich der "Sammler", er habe die Totenschädel nur ausgestellt, "um Werbung für mein Privatmuseum zu machen".

Mann täuschte Mesner

Um an seine Sammlung zu gelangen, täuschte der mutmaßliche Grabräuber den Mesner der Pfarrkirche Maria Weinberg. Der Möchtegern-Museumsbesitzer soll dem Mann erzählt haben, in offizieller Mission unterwegs zu sein und die Gebeine für ein Museum in Oberwart zu benötigen. Der Mesner ahnte nichts Böses und erlaubte dem Mann im guten Glauben die Räumung des Gebeinhauses bzw. den Abtransport der Totenköpfe und Oberschenkelknochen.

"Sammler" räumte Beinhaus leer

Der nun angeklagte Mann stieg später durch ein Loch in die Grabstätte, räumte den seit dem 17. Jahrhundert bestehenden Karner bis auf wenige bereits beschädigte Stücke aus und brachte die Relikte in seine Wohnung.

Frecher "Grabräuber" will 1.300 Euro

, doch der "Sammler" gibt keine Ruhe. Laut eines Zeitungsberichts soll der Mann einen Brief an die Pfarre geschrieben und 1.300 Euro für die "christlich verpflichtende Tat der Bergung der sterblichen Überreste" gefordert haben. Das Honorar sollte dann gespendet werden, hieß es.

"Sammler" und mutmaßlicher Komplize hatten auch Waffen

Vor Gericht muss sich der selbsternannte Sammler und Knochenretter für allerlei verantworten: Störung der Totenruhe, ein Vergehen nach dem Waffengesetz sowie das Vergehen der dauernden Sachentziehung. Auch ein 49-jähriger Mann, der dem Sammler geholfen haben soll, muss vor den Kadi.

APA/red.

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