Prozess um Güterzugunfall endete mit einer Diversion

Bahnunfall: 14 Waggons entgleisten
Bahnunfall: 14 Waggons entgleistenBild: ÖBB
Der Lokführer (28) jenes Güterzuges, der am Semmering bergab gerollt und gegen eine Hilfs-Lok geprallt war, musste sich wegen grob fahrlässiger Körperverletzung verantworten.
Ein Bahnunfall im Semmering-Gebiet vom 1. Dezember 2015 hatte am Mittwoch ein gerichtliches Nachspiel: Ein Lokführer (28) musste sich wegen grob fahrlässiger Körperverletzung verantworten. Der für fünf Stunden anberaumte Prozess am Landesgericht Wiener Neustadt war aber schneller zu Ende als gedacht: Er endete mit einer Diversion.

Am 1. Dezember 2015 war ein Güterzug mit 21 Waggons auf der Südbahnstrecke zurückgerollt und gegen eine angeforderte Hilfs-Lok geprallt, die bergwärts fuhr ("Heute" berichtete). Beim Unfall im Pollereswand-Tunnel zwischen zwei Viadukten am Semmering waren 14 Waggons entgleist, zwölf davon im Tunnel. Der Lokführer der Hilfs-Lok wurde ins Krankenhaus transportiert.

Keinen Funkkontakt zum Kollegen

Der unbescholtene, in der Steiermark wohnende ÖBB-Bedienstete schilderte, dass er damals bereits mit Verspätung nach Gloggnitz gekommen war. Dort wurde ihm mitgeteilt, dass er ein Vorspannfahrzeug erhalten sollte. Dann musste der Angeklagte - es war an jenem Dezembertag windig und regnerisch - wegen eines defekten Zugs (Waggons hatten sich gelöst und mussten angekoppelt werden, Anm.) auf der Strecke anhalten und zog die direkte Bremse an. Dass er keinen Funkkontakt zum Kollegen der Hilfs-Lok hatte, habe er nicht bemerkt - am Semmering gebe es öfter Funklöcher, meinte er.

CommentCreated with Sketch. Jetzt kommentieren Arrow-RightCreated with Sketch. Als er einen Ruck verspürte, dachte er, es sei alles in Ordnung, die Hilfs-Lok habe angedockt, er werde nun zurückgeschleppt, und löste die Bremse. Tatsächlich rollte der Zug aber unkontrolliert bergab und stieß gegen die Hilfs-Lok.

Mindestens drei Millionen Euro Schaden

Die Richterin bot dem Mann eine Diversion an, die er annahm. Er muss nun 160 Tagessätze a 14 Euro plus 250 Euro Pauschalkosten, in Summe 2.490 Euro zahlen. Der damals verletzte Fahrer der Hilfs-Lok habe keinerlei Schmerzensgeldforderungen oder sonstige Ansprüche gestellt, sagte der 28-Jährige. Die Staatsanwältin gab keine Erklärung ab.

Aufgrund der Aufräum- und Instandsetzungsarbeiten nach dem Unfall war die Semmering-Bergstrecke fast zwei Wochen lang gesperrt. Die Schadenshöhe machte mindestens drei Millionen Euro aus. (wes)
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