Österreich

Prozessauftakt um brutalen Wettbüro-Raub

Heute Redaktion
14.09.2021, 15:35

Ein überaus spannender Prozess hat am Dienstag am Wiener Straflandesgericht begonnen. Laut Anklage soll ein 27-jähriger Serbe am 17. Juli 2012 gemeinsam mit zwei Komplizen einen brutalen Raubüberfall auf ein Wettbüro in Margareten begangen haben. Dabei wurde ein Geldbote durch vier Schüsse fast getötet. Doch der Verteidiger ließ mit einer Überraschung aufhorchen: Der Beschuldigte sei an der Tat gar nicht beteiligt gewesen.

begangen haben. Dabei wurde ein Geldbote durch vier Schüsse fast getötet. Doch der Verteidiger ließ mit einer Überraschung aufhorchen: Der Beschuldigte sei an der Tat gar nicht beteiligt gewesen.

Der Staatsanwaltschaft zufolge hat der 27-Jährige - der Serbe war mehrfach wegen Drogenhandels, Kfz-Diebstahls und Raubüberfällen vor Gericht gestanden - kurz vor 6.00 Uhr gemeinsam mit zwei Komplizen ein Wettbüro in der Reinprechtsdorfer Straße gestürmt.

Sie bedrohten zwei Geldboten mit einer Schusswaffe, schlugen einen davon nieder und entrissen ihm eine mit 63.460 Euro gefüllte Tasche. Als sich der Mann zur Wehr setzte,, wobei eine Kugel am Rücken wieder austrat. Anschließend flüchteten die Täter samt Beute.

Verteidiger: Angeklagter war gar nicht dabei

Selbst Verteidiger Elmar Kresbach attestierte dem Raub, an dem es "nichts zu rütteln" gebe, große Brutalität. Doch: "Der Angeklagte war gar nicht dabei." Es seien am Tatort weder eine Waffe noch Fingerabdrücke oder sonstige Spuren gefunden worden. Einziger Beweis dafür, dass sich der 27-Jährige in der Nähe des Wettbüros aufgehalten haben soll, seien zwei Zigarettenstummeln, die in einem angrenzenden Park gefunden worden waren.

Vor dem Schwurgericht unter dem Vorsitz von Richterin Martina Krainz zeigte sich der Serbe geständig - allerdings nur zur Urkundenfälschung. Da er wegen seiner kriminellen Vorgeschichte nicht aus seinem Heimatland ausreisen durfte, beschaffte sich der Angeklagte falsche Reisedokumente, um nach Österreich zu gelangen. "Ausschließlich zum Arbeiten", wie der 27-Jährige beteuerte.

Angeschossener Bote sagte aus

Nach einer kurzen Verhandlungspause betrat mit Mesut T. jener Geldbote den Gerichtssaal, der von vier Schüssen aus nächster Nähe getroffen worden war. "Ich habe Schatten durch die Glastüre gesehen, wollte aber niemanden reinlassen, also habe ich mich gegen die Türe gelehnt." Doch da kassierte er schon den ersten Faustschlag, ging zu Boden, feuerte noch einen Warnschuss ab - "an mehr erinnere ich mich nicht mehr".

Wiedererkannt hat der 50-Jährige den Beschuldigten ebenso wenig wie sein gleichaltriger Kollege, dem man eine Pistole ins Genick und ihn damit zu Boden drückte. Mesut T. wurden eine Niere sowie Teile des Darms entfernt. Er hat Probleme beim Gehen, permanente Rückenschmerzen und leidet unter massiven Angstzuständen.

Anrainer identifizierte Angeklagten

Definitiv etwas gesehen hat hingegen ein 59-jähriger Anrainer. Der Frühaufsteher will kurz vor 6.00 Uhr von seinem Balkon im vierten Stock aus drei Männer beobachtet haben, die wiederum das Wettbüro im Auge hatten. "Zwei haben eine Staubmaske getragen, ich dachte mir zuerst, das sind Arbeiter." Den 27-jährigen auf der Anklagebank machte der Augenzeuge als "Anführer" des Trios aus. Dieser habe das Wettlokal am intensivsten beobachtet und auch das Zeichen zum Aufbruch gegeben. Davor warf er einen Zigarettenstummel weg. "Ich bin mir sicher, dass er das war."

Als wirklicher Beweis für die Beteiligung des Angeklagten dürfte das allerdings kaum durchgehen. Immerhin hatte der 59-Jährige keinen direkten Blick auf das Wettbüro. Nachdem die drei Männer den Innenhof verlassen hatten, verlor sie der Anrainer zwangsläufig aus den Augen.

Am Mittwoch vertagt

Der Prozess ist am Mittwoch auf unbestimmte Zeit vertagt worden nicht zuletzt wegen der von der Verteidigung gestellten Beweisanträge. Weitere Augenzeugen, die das Geschehen unmittelbar vor der Tat in den frühen Morgenstunden des 17. Juli 2012 beobachtet hatten, haben den 27-jährigen Angeklagten nicht wieder erkannt - teilweise sogar unfreiwillig entlastet.

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