Prüferin: "Halter müssen Hunde-Verhalten kennen"

Während politisch um den Hundeführschein noch gestritten wird, hatte "Buddy" am Mittwoch seinen großen Tag. "Heute" war bei der Prüfung dabei.
Mittwoch Vormittag im Wiener Donaupark: Bei strahlendem Sonnenschein steht für den elf Monate alten British Staffordshire-Bullterrier-Mischling Buddy ein besonderer Punkt auf dem Programm. Er absolviert heute mit Frauchen Iris H. (42) den verpflichtenden Hundeführschein.

Seit 1. Juli 2010 ist der Hundeführschein in Wien für alle sogenannten Listenhunde verpflichtend. "Bei der Hundeführscheinprüfung schauen wir darauf, wie der Hundehalter mit seinem Hund umgeht, ob er die Signale richtig lesen und vor allem, ob er Situationen richtig einschätzen kann", erklärt Hundeverhaltensberaterin Sabine Koch-Bischof. Sie ist eine von 27 Prüfern, bei denen man in Wien den Hundeführschein absolvieren kann.

Prüfung in zwei Teilen

Los geht die Prüfung mit einem theoretischen Teil. Aus einem fixen Fragenkatalog mit 150 Fragen wählt der Prüfer 30 aus, die der Hundehalter in einem Multiple Choice-Fragebogen richtig beantworten muss. "Für das positive Absolvieren müssen 24 Fragen richtig beantwortet werden. Dabei fragen wir aber auch nach, denn die Halter sollen ja nicht auswendig lernen, sondern das Wissen verstanden haben und anwenden können", so Koch-Bischof.

Sobald das erledigt ist, folgt der praktische Teil. "Beginnend mit den wichtigsten Pflegemaßnahmen, wie Kontrolle der Ohren, Zähne und Pfoten, geht er hier darum zu überprüfen, ob der Halter in der Lage ist, auch für den Hund eher unangenehme Dinge stressfrei durchführen kann", erklärt die Prüferin.

CommentCreated with Sketch.19 zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. Für Buddy ist das alles kein Problem, er lässt die Kontrolle geduldig über sich ergehen. "Aber am ausgefahrenen 'bestes Stück' oder den Schuppen im Fell kann man sehen, dass Buddy aufgeregt ist", erklärt Koch-Bischof. In diesem Fall lag das aber weniger an der Maulkontrolle und mehr an dem "Heute"-Team, das Iris und Buddy interessiert zusah.

Danach folgt das Anlegen des Maulkorbs. "Auch hier ist es wichtig, dass das spielerisch erfolgt, damit der Hund den Beißkorb besser akzeptiert und lernt zu kooperieren", so Koch-Bischof. Wenn hier mit Druck vorgegangen werde, lerne der Hund Maulkorb mit Stress oder Schmerz zu verbinden – das Anlegen wird in der Folge immer schwieriger.



(Video: Video3)

Klappen Befehle wir "Sitz, Platz und Bleib"?

Auch ob die wichtigsten Befehle wie "Sitz", "Platz" und Bleib" funktionieren wird in der rund einstündigen Prüfung kontrolliert. Dazu wechselt Hundehalterin Iris die normale Leine gegen eine lange Ausziehleine. "Hier geht es vor allem darum, dass die Halter richtig einschätzen können müssen, wie weit sie sich von dem Hund entfernen können, ohne das der Hund ihnen nachläuft", erklärt die Prüferin.

"Das wichtigste in der Hundehaltung ist es, das Verhalten des Hundes zu kennen und dementsprechend vorausschauend zu handeln. Das heißt, wenn ich weiß, dass mein Hund besonders auf Radfahrer reagiert, dann muss ich rechtzeitig ausweichen oder, wenn das nicht geht, ihn mit Futter positiv durch die Situation führen. Heftiges an der Leine zerren ist genau das, was nicht sein soll, denn dann verbindet der Hund Radfahrer erst recht mit etwas Negativem und die Chance auf aggressives Verhalten steigt", erklärt Koch-Bischof.

Buddy meistert alle Aufgaben souverän

Für Buddy sind die gestellten Aufgaben (vorbeigehen an anderen Hunden oder das Passieren von Radfahrern) kein Problem. Nur der pelzige Windschutz für das Mikrofon auf der Videokamera findet Buddy's gebannte Aufmerksamkeit, "sieht ja auch aus wie ein Spielzeug", lacht Iris.

Grund für Buddy's ausgezeichnete Performance ist die gute Erziehung: Iris und ihre Familie haben sich zwei Jahre lang auf Buddy vorbereitet, schon vorher viel über Staffordshire-Terrier gelesen. Und schon am ersten Tag hat Buddy's Erziehung begonnen.

"Ausweitung des Hundeführschein für alle ist gute Idee"

"Wir haben uns bewusst als Hommage für einen Listenhund entschieden, weil wir zeigen wollen, das die als Kampfhund verschrieenen Hunde eigentlich das Gegenteil sind. Hunde erziehen ist wie Kinder erziehen, die Entwicklung eines Hundes hängt stark vom Menschen ab. Daher halte ich es für eine gute Idee, wenn der Hundeführschein für alle kommt", so Iris H.

Auch Prüferin Koch-Bischof unterstützt den Vorschlag nach Ausweitung auf alle Hunderassen, denn längst sind nicht alle Hundehalter so verantwortungsvoll wie Iris H. "Jeder sollte eine Ausbildung machen, denn Wissen um das Verhalten des Hundes kann vor Bissvorfällen schützen", so die Hundetrainerin.

"Wir sehen, dass Hunde, die eine Hundeschule besucht haben, deutlich besser mit alltäglichen Situationen umgehen können. Das gilt für alle Hunderassen, nicht nur für Listenhunde", so Koch-Bischof. Gut findet die Prüferin auch die Idee der Wiener Grünen, den Prüfern zum Hundeführschein mehr Kompetenzen einzuräumen. "Es passiert schon, dass das Wissen und die Fähigkeit gerade einmal für den positiven Abschluss des Hundeführschein genügt, aber dennoch klare Lücken festzustellen sind. Hier sollte dann dringend nachgeschult werden", so Koch-Bischof.

Rot-Grüne Gespräche zu Hundeführschein Neu laufen

Nachdem die geplante 12. Novelle des Wiener Tierhaltegesetz nach einem Trick der FPÖ nun doch nicht beschlossen wurde, laufen im Rathaus die Gespräche auf Hochtouren.

Dabei versuchen die Koalitionspartner trotz unterschiedlicher Positionen auf einen grünen Zweig zu finden. Fix ist, dass der verpflichtende Hundeführschein für Listenhunde künftig nach zwei Jahren wiederholt werden muss. Wie berichtet, will der Grüne Tierschutzsprecher Rüdiger Maresch das auf alle Hunderassen ausweiten. Wann die neuen Regelung beschlossen wird, steht derzeit noch nicht fest.

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