Prügel-Video laut Urheber nicht manipuliert

Der Urheber des Handy-Videos, das zeigt, wie ein Polizeibeamter auf einen am Boden fixierten Mann einboxt, spricht von einer "PR-Masche". Der Innenminister sieht das anders.

Ein Handyvideo auf sozialen Netzwerken beschäftigt seit Monaten die Polizei. Dort ist zu sehen, wie ein Beamter im Rahmen einer Klimademo auf einen von mehreren Polizisten am Boden fixierten Mann einboxt. Das Video sorgte für Empörung ("Heute.at" hat berichtet).

Marcus Hohenecker, der Urheber des Prügel-Videos, weist jetzt alle Vorwürfe der Manipulation zurück. "Ich bin kein Krimineller, das wäre Beweismittelfälschung", beteuert er im Interview gegenüber "Puls4". Er sieht in den Vorwürfen eine "PR-Masche", die von der Klimakatastrophe und der "massiven Polizeigewalt" gegen friedliche Demonstranten abzulenken soll.

215 Exekutivbeamte bei Klimademo im Einsatz

Bei der Veröffentlichung auf Twitter habe Hohenecker die Sequenz "geloopt" iund mehrfach nacheinander abgespielt. Der Polizei und Medien habe er jedoch das Originalvideo zur Verfügung gestellt. Er ist sich sicher: "Die Wahrheit wird sich durchsetzen."

Bei der Klimademonstration am 31. Mai, bei der insgesamt 215 Exekutivbedienstete im Einsatz waren, soll es zu mehreren Fällen von Polizeigewalt gegen Aktivisten gekommen sein. Mit der Beantwortung von insgesamt drei parlamentarischen Anfragen an Innenminister Wolfgang Peschorn wurden Montagnachmittag weitere Details bekannt.

"Zwei bis drei Schläge" wurden ausgeführt

Gegen eine Person, die auf dem veröffentlichten Video zu sehen ist, seien "Fauststöße gegen den Oberköper/Rückenbereich" ausgeführt worden, da sie „trotz Aufforderung, ihre Hände hervorzugeben und zu zeigen, diese weiterhin unter ihrem Körper (Bauchlage) verbarg", hieß es in der von Innenminister Wolfgang Peschorn beantworteten Anfrage der Liste Jetzt. Der Amtsarzt habe bei dem Mann unter anderem einen Bluterguss über dem linken Schulterblatt, oberflächliche Kratzer im Bereich des linken Schulterblatts sowie multiple Blutergüsse am linken Oberarm festgestellt.

Laut Aussagen des betroffenen Einsatzbeamten wurden "zwei bis drei Schläge" ausgeführt. Dass auf dem medial verbreiteten Video mehr Schläge zu sehen sind, ist wohl auf die "nachfolgende Bearbeitung (Wiederholung von Sequenzen) zurückzuführen", so Peschorn in seiner Beantwortung. Es habe nicht verifiziert werden können, dass einige Polizisten „in die Nieren" riefen. Die bisherigen Ermittlungen hätten darauf hingewiesen, dass der Betroffene selbst geschrien habe: "Sie treten mich in die Nieren."

Keiner der Beamten bis jetzt suspendiert

Bisher wurden im Zusammenhang mit diesen Vorfällen keiner der Beamten suspendiert oder Disziplinarverfahren eingeleitet, da der Sachverhalt noch nicht abschließend festgestellt sei und eine Suspendierung nicht gerechtfertigt wäre, hieß es in der Anfragebeantwortung der Neos. Ein Beamter sei in den Innendienst versetzt worden und führe administrative Tätigkeiten in einer Polizeiinspektion durch ("Heute.at" hat berichtet). Die weiteren Beamtinnen und Beamten sind weiterhin im Außendienst tätig. (jd)

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