Weil einer ihrer Patienten einen Mann mit einer Axt totschlug, ist eine französische Psychiaterin zu einem Jahr Haft auf Bewährung verurteilt worden. Ein Strafgericht im südfranzösischen Marseille sprach die 58-Jährige am Dienstag der fahrlässigen Tötung für schuldig.
Das Gericht folgte damit dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Während des Aufsehen erregenden Prozesses hatte die Psychiaterin ein "Diagnoseproblem" eingeräumt, zugleich aber den Vorwurf der Nachlässigkeit bei der Behandlung des an Schizophrenie erkrankten und gewalttätigen Patienten zurückgewiesen.
Der 43 Jahre alte Patient war im Jahr 2000 in die Edouard-Toulouse-Klinik in Marseille eingewiesen worden. Er flüchtete vier Jahre später und tötete den mehr als 80 Jahre alten Lebensgefährten seiner Großmutter mit einer Axt. Ein Gericht stufte den an einer paranoiden Persönlichkeitsstörung leidenden Mann, der zuvor wiederholt als gewalttätig aufgefallen war und bereits einen Mordversuch begangen hatte, als nicht schuldfähig ein. Ein Sohn des Opfers verklagte daraufhin die Klinik und jede Person, die im Umgang mit dem Mann nachlässig gehandelt haben könnte. Die Klinik wurde 2009 schuldig gesprochen, ihre Aufsichtspflicht verletzt zu haben.
Nach Einschätzung der französischen Justiz beging die Psychiaterin zahlreiche Fehler, die dazu beitrugen, dass der Mann die Gewalttat ausübte. Ein Untersuchungsrichter warf ihr vor, entgegen der Einschätzung von neun Kollegen in ihren Beurteilungen darauf beharrt zu haben, dass der Mann nicht geisteskrank sei. Er sei daher keiner angemessenen Behandlung unterzogen worden und habe von Ende 2003 an auch Freigang aus der Klinik erhalten.
APA/red.