Der Salafismus ist nach Erkenntnissen des Verfassungsschutzes ein Sammelbecken für gewaltbereite Islamisten. Er hat in Deutschland rund 4000 Anhänger, in jüngster Zeit nahmen Gewaltakte radikalen Islamisten zu. Während in Deutschland über Vereinsverbote diskutiert wird, kommt es auch in Österreich zu Koran-Verteilaktionen.
Im deutschen Bundesland Nordrhein-Westfalen haben Rechtsextreme mit islamfeindlichen Karikaturen gewalttätige Übergriffe von Anhängern radikaler Salafisten provoziert. Bei den Ausschreitungen wurden in Bonn 29 Polizisten verletzt. Zwei der Beamten erlitten schwere Verletzungen durch Messerstiche. Anhänger der rechten Splitterpartei Pro NRW hatten zuvor islamfeindliche Karikaturen gezeigt.
Weniger als 30 Pro-NRW-Leuten standen nach Polizeiangaben 500 bis 600 Gegendemonstranten gegenüber. Die Polizei habe zwischen beiden Seiten Mannschaftswagen geparkt, um die Situation zu entschärfen, berichtete der Sprecher. Bei den Attacken wurden auch Einsatzfahrzeuge beschädigt. Bis zum späten Abend gab es mehr als 100 Festnahmen. Gegen einen 25-jährigen mutmaßlichen Salafisten wurde ein Haftbefehl wegen dreifachen versuchten Polizistenmordes erlassen.
Gefährliche Spannungen
Die Situation in Deutschland ist nun angespannt: Rechte Gruppierungen, wie die "Pro NRW", rufen zu Provokationen gegen die Salafisten auf, diese reagieren wiederum fordern den deutschen Staat mit Gratis-Koranverteilungsaktionen und "Werbungen" im Internet heraus. Während der Verfassungsschutz die Situation als bedenklich bezeichnet, sind die Parteien geteilter Meinung. Der deutsche Innenminister Hans-Peter Friedrich betonte, Deutschland werde sich "keine Religionskriege aufzwingen lassen". Gleichzeitig droht er mit Vereinsverboten und Ausweisungen.
Wenig ist über die Zahl der Salafisten in Österreich bekannt. Die in Deutschland heftig umstrittene Koran-Verteilung durch Salafisten hat kürzlich auch auf Österreich übergegriffen. In Wien wurden bei einem Infostand im 10. Gemeindebezirk hunderte Koranexemplare kostenlos an Passanten verteilt. Neben Wien fanden weitere Gratis-Koran-Aktionen in Graz, Klagenfurt und Vöcklabruck statt. Der Verfassungsschutz beobachte die Situation, Anlass für Ermittlungen soll es aber keinen geben.