Wegen Beleidigung

Putin macht aus 70-Euro-Strafe drei Jahre Strafkolonie

Dass ein Mann in Russland wegen Beleidigung 70 Euro Strafe zahlen sollte, passte Politikern gar nicht. Folge: neuer Prozess, drei Jahre Straflager.
10.06.2024, 17:16
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Weil er abfällige Bemerkungen zu einem Buben mit einer Mütze mit dem Buchstaben "Z" gemacht hat, ist ein Mann in Russland zu drei Jahren Haft verurteilt worden. Alexander Neustrojew müsse die Zeit in einer Strafkolonie verbüssen, entschied am Dienstag ein Gericht in der sibirischen Stadt Jekaterinburg. Der Verurteilte habe sich des "Hooliganismus" und der Gewaltandrohung schuldig gemacht.

Das Urteil geht zurück auf Aufnahmen einer Überwachungskamera aus dem vergangenen Jahr, die von Medien verbreitet wurden. Zu sehen ist ein elfjähriger Bub, der eine Mütze mit einem "Z" darauf trägt – das Z-Symbol gilt als Zeichen der Unterstützung des Einsatzes in der Ukraine. Der nun verurteilte Mann sagt zu dem Jungen: "Steck' dir das in den Arsch, du Idiot."

Laut von russischen Medien verbreiteten Aussagen der Mutter kam der Bub weinend nach Hause. Ihr Sohn habe das Zeichen getragen, um seinen Stolz auf seinen in der Ukraine kämpfenden Vater zu zeigen. In erster Instanz war Neustrojew zu einer Geldstrafe von umgerechnet rund 67 Franken verurteilt worden. Nach heftigen Protesten von Politikern und einem Einspruch der Staatsanwaltschaft, dass das Urteil zu milde sei, wurde ein neuer Prozess anberaumt. Nun muss Neustrojew drei Jahre in eine Strafkolonie.

Selenski: Russlands Charkiw-Offensive ist gescheitert

Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski hat Russlands Offensive auf die östliche Grenzregion Charkiw indes zumindest vorerst für gescheitert erklärt. "Der russischen Armee ist es nicht gelungen, ihre Charkiw-Operation durchzuführen", sagte Selenski in seiner abendlichen Videoansprache am Samstag. "Wir halten sie derzeit zurück, so gut wir können, und zerstören russische Einheiten, die in unser Land eindringen und das Charkiwer Gebiet terrorisieren." Zugleich betonte er, dass die Verteidigung der Region noch weiter verstärkt werden müsse.

Russland hatte Mitte Mai eine Offensive auf Charkiw gestartet und dabei mehrere ukrainische Grenzdörfer besetzt. Zwar blieb ein grosser Durchbruch bislang aus, doch die gleichnamige Gebietshauptstadt Charkiw ist weiter massivem Beschuss ausgesetzt. Mehrere westliche Verbündete – darunter Deutschland und die USA – erlaubten der Ukraine deshalb kürzlich, zur Verteidigung von Charkiw mit von ihnen gelieferten Waffen auch Ziele auf der russischen Seite der Grenze zu attackieren.

In seiner Ansprache dankte Selenski einmal mehr auch dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron für seine Unterstützung. Macron hatte dem von Russland angegriffenen Land zuletzt mehrere Kampfjets zugesagt. Ausserdem zeigte er sich offen für eine mögliche Entsendung westlicher Militärausbilder in das Kriegsgebiet. Selenski hatte sich am Freitag mit Macron in Paris beraten.

{title && {title} } red,20 Minuten, {title && {title} } 10.06.2024, 17:16
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