Ukraine

Nächste Kreml-Scharfmacherin spricht von Atomschlag

Die Chefin von "Russia Today" hetzt im TV regelmäßig gegen den Westen. Jetzt zeichnet auch sie ein bereits oft zitiertes Schreckensszenario.
30.04.2022, 13:24

Die Chefin des russischen Senders RT ("Russia Today") und enge Vertraute Putins ist für ihr Säbelrasseln im russischen Fernsehen berüchtigt. Regelmäßig ist sie beispielsweise in der Talkshow des Putin-Freunds und Propagandisten Wladimir Solowjow zu sehen.

Wenn sie dort auftritt, "wirkt selbst der scharfzüngige russische Hetzer Solowjow manchmal kleinlaut", schrieb jüngst der "Spiegel" in einem Porträt über Simonjan und bezeichnete die Mutter dreier Kinder als "das lachende Gesicht einer sonst nicht recht vorhandenen Kriegsbegeisterung". Im März hatte sie der Westen mit Sanktionen belegt, da sie sich nach Brüsseler Angaben an einem "Desinformationskrieg" beteiligt.

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"Ich denke, der dritte Weltkrieg ist realistischer"

Nun macht sie mit neuen martialischen Aussagen aus der Talkshow auf sich aufmerksam: "Entweder wir verlieren in der Ukraine oder der dritte Weltkrieg startet. Ich denke, der dritte Weltkrieg ist realistischer", sagte sie und fügte an: "So wie ich uns und unseren Anführer Wladimir Putin kenne, ist es wahrscheinlicher, dass es zu einem Atomschlag kommen wird, als dass wir verlieren werden."

Erst vor kurzer Zeit machte auf Twitter ein Video die Runde, in dem sie in der Talkshow einen anderen Gast zusammenstaucht. Dieser hatte es gewagt, anzudeuten, dass Russlands "Militäroperation" in der Ukraine schon lange dauere. Während Simonjan in aggressivem Ton antwortet, schauen die anderen – allesamt männlichen – Gäste betreten zu Boden.

"Wir kämpfen gegen die gesamte Nato", sagt Simonjan und entgegnet: "Wir sollten unserer Armee und unserem Befehlshaber helfen, anstatt uns zu beschweren, dass wir nach 49 Tagen noch nicht gewonnen haben." Der Gast gibt darauf nur angsterfüllt zurück: "Ich habe mich nicht beschwert, ich habe mich nicht beschwert."

"Welche Wahl lasst ihr uns, ihr Idioten?"

Erst am Donnerstag hatte Simonjan Großbritannien auf ihrem Telegram-Kanal mit einem Atomangriff gedroht. Sie schrieb: "Die Briten schlagen der Ukraine öffentlich vor, die Kämpfe auf russisches Gebiet zu verlegen. Und statten sie mit den Mitteln aus, um diesen Plan zu verwirklichen. Welche Wahl lasst ihr uns, ihr Idioten? Die vollständige Vernichtung der restlichen Ukraine? Einen Atomschlag?"

Bereits seit der Gründung im Jahr 2005 leitet die Kreml-treue 42-jährige Simonjan den Auslandssender RT (Russia Today). Simonjan soll dem russischen Präsidenten schon lange nahestehen, wie der "Spiegel" berichtet. Nicht mal 20 Jahre sei sie alt gewesen, als sie Putin zum ersten Mal begegnete. Damals reiste er als neuer Präsident in Simonjans Heimatstadt Krasnodar, wo diese als lokale Fernsehreporterin arbeitete.

In einem langen Post auf Instagram schilderte sie letztes Jahr das Zusammentreffen: Sie krabbelte durch die dicht besetzten Reihen der Scheune, in der Putin auftrat, und setzte sich direkt in die Mitte der ersten Reihe und stellte ihre Fragen. Kurz darauf nahm Putin sie in den Journalistenpool des Kremls auf. Als seine enge Vertraute und kriegstreiberische TV-Propagandistin ist sie seither nicht von seiner Seite gewichen.