Ukraine

Putin sucht jetzt per Stelleninserat Soldaten für Krieg

Obwohl offizielle Angaben von Russland fehlen, dürfte der Kreml von den Verlusten im Zuge des Kriegs überrascht worden sein. Nun sucht Putin Personal.
20 Minuten
16.04.2022, 10:11

Wer in Russland derzeit auf Online-Stellenportalen einen Job sucht, dürfte nicht um die unzähligen Inserate herumkommen, mit denen Personal für die russische Armee rekrutiert werden soll. Die Funktionen sowie vorausgesetzte Erfahrungen sind vielfältig: Vom einfachen Maschinengewehr-Soldaten bis hin zu höheren Positionen scheint der Kreml derzeit in fast allen Truppengattungen auf der Suche nach Verstärkung zu sein, wie die "Bild" berichtet.

"Gewaltige Tragödie"

Die Flut an Inseraten dürfte ein weiterer Hinweis darauf sein, dass Kreml-Chef Wladimir Putin beim Einmarsch in die Ukraine nicht mit derart hohen Verlusten auf russischer Seite gerechnet hat. Zuletzt sprach der Kreml offiziell von rund 1.350 toten russischen Soldaten, während die Ukraine von fast 20.000 getöteten Russen spricht. Auch Kreml-Sprecher Dmitri Peskow bezeichnete die "bedeutenden Verluste" auf russischer Seite letzte Woche als "gewaltige Tragödie".

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Schon jetzt dürften abertausende Vertragssoldaten für die russische Regierung kämpfen. Laut "BBC" standen schon im Jahre 2020 fast 400.000 Vertragssoldaten bei der russischen Armee im Einsatz. Auch die Suche nach passenden Kandidaten geschah bereits in der Vergangenheit über Jobportale, seit Ende Februar hat die Zahl der ausgeschriebenen Stellen aber massiv zugenommen. Alleine auf dem Portal "Superjob" sind 500 Stellen ausgeschrieben, die auf die Website des russischen Verteidigungsministeriums führen. Startdatum bei allen Stellen war zunächst der 13. April, das Datum wird aber laufend nach hinten verschoben.

Die russische Armee sucht auf diversen Jobportalen nach Verstärkung.
Screenshot/Superjob/HH.ru

Zehn Tage nach der Bewerbung im Kriegsgebiet

Eine Journalistin der "BBC" machte den Selbsttest und gab sich als 25-jährigen Schüler aus, der einen Schützenpanzer fahren könne und kein Problem damit habe, bald in der Ukraine zu kämpfen. Rasch erkundigten sich die potentiellen Arbeitgeber nach Details und luden den vermeintlichen jungen Mann zu einem Gespräch ein. Andere informierten bereits am Telefon, wie schnell der ausgedachte Bewerber im Kriegsgebiet wäre und wohin er genau geschickt würde. "Innerhalb von zehn bis 15 Tagen werden Sie als Vertragssoldat formalisiert und gehen direkt ins Kriegsgebiet. Ein Kurzzeitvertrag dauert pro Jahr drei bis sechs Monate", hieß es beispielsweise in einem dieser "Bewerbungsgespräche".

Die Anforderungen an die gesuchten Soldaten sind dabei größtenteils sehr gering. So setzen diverse Inserate nur eine Schulbildung von neun Jahren voraus, während normalerweise laut dem russischen Verteidigungsministerium für einen Beitritt ins Militär mindestens elf Schuljahre gefordert sind. Bei der Bezahlung ist die Diskrepanz zwischen einzelnen Inseraten groß: Während die meisten einfachen Positionen mit umgerechnet rund 330 bis 560 Euro monatlich entlöhnt werden, winken bei höheren Positionen Löhne bis zu 2.350 Euro im Monat.

"Falls Sie es leid sind, auf der Suche nach besseren Löhnen und Bedingungen den Job zu wechseln, wenn Sie in Ihrer eigenen Wohnung leben möchten, ohne einen Rubel dafür zu bezahlen, dann müssen Sie unbedingt einen Job bei uns bekommen", liest sich ein Inserat zur Rekrutierung von Soldaten in der russischen Stadt Rjasan. Der BBC-Journalistin, die den Selbstversuch durchführte, boten die Inserierenden sogar mehr Geld, falls sie in der Ukraine Dienst leisten würde.

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