Wir haben Tarantinos neuen Film schon gesehen

Weltpremiere von "Once Upon A Time… In Hollywood": Quentin Tarantino lieferte seinen neuen Film persönlich beim Festival ab.
Ekstatische Fans, gestresste Fotografen, lächelnde Stars: Das Festival Cannes hatte am Dienstag Abend sein großes Glanz-und-Glamour-Event. Quentini Tarantino ließ sich gemeinsam mit den Hauptdarstellern Leonardo DiCaprio, Brad Pitt und Margot Robbie feiern.

"Dieser Film ist eine Liebeserklärung an die Filmwelt, die dadurch noch stärkere Wirkung entfaltet, dass sie über Außenseiter erzählt wird", sagte Leonardo DiCaprio am Mittwoch beim Pressegespräch über die Tarantino-Premiere.



CommentCreated with Sketch.0 zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. Los Angeles, 1969: DiCaprio porträtiert in "Once Upon A Time… In Hollywood" einen mäßig erfolgreichen Fernseh-Westernhelden, dessen Ziele und Talente weit auseinanderdriften. Während dieser Rick Dalton von einer großen Kino-Karriere träumt, schickt ihn ein Studioboss (Al Pacino) nach Italien, um dort billig produzierte Spaghetti-Western zu drehen.

Brad Pitt hat es in dem Film beruflich noch schlechter getroffen. Er spielt einen gewissen Cliff Booth, der für Rick Dalton als Stuntman und Chauffeur arbeitet. Tagsüber kutschiert dieser Cliff seinen Chef und Saufkumpanen mit dem Cadillac durch Los Angeles. Abends steigt er um in einen VW und verbringt die Freizeit mit seinem Hund.



Die Erlebnisse und die Freundschaft dieser beiden Männer bilden den einen Haupt-Handlungsstrang von "Once Upon A Time… In Hollywood". Der andere: Es geht um einen der größten Kriminalfälle jener Zeit. Um die düsteren Hippies des Sektenführer Charles Manson, die am 9. August 1969 die junge und hochschwangere Schauspielerin Sharon Tate – die Ehefrau des Regisseurs Roman Polanski – mit 16 Messerstichen ermordeten.

"Das Jahr 1969 war eine Zeit der Hoffnung und der freien Liebe", sagt Brad Pitt über die Hintergründe der Manson-Morde. "Als die Tragödie um Sharon Tate geschah, war das ein ernüchternder Blick auf die dunklen Abgründe der Menschen."



Die bildschöne Sharon Tate, 26, war damals selbst auf dem Weg zu einer großen Karriere – unvergessen ist ihre Rolle als Sarah im "Tanz der Vampire", dem später in Wien zum Musical-Hit umgebauten Kultfilm ihres Ehemanns Polanski.

Margot Robbie ("The Wolf Of Wall Street") legt Tate als heitere Naive an, die ihre Umwelt mit ihrem Lächeln bezaubert. "Sharon Tate ist der Herzschlag unseres Films", sagte die Australierin jetzt vor der Presse in Cannes. "Ich wollte mit meinem Spiel das strahlende Licht sichtbar machen, das Sharon Tate der Filmwelt schenkte."



Ein grausamer Mord und ein Regisseur wie Quentin Tarantino – da liegt die Vermutung nahe, dass "Once Upon A Time… In Hollywood" eine ausgesprochen blutige Angelegenheit geworden ist. Doch das gilt nur in Ansätzen. Zwar kommen einige extrem drastische Szenen vor, aber die sind kurz und konzentrieren sich auf das Finale des 2:41 Stunden langen Films. In den ersten zwei Stunden sieht man hingegen das, wovon Leonardo DiCaprio so schwärmt: Die Liebeserklärung an den Film und das Kino.



Tarantino begleitet seinen Westernhelden und den Stuntman bei ihren tapsigen Versuchen, in Hollywood stärker Fuß zu fassen. Das ist manchmal brüllend komisch. Etwa dann, wenn sich Brad Pitt mit einem Karatekämpfer namens Bruce (Lee?) anlegt und dabei mächtig Kleinholz erzeugt. Manchmal wird es auch ein wenig ermüdend, wobei Leonardo DiCaprio der Leidtragende ist: Wenn er in einer langen Sequenz beim Dreh eines faden Westerns beobachtet wird, überträgt sich die Langeweile auch in den Kinosaal.





Zur Aufmunterung folgen dann zahllose tolle Songs aus dem Pop-Liederbuch des Jahres 1969, die Tarantino kompetent zusammengestellt hat (DiCaprio: "Was die Film- und Pop-Geschichte betrifft, ist Quentin eine wandelnde Enzyklopädie.")

Brad Pitt und Leonardo DiCaprio treten im neuen Tarantino-Film übrigens erstmals gemeinsam auf, und beide streuen einander Rosen. Leo: "Es war unglaublich leicht und komfortabel, mit einem Partner wie Brad zu spielen." Brad: "Wenn man mit dem Besten der Besten vor der Kamera steht, macht das die Arbeit viel einfacher. Ich hoffe, wir werden es wieder tun."



Wieder tun wird es früher oder später auch Quentin Tarantino, der angekündigt hat, in seiner Laufbahn insgesamt zehn Filme zu drehen – "Once Upon A Time… In Hollywood" ist der neunte. Wie immer steckt das Werk voller Zitate aus der Popkultur, aber auch aus eigenen Filmen. Tarantino in Cannes: "Ein Freund sagte mir, nachdem er das Drehbuch gelesen hatte, mein Film Nummer Neun sei wie eine Zusammenfassung der ersten acht. So hatte ich das selbst beim Schreiben gar nicht gesehen."



Der Regisseur ließ übrigens vor der Premiere ausdrücklich darum bitten, man möge ja nicht das Finale von "Once Upon A Time… In Hollywood" verraten. Daran wollen wir uns halten, denn ein Könner wie Tarantino hat immer ein paar Überraschungen im Köcher. Und die wirken am besten, wenn man sie erst im Kino erlebt.

"Once Upon A Time… In Hollywood" läuft am 15. August in Österreich an

Gunther Baumann, Filmclicks

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