Spieletests

"Railgrade" im Test – Spielspaß ist auf Schiene

Minakata Dynamics und Epic Games bringen mit "Railgrade" den Spielspaß auf Schiene. Das Game für PC und Nintendo Switch im "Heute"-Test.

Rene Findenig
"Railgrade" zeigt sich als anspruchsvolle Simulation, die aber auch auf Anfänger nicht vergisst.
"Railgrade" zeigt sich als anspruchsvolle Simulation, die aber auch auf Anfänger nicht vergisst.
Epic Games

"Railgrade" ist keine ganz gewöhnliche Eisenbahn-Management-Simulation. Das Spiel versetzt uns nämlich in die Rolle des Verwalters einer Weltraumkolonie. Als Mitglied der sogenannten Nakatani Chemicals Corporation sollen wir uns dabei daran erinnern, wie Zugstrecken und Bahnsysteme auf der Erde funktionieren – und das Ganze auch auf unsere Weltraum-Siedlung umsetzen. Schließlich soll diese vom Slum des Alls zur strahlenden Metropole werden. Leichter gesagt, als getan, denn "Railgrade" wartet mit komplexen Mechaniken und kniffligen Aufgaben auf, um uns langfristigen Spielspaß zu liefern.

Viel Story darf man sich abseits von diesen Informationen von "Railgrade" allerdings nicht erwarten – und wir vermissen das auch gar nicht, schließlich will "Railgrade" ganz Simulation sein und kein seichtes All-Märchen über Science-Fiction-ICEs erzählen. Eine Art Tutorial gibt es natürlich, und das ist gar nicht schlecht umgesetzt. Wir bekommen zum Start einen KI-Berater an die Seite gestellt, der uns immer wieder daran erinnert, welche Optionen uns offen stehen, ohne uns mit der Nase auf die Lösung zu drücken. Auch die ersten Missionen sind dann Aufwärmübungen, die trotz aller Leichtigkeit Spaß machen.

Im Spielverlauf kommen ganz neue Dimensionen dazu

Schnell wird es aber anspruchsvoller und komplexer, denn es kommt nicht nur darauf an, wie man die verschiedenen Objekte wie Häfen und Stationen miteinander vernetzt, sondern auch, wie und wo die Objekte errichtet werden und wie sich die Züge, die hin- und herpendeln, zusammengesetzt sind. Auch die Organisation spielt eine entscheidende Rolle – mit wachsendem Schienennetz lassen sich Mega-Züge losschicken, die aber extrem lange be- und entladen werden müssen. Hier gilt es, einen guten Mix zwischen Leerstand und Kosten zu finden und diesen Mix mit dem Wachsen des Netzes immer anzupassen.

    "Railgrade" ist keine ganz gewöhnliche Eisenbahn-Management-Simulation. Das Spiel versetzt uns nämlich in die Rolle des Verwalters einer Weltraumkolonie. 
    "Railgrade" ist keine ganz gewöhnliche Eisenbahn-Management-Simulation. Das Spiel versetzt uns nämlich in die Rolle des Verwalters einer Weltraumkolonie.
    Epic Games

    "Railgrade" zeigt sich im Spielverlauf als Endlos-Simulation ebenso wie als Missions-Titel – gespielt werden kann bis zu einem gigantischen Schienennetz, wobei es immer wieder verschiedene Aufgaben zu erfüllen gibt, die schön in 15 bis 25 Minuten lange Sessions aufgeteilt wurden. Perfekt also auch, wenn man "Railgrade" immer nur für ein paar Minuten zocken will. Je weiter man vorankommt, umso tiefgehender wird die Simulation, und das wortwörtlich: Breitet sich das Netz anfangs nur in Länge und Breite aus, geht es irgendwann auch mal in die Höhe und Tiefe und bekommt so ganz neue Dimensionen. 

    Komplexes Game, aber auch für Anfänger gut erklärt

    Beeindruckend ist, wie komplex "Railgrade" bereits nach wenigen Spielstunden wird, denn es schalten sich immer neue Organisations-, Effizienz- und Planungsfunktionen dazu. So rechnet man bald nach, wie die Ecportgewinne gesteigert werden können, entwirft neue Routen, um die Züge schneller an ihr Ziel zu bringen, und stattet die Lokomotiven mit immer mehr Upgrades aus, um sie schneller, stärker und Ausfalls-freier zu machen. Anfänger werden dabei aber nicht ignoriert, denn "Railgrade" erklärt die einzelnen Tools eingehend, bevor sie in das Gameplay integriert und nutzbar gemacht werden. 

    "Railgrade" lässt aber auch genug Freiraum für Experimente. Mal eine Strecke mit einem langen Umweg verlegt? Mal nicht die schnellste Lokomotive eingesetzt? Mal nicht das Maximum an Ertrag eingesammelt? Egal, denn das Spiel manövriert euch bei nicht-effizienter Planung nicht in ein späteres Ende ohne Ausweg und bestraft solche Aktionen zudem äußerst mild – abgerechnet wird nämlich nach der benötigten Zeit für eine Aufgabe. Die Aufgaben dürfen zudem selbst ausgewählt werden und man startet einfach in eine Mission, wenn man sich dafür bereit fühlt. Der generelle Ablauf bleibt immer gleich.

    Komplexes Game mit einer sehr simplen Steuerung

    Auf einer Art Weltkarte sieht der Spieler verschiedene Szenarien, wobei meist eine Stadt und verschiedene Anlauf-Stationen vorkommen. Als Spieler muss man diese Punkte nun möglichst allumfassend verbinden, damit der Güterverkehr klappt. Die Szenarios dürfen eingehend betrachtet und die Vorgehensweise geplant werden – die Zeit beginnt erst zu laufen, wenn man den ersten Bauteil in die Spielwelt setzt. Später im Spiel kommt hinzu, dass man selbst Gebäude an der Strecke errichten darf, entsprechend wird aber auch das Finanzmanagement wichtiger, da diese laufende Kosten verursachen. 

    Obwohl das Spiel selbst hochkomplex ausgefallen ist, ist die Steuerung (getestet wurde die PC-Version) recht simpel ausgefallen. Per Maus und Tastatur braucht es nur wenige Handgriffe und Klicks, um beeindruckende Zugstrecken in die Landschaft zu kleistern und sie mit den Objekten zu verbinden. Das Spiel zeigt sich dabei sogar smart, schlägt verschiedene Routen vor und verbindet auf Wunsch Streckenteile automatisch miteinander. Auch der Realismus ist beeindruckend, so verändern steigende oder abfallende Terrains ebenso wie das Ladegewicht beispielsweise das Tempo der Lastenzüge.

    "Railgrade" – diese Sim bringt Spielspaß auf Schiene

    Nur in den Details zeigt "Railgrade" schließlich ein paar Mankos – die zwar lästig, aber nicht allzu arg ausgefallen sind. So gibt es manches Mal länger andauernde Leerlauf-Zeiten beim Warten auf genug Geld für das Missionsziel oder bisher keine Möglichkeit, einmal zusammengestellte Züge in der Mitte statt am Ende des Zugs zu adaptieren, ohne sie halb zu löschen und neu anzulegen. Grafisch dafür ist "Railgrade" eine äußerst beeindruckende Simulation mit detaillierten Zügen und Strecken sowie schönen, abwechslungsreichen Landschaften und flüssigen Abläufen ohne Ruckler und andere Fehler.

    Als nicht unbedingt ausgewiesene Simulations-Experten lieben wir an "Railgrade", dass es hier keine ultrastrengen Abläufe gibt und wir auch Raum zum Experimentieren bekommen, auch wenn das nicht zu den effizientesten Bahnstrecken führt. Und das Beste: Wer einmal keine Lust darauf hat, die nächste Bahnstrecke zu verlegen und das nächste Objekt per Zug zu verbinden, der kann sich einfach in die Spielwelt hineinzoomen, die 3D-Züge von ganz nahe betrachten, sich zurücklehnen – und sogar in die Bahn einsteigen und damit durch die Spielwelt kurven. Mit "Railgrade" ist der Sim-Spielspaß voll auf Schiene!