Rapper: "Ungebildete Leute hören eher Xavier Naidoo"

Ben Salomo schießt scharf gegen Xavier Naidoo.
Ben Salomo schießt scharf gegen Xavier Naidoo.Imago Images
Der jüdische Rapper Ben Salomo kritisiert Xavier Naidoo. Er habe eine Tür für Attila Hildmann aufgestoßen.

20 Jahre lang gehörte der in Israel geborene, jüdische Rapper Ben Salomo zur deutschen Rap-Szene. 2018 kehrte er ihr den Rücken – weil er darin zu viel Antisemitismus, Hetze und Hass sah.

Heute hat es sich der 43-Jährige zur Aufgabe gemacht aufzuklären, über Vorurteile gegenüber Juden zu sprechen und dagegen anzukämpfen. "Als ich Ende der 90er Jahre in die Rap-Szene kam, habe ich keinen Antisemitismus vorgefunden. Das kam erst Anfang der 2000er Jahre", erzählte Salomo im Gespräch mit "Bild".

Holocaust-Verharmlosung an der Tagesordnung

Mitten in der Corona-Krise haben Verschwörungstheorien wieder Hochkonjunktur. Gegen Vegan-Koch Attila Hildmann wird aktuell unter anderem wegen des Vorwurfs der Volksverhetzung ermittelt, er trat wiederholt mit Verschwörungstheorien sowie verharmlosenden Äußerungen über den Nationalsozialismus und den Holocaust auf. Sowas hält Ben Salomo für mehr als gefährlich, findet, in Deutschland werde zu wenig gegen Antisemitismus getan.

"Ich habe in den letzten Jahren leider immer wieder das Gefühl gehabt, dass in Bezug auf Antisemitismus eine sehr laxe Haltung existiert", so Salomo im Interview mit dem Magazin "Frühstart". "Sei es in Teilen der Justiz, in Teilen der polizeilichen Behörden, auch in Teilen der Politik. Das wird als kleines Problem am Rande wahrgenommen."

Xavier Naidoo laut Gerichtsurteil kein Antisemit

Der 43-Jährige fordert: "Die Grundlagen müssen geschaffen werden, dass solche Aussagen wie von Attila Hildmann oder Xavier Naidoo wirklich strafrechtlich verfolgt werden."

Er findet: "Wenn wir Xavier Naidoo nehmen: Der hat schon eine Tür aufgestoßen für Attila Hildmann, indem im Oktober letzten Jahres entschieden worden ist, dass Xavier Naidoo nicht als Antisemit bezeichnet werden darf. Das hat er vor Gericht erstritten. Dementsprechend fühlt er sich jetzt, als hätte er die totale Narrenfreiheit und artikuliert diese Dinge weiterhin offen." Für Jüdinnen und Juden sei dieses Gerichtsurteil ein Skandal. Und auch Attila Hildmann habe durch so ein Urteil festgestellt, dass "unsere Justiz nicht wirklich so dagegen vorgeht, wie es nötig wäre".

Bildungsferne Menschen im Visier der Verschwörungstheoretiker

Im Visier der Verschwörungstheoretiker: "Menschen, die etwas bildungsfern sind und oftmals für komplexe Probleme in unserer Gesellschaft einfache Lösungen brauchen." Genau da würden die nämlich ansetzen, und das stoße oft auf einen sehr fruchtbaren Boden.

Auch viele deutsche Rapper würden sich als "eine Art Aufklärer" sehen. "Sie fangen an, an diese Dinge zu glauben und sind der Ansicht, sie müssten ihr ‚Geheimwissen‘ auch an ihre Fan-Base weitertragen. Und einige haben es auch zu einer Art Geschäftsmodell gemacht."

Das große Problem: Worten könnten eben auch ganz schnell Taten folgen. Deshalb findet Ben Salomo: "Man muss bei gewissen Aussagen, die so sind wie das, was Attila Hildmann oder Xavier Naidoo propagieren, konsequent durchgreifen!"

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