Niederösterreich

"Rassistische Polizei nahm mir Schein aus Willkür weg"

Durch Behördenwillkür und Rassismus soll Tom (30) in Mödling den Führerschein verloren haben. Die Polizei sieht die ganze Sache jedoch anders.
15.03.2021, 18:02

Der in Baden geborene Halb-Afroeuropäer Tom will mutmaßlicher Polizeiwillkür und Rassismus den Kampf ansagen: Am 4. März wurde er zu Hause in Mödling von drei Polizisten besucht und im Stiegenhaus zu einem Verfahren befragt (Anm.: laufendes Verfahren rund um ein Eigentumsdelikt, in dem der 30-Jährige als Beschuldigter geführt wird).

Streit mit Beamtin

Schließlich einigte man sich auf eine polizeiliche Ladung. "Die Ladung wäre für 10. März gewesen, nur habe ich diese nicht erhalten", so Tom. Und weil der dunkelhäutige Mödlinger der polizeilichen Ladung nicht nachkommen hatte können, wollte er am Freitag (12. März) die Angelegenheit persönlich bei der Mödlinger Polizei klären.

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Doch das Gespräch verlief nicht sonderlich gut. "Die Beamtin war ablehnend, erst als ihr Vorgesetzter gekommen war, wollte sie mir überhaupt ihre Dienstnummer geben", erzählt Tom.

"Sie beschweren sich immer"

Der Vorgesetzte soll in Richtung Tom gesagt haben: "Ah, Sie sind doch der, der sich ständig über die Polizei beschwert." Unzufrieden über den Gesprächsausgang resignierte Tom, setzte sich ins Auto und fuhr heim.

"Polizei verfolgte mich"

„Ich wurde von zwei Polizisten bis nach Hause verfolgt, dann: Alko-Test, die obligatorischen Drogenübungen. Schließlich waren sogar sechs Streifenwagen mit rund zehn Exekutivbeamten vor Ort. Es war ein Riesenauflauf, ich habe gefilmt, das gefiel der Exekutive nicht. Daraufhin sollte ich dem Amtsarzt vorgeführt werden", berichtet der 30-Jährige.

"Schein weg, Kralle am Auto"

Tom kam freiwillig mit auf die Dienststelle, sagte auf der Inspektion kein Wort mehr. "Ich sagte weder ja noch nein zur Untersuchung. Den Schein verlor ich trotzdem. Also ging ich zu Fuß nach Hause", berichtet der Mödlinger. Anschließend setzte sich Tom noch ins Auto und holte seine Sachen heraus.

Keine Stunde später bereits war eine Kralle am Hinterreifen. „Willkür und Rassismus ist das“, ortet Tom. Erst als der Autobesitzer (Anm.: war Mietwagen) interveniert hatte, wurde die Kralle entfernt.

Das sagt Polizei

Ein Sprecher der Landespolizeidirektion NÖ meint dazu: "Die Kollegen gehen immer zu dritt oder viert zu Amtshandlungen, die diesen Herren betreffen. Er war trotz mehrmaliger Ladung nicht zur Polizei gekommen, kam dann an einem von ihm bestimmten Tag. Wir haben den Herren nicht verfolgt, sondern nur kontrolliert. Er war sehr aufgebracht, darum auch die Untersuchung. Noch bevor der Amtsarzt gekommen war, ging der Mann weg. Die Kralle deswegen, um eine mögliche Weiterfahrt zu verhindern. Er hat mehrere Verwaltungsübertretungen begangen. Und wenn er Beschwerde wegen Rassismus einreicht, werden wir die Vorwürfe natürlich prüfen."