Wilfried Gnonto (19) ist definitiv in der Premier League angekommen. Am Mittwoch stand der Stürmer gegen West Ham (2:2) zum vierten Mal in Serie in der Leeds-Startelf und erzielte dazu noch seinen ersten Treffer für das Team von Ex-Salzburg-Trainer Jesse Marsch.
Ins Herz geschlossen haben die Anhänger des Traditionsklubs den 19-jährigen Italiener aber schon länger. Bereits im November tauchte ein Video auf, in dem die Leeds-Fans Gnonto besingen. "Willy Gnonto, Willy Gnonto, he eats spaghetti, he drinks Moretti", heißt es im ersten Teil des Liedes zur Melodie des Los-Lobos-Hits "La Bamba" aus dem Jahr 1987.
Dann geht der Text allerdings nicht jugendfrei weiter. "His c**k’s f***ing massive" (sein Sch***z ist verdammt riesig), singen die Fans weiter. Bereits damals reagierte der Club auf das Lied und schlug den Fans auf Social Media vor, stattdessen "he plays for United" (er spielt für United) zu singen – ohne Erfolg. Nach seinem Debüt-Treffer hallte an der Elland Road erneut die Penis-Version des Gnonto-Songs.
Inzwischen hat sich auch eine Antidiskriminierungs-Organisation bei Leeds gemeldet. "Wir möchten betonen, dass rassistische Stereotypen schädlich und beleidigend sind, unabhängig von der Absicht, die Unterstützung für einen Spieler zu zeigen", schreibt "Kick It Out" in einer Mitteilung. Eine böse Absicht will die Gruppe den Leeds-Anhängerinnen und -Anhängern aber nicht unterstellen. "Wir glauben, dass die Mehrheit der Fans, die diese Gesänge singen, dies nicht in rassistischer Absicht tut."
Auch vonseiten des englischen Verbands gibt es Kritik am Fan-Gesang. "Wir verurteilen alle beleidigenden, missbräuchlichen und diskriminierenden Gesänge in den Stadien auf das Schärfste. Wir unterstützen jeden Verein und seine Fans, die versuchen, dies von den Tribünen zu verbannen", so ein Sprecher gegenüber der "Daily Mail". In der Chefetage des Premier-League-Klubs will man sich dem Thema nun schnellstmöglich annehmen und erneut an die Fans appellieren.
Gesänge über das Gemächt eines Spieler sind auf der Insel keine Seltenheit. Im Dezember forderte Sunderland-Profi Amad Diallo (20) die Fans seines Klubs auf, in einem Lied über ihn weiterhin vom "größten Penis der Liga" zu singen. "Ich liebe eure Energie. Es ist unglaublich, euch meinen Namen singen zu hören", wandte sich der Ivorer in einem Video an die Fans. "Aber wir müssen respektvoll sein. Lasst uns das Lied ändern, den Lärm beibehalten und gemeinsam vorwärts gehen." Ähnlich reagiert 2017 der ManUnited-Stürmer Romelo Lukaku (29) auf einen Fan-Song über seinen Penis.