Für viele Kinder und Jugendliche waren die vergangenen Monate in der Corona-Krise sehr belastend. Das zeigen auch die aktuellen, stark angestiegenen Zahlen der Anrufe bei der Kinder- und Jugend-Helpline Rat auf Draht. "Bei Rat auf Draht stehen seit Wochen die Telefone nicht mehr still", sagt Leiterin Birgit Satke. Die Helpline sei für viele die einzige Möglichkeit, rasch Hilfe zu bekommen, so Satke.
Die Beratungen sind um mehr als ein Drittel angestiegen. Im Chat-Bereich – der ausgebaut wurde – stieg die Zahl der Beratungen gar um 82 Prozent. "Wir beobachten eine besorgniserregende Entwicklung: Fragen zur psychischen und physischen Gesundheit sind im Themen-Ranking sehr weit oben, während klassische Teenager-Sorgen wie erste Liebe, Streit mit Freunden oder Taschengeld zusehends in den Hintergrund rücken", so Satke. So haben sich vor der Corona-Krise im Schnitt täglich drei Jugendliche mit psychischen Erkrankungen gemeldet, derzeit sind es acht.
- ANGST: Plus 220 Prozent
- SCHLAFPROBLEME: Plus 240 Prozent
- ANFRAGEN ZU PSYCHISCHEN ERKRANKUNGEN: Plus 146 Prozent
- SUIZIDGEDANKEN: Plus 54 Prozent
- AUTOAGGRESSION: Plus 54 Prozent.
- PSYCHISCHE GEWALT IN DER FAMILIE: Plus 380 Prozent.
- PHYSISCHE GEWALT IN DER FAMILIE: Plus 88 Prozent.
- KONFLIKTE ZWISCHEN ELTERN, DIE KINDER BELASTEN: Plus 205 Prozent
(Verglichen mit April 2019)
Betrieben wird Rat auf Draht vom SOS-Kinderdorf, das wiederum finanzielle Unterstützung vom Land Niederösterreich bekommt. „Gerade in dieser Krise hat sich gezeigt, wie wichtig ein niederschwelliges Notruf- und Beratungsangebot für Kinder und Jugendliche ist“, sagt Clemens Klingan, SOS-Kinderdorf Geschäftsleiter. "Damit wir Rat auf Draht betreiben können sind wir neben zahlreichen Spenden auch von öffentlichen Finanzierungen, wie durch das Land Niederösterreich angewiesen."
"Die vielen Anrufe einerseits und die Tatsache, dass es andererseits nachweislich weniger Meldungen in Sachen Kindeswohlgefährdung gegeben hat, sollten auf jeden Fall dazu führen, in der Analyse des Lockdowns gemeinsam genau hinzusehen, um für die Zukunft die richtigen Lehren daraus zu ziehen", betont NÖ Kinder- und Jugendhilfelandesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig.