Nach Raubüberfällen auf eine Raiffeisen-Bankfiliale sowie eine Trafik und zwei McDonald's-Restaurants in Niederösterreich standen am Mittwoch drei Männer zwischen 18 und 20 Jahren in Eisenstadt vor Gericht.
Nach Raubüberfällen auf eine Raiffeisen-Bankfiliale sowie eine Trafik und zwei McDonald's-Restaurants in Niederösterreich standen am Mittwoch drei Männer zwischen 18 und 20 Jahren in Eisenstadt vor Gericht.
Ein 20-Jähriger und ein 18-Jähriger, die laut Anklage die Überfälle ausgeführt haben sollen, wurden zu vier beziehungsweise drei Jahren unbedingter Haft verurteilt. Ihr 19-jähriger Komplize, der von den beiden anderen überredet wurde, als Fahrer mitzumachen, erhielt 18 Monate, davon sechs unbedingt. Die Urteile sind nicht rechtskräftig.
Die Beschuldigten, die sich alle drei vollinhaltlich geständig zeigten, verzichteten auf Rechtsmittel, die Staatsanwältin gab keine Erklärung ab. Die Anklage warf den jungen Männern einen Bankraub im Dezember des Vorjahres in Theresienfeld vor, bei dem 28.000 Euro erbeutet wurden. Dem Zweitangeklagten wurde auch ein Trafikraub in Wiener Neustadt zur Last gelegt. Und schließlich sollen die Drei zwei McDonald's-Filialen überfallen haben, wobei es beim zweiten Mal beim Versuch blieb, weil das Geschäft kurz zuvor versperrt worden war.
Finanzielle und familiäre Probleme
Die Anwälte wiesen auf familiäre sowie finanzielle Probleme ihrer Mandanten hin, die mit eine Rolle gespielt hätten. "Ein Raub ist aus Sicht des Opfers kein Lercherl", erklärte Farid Rifaat, der den 20-jährigen Burgenländer verteidigte. Beim Bruder seines Mandanten habe man mit 13 Jahren einen Gehirntumor festgestellt. Die ganze Aufmerksamkeit der Familie habe gerade in einer schwierigen Erziehungsphase dem Bruder gegolten. Das habe dazu geführt, dass der 20-Jährige in den Suchtgiftbereich abgedriftet sei.
Er habe "heute das, morgen das" zu sich genommen, beschrieb der Burgenländer dem Schöffensenat (Vorsitz: Gabriele Nemeskeri) seinen Drogenkonsum. Seinen 40-prozentigen Anteil an der Beute habe er "für Fortgehen, Drogen, Einkaufen, alles Mögliche" ausgegeben. Vor dem ersten Raub soll der 20-Jährige außerdem im August 2011 gemeinsam mit dem 18-Jährigen aus dessen damaligem Lehrbetrieb zehn Platintöpfe gestohlen und bei einem Wiener Juwelier verkauft haben.
Im Dezember war das Geld aufgebraucht. Schließlich sei man auf die Idee gekommen, eine Bank zu überfallen, schilderte der 20-Jährige. Zum Überfall kam es erst im dritten Anlauf, da einmal ein geparktes Polizeifahrzeug und ein anderes Mal ein Hausmeister, der die Drei fragte, was sie da machten, die Ausführung der Tat verhinderten. Schließlich habe der Zweitangeklagte gesagt: "Fahren wir nach Theresienfeld".
Erst Spielzeug-, dann Gaspistole
Vor dem ersten Coup kauften die Zwei Spielzeugpistolen. Beim nächsten Raub wurden bereits Gaspistolen verwendet, die sie nach Angaben des Erstangeklagten zu ihrem eigenen Schutz gekauft hätten, weil sie in Wiener Neustadt Probleme mit Tschetschenen gehabt hätten. Den 19-jährigen Fahrer hätten sie beim ersten Raub erst auf dem Parkplatz in ihre Pläne eingeweiht und ihn dann überredet, sagten die beiden anderen Angeklagten aus.
Alle Drei betonten in ihrem Schlusswort, dass ihnen ihre Taten leidtäten und baten um eine Chance für einen Neuanfang, um ihre Lehrausbildung abschließen zu können. "Es war mehr als ein großer Fehler. Es klingt egoistisch, aber ich habe nur an mich gedacht", meinte der Zweitangeklagte. Verteidiger Rifaat merkte in seinem Schlussplädoyer an, "dass ich das selten erlebe, wie ehrlich die Angeklagten bei Gericht aufgetreten sind."
Der Schöffensenat hielt allen drei Angeklagten ihr jugendliches Alter sowie das umfassende Geständnis zugute. Erschwerend seien das Zusammentreffen von Verbrechen und Vergehen sowie die hohe Schadenssumme, so die Vorsitzende.
(APA/ red)