Wien

"Raus aus Gas" – Wien baut erste Geothermie-Anlage

Bis 2026 soll in der Seestadt Aspern Wasser aus unterirdischen Quellen genutzt werden. Die Stadt stellte nun die ersten Pläne dazu vor.

Yvonne Mresch
Wirtschaftsstadtrat Peter Hanke (SP), Wien Energie-Geschäftsführer Karl Gruber und Michael Strebl (Vorsitzender der Wien Energie-Geschäftsführung) präsentierten das Vorhaben, bis 2026 in Aspern eine Geothermie-Anlage zu errichten. 
Wirtschaftsstadtrat Peter Hanke (SP), Wien Energie-Geschäftsführer Karl Gruber und Michael Strebl (Vorsitzender der Wien Energie-Geschäftsführung) präsentierten das Vorhaben, bis 2026 in Aspern eine Geothermie-Anlage zu errichten. 
Denise Auer

Von einem "Meilenstein auf dem Pfad zur klimaneutralen Großstadt" sprach Stadtrat Peter Hanke (SP) am Montag. Auf dem Weg "Raus aus Gas" will die Stadt künftig Tiefengeothermie nutzen. Damit soll Erdwärme als emissionsfreie, saubere und sichere Alternative zum Heizen von Gebäuden zum Einsatz kommen.

Anlage soll 20.000 Haushalte versorgen

Aktuell wird Fernwärme in Wien großteils aus Gas hergestellt. Um davon weitgehend unabhängig zu werden, baut die Stadt bis 2026 eine Geothermie-Anlage in der Seestadt. Sie soll bis zu 20 Megawatt Leistung bringen und rund 20.000 Haushalte versorgen. 80 Millionen Euro werden dafür in die Hand genommen, ein Zehntel davon kommt vom Bund.

    Mit Auswirkungen an der Erdoberfläche ist bei den Bohrungen nicht zu rechnen – aufwändig sind sie dennoch.
    Mit Auswirkungen an der Erdoberfläche ist bei den Bohrungen nicht zu rechnen – aufwändig sind sie dennoch.
    Wien Energie

    Um an das 100 Grad heiße Thermalwasser zu kommen, sind drei Bohrungen in eine Tiefe von 3.000 Metern notwendig – etwa hundertmal tiefer als die tiefste U-Bahn-Station Wiens. Mit Auswirkungen an der Erdoberfläche ist dabei nicht zu rechnen. Über eine der Bohrungen wird das Thermalwasser mittels einer Pumpe an die Oberfläche befördert. Nach der Wärmeentnahme wird es dann über die zweite Bohrung wieder in das gleiche Thermalwasservorkommen zurückgeführt, es entsteht damit ein geschlossener erneuerbarer Kreislauf.

    Ausbau bis 2040 geplant

    Die Nutzung von Tiefengeothermie in Wien ist deshalb möglich, weil sich mit dem "Aderklaaer Konglomerat" eine wasserführende Gesteinsschicht unterhalb der Stadt befindet. Im Vorfeld nahm Wien Energie gemeinsam mit Partnern aus Wissenschaft, Forschung und Industrie eine Untersuchung der geologischen Gegebenheiten vor. Die Vorteile der Geothermie sind etwa die lokale Verfügbarkeit rund um die Uhr und die Unabhängigkeit von Wettereinflüssen. Die Anlage selbst ist im Betrieb komplett emissionsfrei.

    Der Start der Vorarbeiten für die Bohrungen ist für 2023 geplant. Die Arbeiten selbst finden voraussichtlich 2024 statt, die Inbetriebnahme der Tiefengeothermie-Anlage ist für 2026 vorgesehen. Bis 2030 will Wien Energie insgesamt bis zu vier Anlagen in der Donaustadt und Simmering mit einer Gesamtleistung von bis zu 120 Megawatt entwickeln.

    Der Ausbau der soll auch danach fortgesetzt werden, damit die Fernwärme bis 2040 gänzlich aus klimaneutralen Quellen erzeugt wird. Für die Anrainer der Anlage sind in den nächsten Wochen Informationsveranstaltungen geplant. Mehr dazu auf www.geothermie.wien

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