Ein fliegender Sultanspalast für Erdogan

Der Emir von Katar überlässt dem türkischen Präsidenten eine Luxus-Boeing. Das 500-Millionen-Dollar-Geschenk erfolge "aus Liebe zu Erdogan".

Seit Anfang Jahr hat die türkische Lira 40 Prozent ihres Wertes eingebüßt. Inmitten der Krise hat sich Präsident Recep Tayyip Erdogan einen neuen Privatjet zugelegt, was bei der Opposition zu Kritik führte. Doch Erdogan hat für die Luxusmaschine nicht in die Staatskasse greifen müssen – das auf 500 Millionen Dollar geschätzte Flugzeug war ein Geschenk von Katars Scheich Tamim bin Hamad Al Thani.

Türkische Zeitungen bezeichnen die seit letzter Woche in Istanbul parkte Boeing 747-8i als "fliegenden Sultanspalast". Der weltgrößte Businessjet ist exquisit und mit arabischem Chic ausgestattet. Das 76 Meter lange Flugzeug, das als Passagiermaschine 467 Reisende fassen würde, ist für 76 Passagiere und 18 Crew-Mitglieder umgerüstet. Neben Konferenzraum, Badezimmer und sieben Schlafräumen soll sogar ein kleines Krankenhaus an Bord zu finden sein.

Gemeinsame Militäraktion

Der Jet ist nicht das erste Geschenk von Al Thani an Erdogan: 2015 überließ der Emir dem Präsidenten 53 Rennpferde, vor kurzem sagte er ihm angesichts der Krise Investitionen von 15 Milliarden Dollar zu. Was Katar mit diesen Zuwendungen bezwecken will, ist unklar, die beiden Staaten verbindet jedoch eine Militärkooperation gegen den gemeinsamen Gegner Saudi-Arabien.

Die Türkei unterstützt Katar, seit im Juni 2017 Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate den Kleinstaat mit einem Embargo belegt haben. Seither liefert die Türkei ­Lebensmittel in die katarische Hauptstadt Doha.

Gerüchte um den Luxusjet

Erdogan sagte laut einem Bericht der Zeitung "Hürriyet" vom Montag vor Journalisten: "Katar hat das Flugzeug zum Verkauf angeboten. So weit ich weiß war der Preis um die 500 (Millionen US-Dollar, Anm. d. Red.)." Als der Emir von Katar, Hamad bin Khalifa Al-Thani, gehört habe, dass die Türkei an dem Flugzeug interessiert sei, habe er es verschenkt, sagte Erdogan weiter.

Seit Tagen gibt es Gerüchte um den Luxusjet. Die größte Oppositionspartei CHP warf Erdogan vor, das Flugzeug inmitten einer Währungskrise von Steuergeldern gekauft zu haben. Sie kritisierte, Erdogan habe sich einen "fliegenden Palast" zugelegt. Der Präsident wies die Vorwürfe nach Angaben der "Hürriyet" zurück und sagte, das Flugzeug gehöre nicht ihm, sondern dem türkischen Staat. Er habe die CHP bereits verklagt.

Verzicht auf Luxusmarken

Das "aus Liebe zu Erdogan" geschenkte Flugzeug, wie Al Thani gegenüber den Medien sagte, kommt indes zu einem eigenartigen Zeitpunkt: Erst vor kurzem wurden die Bürgermeister der regierenden Adalet ve Kalknma Partisi (AKP) dazu angehalten, in ihrem Fuhrpark auf Autos von Luxusmarken zu verzichten. Damit solle vor den türkischen Kommunalwahlen eine Imagekorrektur vorgenommen werden. Parteivorsitzender der AKP ist Erdogan.

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(mat)

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