Welt

Regierung will Striptease auf Trauerfeiern stoppen

Chinas Kulturministerium will den "obszönen Shows" auf Beerdigungen endlich ein Ende setzen und kämpft nun mit härteren Bandagen.
Heute Redaktion
13.09.2021, 21:30

Spärlich bekleidete Damen in sexy Dessous, die vor einem Bildschirm tanzen und sich entblößen, während im Hintergrund auf jenem Bildschirm ein Foto des Verstorbenen samt Trauerspruch zu sehen ist – so und so ähnlich sehen viele Begräbnisse in ländlichen Regionen Chinas aus. Obwohl die Stripperinnen auf Beerdigungen mittlerweile gesetzliche verboten wurden – der skurrile Trend hatte seinen Anfang schon 2006 genommen – gibt es immer wieder Trauerfeiern, auf denen dennoch leichtbekleidete Tänzerinnen illegal ihre Shows abliefern.

Um dem nun endgültig ein Ende zu setzen, hat die Regierung an 19 Städten in den Provinzen Henan, Anhui, Jiangsu und Hebei eine Hotline eingerichtet, an die sich alle Personen wenden können, die von solchen illegalen Darbietungen gehört oder welche gesehen haben. Für zielführende Hinweise wird sogar eine finanzielle Belohnung versprochen.

Lesen statt Striptease

Chinas Kulturministerium sieht den Grund für das Gefallen der ländlichen Bevölkerung an den bizarren Trauerfeiern in einem Mangel an alternativen Unterhaltungsmöglichkeiten und kulturellen Gütern. Deshalb wurde ordentlich (rund 2,5 Millionen Euro) in die Errichtung von Bücherhallen investiert, bisweilen allerdings mit mäßigem Erfolg, wie die "Global Times" berichtet.

Abgesehen von Beerdigungen, werden in einigen Gegenden der Republik Stripperinnen auch für Hochzeitsfeiern oder Tempelfeste gebucht. Erklärungsversuche für das Phänomen gibt es mehrere, unter anderem, dass mit einem Striptease Weiblichkeit und Fruchtbarkeit zelebriert wird. Auf Trauerfeiern wird es aber wohl eher darum gehen, möglichst viele Menschen zur Beerdigung zu locken. Eine große Trauergemeinde spricht immerhin für das Ansehen und die Beliebtheit des Verstorbenen. Eine weitere Theorie ist, dass die chinesische Bevölkerung besonders in ländlichen Regionen als protzig und eitel gilt. So würde das gute Benehmen abverlangen, Trauernde mit einer Show auszumuntern.

Im Video ein Beispiel einer solchen Trauer-Striptease-Show:

(red)

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