Politik

Regierungsberater: "Wir müssen Superspreader finden"

Mathematiker und Regierungsberater Niki Popper ist Experte für das Coronavirus. Er warnt vor Superspreadern und einer zweiten Infektionswelle.
Rene Findenig
17.06.2020, 22:32

Fünf Bundesländer sind derzeit ohne neue Corona-Infektionen und die Ansteckungszahlen sind in Österreich aktuell sehr niedrig. Laut Testungen sind derzeit knapp über 400 Menschen aktiv an Corona erkrankt. "Es ist lange noch nicht vorbei", sagte aber Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) am Mittwoch bei einer Bilanzpressekonferenz zu den Pandemiemaßnahmen. Risikobewusstsein sei jetzt entscheidend, da auch Stimmen aufkommen würden, dass sich die Situation wieder komplett normalisiert hätte. 

Einer, der dies ähnlich sieht, ist Niki Popper, dessen Modellrechnungen die Grundlage für die Corona-Maßnahmen der Regierung bildeten und der im Beraterstab der Coronavirus-Taskforce im Gesundheitsministerium aktiv ist. Popper ging am Mittwochabend in der ORF-"ZiB 2" davon aus, dass die aktuelle Corona-Dunkelziffer sehr niedrig sei. "Die Dunkelziffer ist immer hoch, wenn die Welle wieder ansteigt", so der Experte, aktuell mit wenigen Fällen würden aber auch Großdemos wie jene mit 50.000 Teilnehmern in Wien keine großen Anstiege bei den Infektionen zeigen.

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„"Positive Personen müssen aus dem Ausbreitungsnetz kommen, wir müssen Superspreader verhindern."“

Studien zur Dunkelziffer würden zwischen 30 bis 60 Prozent der Erkrankten rangieren: "Selbst bei 50 Prozent hätten wir jetzt aktuell nur 600 Erkrankte." Deswegen von einer Normalität zu sprechen und auf Corona-Beschränkungen zu pfeifen, sei allerdings der falsche Weg, so Popper. Auch eine von vielen beschworene Herdenimmunität sei für ihn "komplett illusorisch", es habe für einen Herdenschutz viel zu wenige Krankheitsfälle gegeben. Als Mathematiker spreche er sich für so viele Testungen wie möglich aus, auch wenn er sich damit in der Expertengruppe manchmal unbeliebt mache. 

„"Es wird nicht so schnell gehen wie das letzte Mal. Es kann sein, dass wir früher einen Anstieg sehen, aber einen langsameren."“

"Positive Personen müssen aus dem Ausbreitungsnetz kommen, wir müssen Superspreader verhindern", sagte Popper. Das sei auch der Grund, warum derzeit die Infektionszahlen trotz Lockerungen nicht ansteigen würden: "Wir sind schlauer geworden." Die Behörden könnten nun einschätzen, dass die Verbreitung des Virus stark durch Superspreader, also Personen, die sehr viele andere Personen anstecken, geschehe. Weitere angesteckte Personen würden das Virus dann nicht mehr so stark an andere verteilen.

"Wir sind in einer schwenbende Phase mit mal mehr, mal weniger Fällen", so Popper. Dass die Lockerungen zu keiner Zunahme der Fälle geführt habe heiße aber nicht, dass die Österreicher sicher seien. Einen solchen Superspreader-Fall sehe man derzeit in Deutschland, wo sich rund 660 Personen in einer Fleischfabrik mit dem Virus angesteckt haben. Und eine zweite Corona-Welle komme bestimmt: "Es wird nicht so schnell gehen wie das letzte Mal", so Popper, der auf die umgesetzten Hygienemaßnahmen verwies. "Es kann sein, dass wir früher einen Anstieg sehen, aber einen langsameren."