Rekrut erschossen: "Blut klebt an meinen Händen"

Jener 22-jährige Soldat, der in einer Wiener Kaserne einen Kameraden mit einem Kopfschuss getötet hat, ist nun von der Polizei zu der Tragödie befragt worden.
Bei seiner Einvernahme brach Ali Ü. immer wieder heftig in Tränen aus. "Blut klebt an meinen Händen", soll der 22-Jährige gegenüber den Beamten des Landeskriminalamtes erklärt haben.

Immer wieder muss die Befragung des jungen Mannes unterbrochen werden. Ali Ü. ringt um Worte, steht selbst nach dem tödlichen Schuss noch unter Schock.

"Ismail war doch beim Bundesheer mein bester Freund. Wir haben uns sogar die Zigaretten geteilt", so Ü. im Verhör. Aus diesem Grund soll der 22-Jährige auch seinen Kameraden aufgeweckt haben: Um eine Zigarette zu rauchen.

CommentCreated with Sketch. Jetzt kommentieren Arrow-RightCreated with Sketch. Laut den Aussagen von Ali Ü. habe er sich am Montag kurz nach 19.00 Uhr bewaffnet an einem Kommandanten vorbei geschlichen und zum Ruheraum des Wachcontainers spaziert. Dort traf er auf seinen 20-jährigen Freund, der gerade schlief.

"Überall nur noch Blut"

Als sich Ali Ü. dem Rekruten näherte, gab es plötzlich einen heftigen Knall. Nach dem "Kracher" war dann überall "nur noch Blut".

An die genauen Abläufe nach der Tat kann sich der 22-Jährige nicht mehr erinnern. Unmittelbar nach dem Schuss soll er aus dem Wachlokal gestürmt sein und "Ich hab' ihn erschossen, ich hab' ihn erschossen, ich wollte das nicht" geschrien haben.

Auch Top-Jurist Manfred Arbacher-Stöger glaubt seinem Mandanten, dass es sich um einen Unfall handelt: "Er ist gebrochen. Beim Verhör hätten wir beinahe einen Arzt gebraucht."

Ein Schussgutachten soll laut Arbacher zeigen, dass es sich um fahrlässige Tötung, nicht aber um Mord handelt. Die Kugel hätte sich gelöst, da Ali Ü. die Waffe untertags runtergefallen war und dabei eine Patrone in den Lauf geraten war.

Oberst Michael Bauer vom Verteidigungsministerium zeigte sich tief getroffen. Beim Bundesheer herrsche "große Trauer und Bestürzung", so Bauer gegenüber dem "ORF".

Kein Streit

Ein weiterer Wachsoldat, der sich zum Zeitpunkt der Schussabgabe in dem Wachlokal befunden hatte, wurde noch am Montagabend von der Wiener Polizei einvernommen.

Das Militärkommando Wien hat bereits eine Untersuchung eingeleitet. Einen Streit zwischen den beiden Soldaten, soll es ersten Ermittlungen aber nicht gegeben haben.

(wil)

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