Rettung mit Herzpatient musste an Grenze umdrehen

Ein Sanitäter mit Schutzmaske. Symbolbild
Ein Sanitäter mit Schutzmaske. SymbolbildJAKOB GRUBER / APA / picturedesk.com
Grenz-Posse: Weil dem Tiroler Rettungswagen ein "Wisch" fehlte, wurde einem Deutschen mit akutem Herzleiden die Einreise in sein Heimatland verwehrt.

Erst am Mittwoch hatte Deutschland seine Grenzkontrollen zu Tirol und Tschechien um weitere zwei Wochen verlängert. Aus den sogenannten Virusvariantengebiet darf man nur noch mit negativem Test und einer zuvor erfolgten digitalen Einreiseanmeldung von der man an der Grenze einen Nachweis vorlegen muss.

Patient verzweifelt

Die deutschen Bundespolizisten gehen dabei rigoros vor, so rigoros, dass sie dabei sogar einem Landsmann in einer medizinischen Ausnahmesituation die Einreise verwehrten, weil der Tiroler Rettungstransport eines der geforderten Papiere nicht vorweisen konnte.

Wie die "Tiroler Tageszeitung" am Dienstag berichtet, sei der 77-jährige Herzpatient sei dabei völlig verzweifelt gewesen, als er an der Grenze nach längerem Hin und Her zurückgewiesen wurde. Der Rot-Kreuz-Wagen musste umdrehen und in der Gemeinde Pinswang (Bezirk Reutte) auf einen zweiten Rettungswagen warten, der das geforderte Papier aus der Zentrale nachlieferte.

"Keine Minute zu spät"

Rund eine halbe Stunde sei vergangen ehe der deutsche Patient samt Sanitäter und den richtigen Dokumenten nach Bayern einreisen durfte und ins Herzklinikum Füssen – offizieller Vertragspartner der Tiroler Krankenkassen und direkt hinter der Grenze – eingeliefert wurde.

"Keine Minute zu spät", schildert der Tiroler Mediziner und Hausarzt des Deutschen, Erwin Pfefferkorn, gegenüber der "TT": "In Füssen wurde sofort ein Herzkatheter gesetzt und entdeckt, dass dem Mann ein Stent und ein Gefäß zugegangen waren. Umgehend mussten daher neue Stents gesetzt werden."

Der 77-Jährige kam am Vorabend in Pfefferkorns Ordination wo er nach eingehender Untersuchung als Vorsichtsmaßnahme in das Bezirkskrankenhaus Reutte eingewiesen wurde. Dort wurde er über Nacht beobachtet und am nächsten Tag in die Fachklinik ins bayrische Füssen verlegt werden. 

"Ein allgemeiner Wisch, mehr nicht"

Bezirksgeschäftsführer und Leiter des Rettungsdienstes beim Roten Kreuz Reutte, Andreas Inwinkl, bestätigte den Vorfall. Man habe ein Rettungsauto überraschend in die Werkstätte bringen müssen, der Ersatzwagen habe den besagten Zettel nicht dabeigehabt. Trotzdem: "Ein absoluter Wahnsinn, hier 30 Minuten wegen eines Stückes Papier verstreichen lassen zu müssen". Noch dazu seien sowohl Patient als auch Sanitäter negativ auf das Coronavirus getestet gewesen.

Inwinkl muss zwar zugeben, dass der Zettel natürlich nicht vergessen werden sollte, kritisiert aber die Versteifung der Grenzkontrolleure darauf: "Da ist nichts einzutragen. Das ist die Kopie einer E-Mail. Ein allgemeiner Wisch, mehr nicht". Für ihn ist es unverständlich, dass deswegen ein Rettungswagen im Einsatz an der Grenze abgewiesen wurde.

"Unverantwortlich"

Auch Hausarzt Pfefferkorn tobt: "Wir reden nicht von einem Kniegelenk, sondern vom Herzen – dem zentralen Organ. Die Rettung fährt in Corona-Zeiten doch nicht aus Jux und Tollerei an der Grenze spazieren. Einen Herzpatienten derart in Stress zu versetzen, ist unverantwortlich." 

Seinem 77-jährigen Patienten geht es den Umständen entsprechend gut. Allerdings klagte er auch bei der Nachbesprechung nach dem jüngsten Eingriff neuerlich über Herzprobleme. Der Mediziner wollte dieses Mal offenbar auf Nummer sicher gehen und alarmierte gleich einen Hubschrauber. In Füssen bekommt der Mann jetzt einen Herzschrittmacher eingesetzt.

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