"Glass" schickt Superhelden in die Klapse

M. Night Shyamalans erweitert sein "Unbreakable"-Universum.
Was, wenn Comics nicht der Unterhaltung dienen, sondern echte Heldentaten dokumentieren würden? Wenn der unkaputtbare Kraftprotz, der die Menschen aus der Nachbarschaft vor finsteren Gesellen rettet, tatsächlich als vermummter Beschützer durch die Gassen streift? Wenn das finstere Verbrechergenie von Seite fünf nur zwei Straßen weiter größenwahnsinnige Pläne schmiedet?

Da scheint es ja noch plausibler, dass Zombiefilme als Apokalypse-Tutorials ersonnen wurden, um die Zuschauer auf das Ende der Welt vorzubereiten. Ins Schaffenswerk von M. Night Shyamalan ("The Sixth Sense"), seines Zeichens Verfechter und Großmeister des finalen Plottwists, passt das Konzept der realen Comics aber wie die Faust aufs Auge.

Der Trailer von Glass:



CommentCreated with Sketch.0 zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch.
Glass
Glass


Teil eins



Vor 19 Jahren bastelte der Regisseur und Drehbuchautor daraus den Mystery-Thriller "Unbreakable": Um sein Schicksal als Superschurke zu erfüllen, benötigte Comic-Experte Elijah Price, genannt Mr. Glass (Samuel L. Jackson), einen heroischen Widersacher. Er fand ihn in David Dunn (Bruce Willis), dem einzigen Überlebenden eines tödlichen Zugunglücks, den er zum Helden ausbildete.

Teil zwei



2016 folgte das (erst im Abspann als solches erkennbare) Sequel "Split": Kevin Wendell Crumb (James McAvoy) litt an einer Persönlichkeitsspaltung. Gleich 24 verschiedene Seelen hausten in seinem Körper, eine davon eine "Bestie", die Wände emporkletterte und Schulmädchen zerfleischte.

Teil drei



In "Glass" werden Price, Dunn und Crumb nun gemeinsam in die Klapse gesteckt. Psychiaterin Ellie Staple (Sarah Paulson) soll den drei Herren die Supermann-Flausen austreiben. Während Dunn und einigen von Crumbs Persönlichkeiten bald ernste Zweifel an ihren Kräften kommen, heckt Price ein teuflisches Komplott aus.

Neue Story, alte Bilder



Auf eine erklärende Ein- beziehungsweise Rückführung verzichtet M. Night Shyamalan zu Beginn des Films völlig. Gut für die Handlung, die sich auf diese Weise ungestört entfalten kann. Schlecht für jene Zuschauer, die "Unbreakable" und "Split" nicht gesehen haben. Dafür könnte ihnen Shyamalans seit Jahrzehnten kaum veränderte Bildsprache aber noch ein Wow abringen.

Rein optisch hat der Film die besten Momente, wenn er so tut, als basiere er auf einem Comic. David Dunn, der sich in seinem Regenmantel/Superheldenkostüm schützend vor vier verschreckte Cheerleader stellt (siehe Bildstrecke), das ist lebendig gewordene Comic-Kunst und sieht großartig aus. Ansonsten strotzt "Glass" vor verschleppten Kameraschwenks, extremen Nahaufnahmen und statischen Settings. Aufregend unaufregend, erfrischend anders - wenn man es nicht schon so oft bei Shyamalan gesehen hätte.

Exzellentes Trio



Es sind die Darsteller, die dem Film Qualität verleihen. James McAvoy schafft es nach "Split" erneut, kein bisschen lächerlich, sondern richtig furchteinflößend zu wirken, wenn er von Persönlichkeit zu Persönlichkeit hüpft. Samuel L. Jackson ist ohnehin in jeder seiner Rollen die coolste Sau auf dem Planeten. Bruce Willis beherrscht zwar nur einen Gesichtsausdruck, den aber nach mehr als dreißig Jahren im Filmbiz perfekt.

Fazit:



via GIPHY

"Glass" startet am 17. Jänner 2019 in den österreichischen Kinos.

Nav-AccountCreated with Sketch. Leonard Dworschak TimeCreated with Sketch.| Akt:
Kritik/RezensionKinoKinoSamuel L. Jackson

ThemaCreated with Sketch.Mehr zum Thema

CommentCreated with Sketch.Kommentieren