Sollte die EU-Kommission am geplanten Quasi-Verbot von alten Gemüse- und Obstsorten festhalten, muss sie sich warm anziehen. Beispiellos: Neben dem Handelsriesen Spar steigt auch Rewe (Billa, Merkur, Bipa, Penny, Adeg) gegen Brüssels Aushecker in den Ring.
Samen sollen bald nur noch nach teuren Zulassungsverfahren gehandelt werden dürfen. Kleine Anbieter und ihre alten Sorten wären damit – ganz im Sinne der Saatgut-Konzerne – aus dem Rennen. Angesichts der EU-Pläne, die heute in Brüssel offiziell vorgestellt werden, platzt auch Rewe-International-Chef Frank Hensel der Kragen.
In einem offenen Brief an die EU äußern Hensel und Martina Hörmer, Chefin der Rewe-Biolinie Ja! Natürlich, ihren Wunsch nach Erhalt der Vielfalt – um dann klarzustellen: "Wir werden all unsere Kommunikationskanäle einsetzen, um die geplante Europäische Saatgutrichtlinie in dieser Form zu verhindern!"
Die gesamte Rewe International AG stünde "zu 100 Prozent" hinter den Aktionen etwa von Arche Noah und Global 2000. Zuletzt hatten bereits Gerhard Drexel, Boss des Konkurrenten Spar, und Arche-Noah-Chefin Beate Koller ein Einlenken gefordert: "Viele traditionelle, seltene lokale Sorten von Obst und Gemüse würden durch die neue Gesetzeslage vom Markt gedrängt. Damit wären Konsumenten von der Vielfalt abgeschnitten, denn Lebensmittel aus Sortenspezialitäten dürften dann nicht mehr angeboten werden."
Groß ist auch der Ärger der Österreicher. 200.000 haben auf bereits mit ihrer Unterschrift protestiert.