Die Situation am Rhein wird immer dramatischer: Am berühmten Pegel Kaub, Rheinkilometer 546, zeigt die digitale Anzeige nur noch Striche an. Der analoge Pegel misst erstmals in seiner Geschichte nur noch einstellige Werte – zeitweise nur 6 Zentimeter über dem Nullpunkt.
Wichtig dabei: Ein Pegelstand von 10 Zentimetern bedeutet nicht, dass der Rhein nur 10 Zentimeter tief ist. Der Wert zeigt lediglich den Stand über dem festgelegten Nullpunkt an. Dennoch: Sinkt das Wasser weiter, droht die faktische Zweiteilung von Europas wichtigster Wasserstraße.
Wie n-tv berichtet, werden 80 Prozent aller deutschen Binnenschiffsgüter über den Rhein transportiert. Schon jetzt müssen Frachter ihre Ladung drastisch reduzieren, um nicht auf Grund zu laufen. Der Chemiekonzern Covestro meldete bereits "erhebliche Einschränkungen" beim Rohstoff- und Warenverkehr.
Nicht nur der Rhein leidet. Auch die Donau führt so wenig Wasser wie selten zuvor. In der Wachau beträgt die Fahrwassertiefe nur noch zwei Meter, östlich von Wien sogar nur 1,8 Meter. Die Güterschifffahrt ist weitgehend zum Erliegen gekommen.
Österreichische Konzerne reagieren bereits: Die voestalpine hat ihre Transporte vollständig auf die Schiene verlagert. Normalerweise kommen rund 20 Prozent der in Linz verarbeiteten Rohstoffe per Schiff. Auch die Firma Felbermayr verschifft derzeit keine großen Industriegüter mehr.
Das Problem: Ein Binnenschiff ersetzt etwa 100 bis 150 Lkw. Die ausfallenden Kapazitäten lassen sich auf Straße und Schiene nicht kompensieren. Ökonomen warnen, dass das Niedrigwasser das ohnehin geringe deutsche Wirtschaftswachstum um bis zu 0,5 Prozentpunkte drücken könnte.
Kurzfristig hat die Politik keine wirksamen Mittel. Die Fahrrinnenvertiefung am Mittelrhein wurde bereits 1992 als "Vordringlicher Bedarf" eingestuft – gebaut wurde bis heute nicht. Bleibt zu hoffen, dass das Wochenende ausreichend Regen bringt.