80 Flüchtlinge für 113-Einwohner-Dorf – Bürger dagegen

 Flüchtlinge am Hauptbahnhof Salzburg (Archivfoto).
Flüchtlinge am Hauptbahnhof Salzburg (Archivfoto).JFK / EXPA / picturedesk.com
Im kleinen Dorf Roach sollen in den nächsten Wochen 80 minderjährige Flüchtlinge untergebracht werden. Am Montag fand eine Bürgerversammlung statt.

Am Montagabend fand in St. Egyden eine hitzige Bürgerversammlung statt, an der rund 200 Personen teilnahmen. Der Grund: Im Nachbarort Roach (Gemeinde Schiefling am See) sollen in den nächsten Wochen 80 minderjährige Flüchtlinge untergebracht werden. Es handelt sich dabei um Asylwerber, die nicht aufgrund der aktuellen politischen Situation aus Afghanistan kommen, sondern die aufgrund der steigenden Flüchtlingszahlen in Österreich umverteilt werden müssen.

Auf Einladung einer Bürgerinitiative versammelten sich deshalb die Bewohner mit Vertretern der Politik, um die offenen Fragen zu diskutieren, berichtet "ORF Kärnten". 

Kritik am Bund

So ging es etwa um die Betreuung der 80 jungen Flüchtlinge. Dass der Bund dafür Sorge trage, sei lächerlich, meinen die Bewohner in St. Egyden. Sie hätten sich schon einmal um Flüchtlingsfamilien gekümmert, denn der Bund habe nie irgendjemanden geschickt.

Untergebracht werden die Asylwerber im Lorenzihof, der momentan noch von Soldaten des Bundesheeres bewohnt wird. Sie haben seit 2015 ihren Dienst im Grenzschutz dort verrichtet und werden nun auf die Stützpunkte zwischen Cap Wörth und Ferlach aufgeteilt. 

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Wolfgang Wakonig, der Sprecher der Bürgerinitiative in St. Egyden, betonte in der "Kleinen Zeitung": "Wir haben noch das alte Asylheim, das ein Schandfleck im Ort geworden ist, und nun soll es im wenigen Meter entfernten Lorenzihof mit den Asylwerbern weitergehen. Wir müssen so schnell wie möglich wissen, was das Ministerium wirklich vorhat, Gespräche werden folgen."

Er will mit Unterstützung des Landeshauptmannes eine Lösung für seinen Ort und die ganze Gemeinde finden. Dass der Ort mit seinen 113 Einwohnern auf einmal Zuwachs von 80 minderjährigen Flüchtlingen bekomme, kritisierte er. Vor allem, dass die Aktion überfallsartig komme, stört Wakonig. Man habe seine Pflicht in St. Egyden bereits erfüllt, die Bevölkerung wolle das nicht mehr.

Auch Veldens Bürgermeister Ferdinand Vouk war bei der Informationsveranstaltung am Montagabend dabei. Er hob die Hilfsbereitschaft hervor, die die Bevölkerung schon einmal aufgebracht habe, als im angrenzenden St. Egyden drei Jahre Flüchtlingsfamilien untergebracht waren.

Fragenkatalog an Innenministerium

Schieflings Bürgermeister Thomas Wuksch (ÖVP) wurde vonseiten des Innenministeriums (BMI) über die beabsichtigte Belegung des Lorenzihofs informiert. Die Asylsuchenden werden in den nächsten drei bis vier Wochen eintreffen. Er habe einen Katalog mit 13 Fragen an das Innenministerium geschickt, doch nicht alle wurden eindeutig beantwortet. So ist etwa unklar, woher die Flüchtlinge kommen.

Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ) werde bei einem Treffen mit Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) die Bedenken diskutieren. Laut Auskunft des Landes liege Kärnten gemessen an der Unterbringungsquote von Flüchtlingen an zweiter Stelle nach Wien und noch vor Niederösterreich.

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